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Warum Deutschland der demografische Wandel ab 2020 mit voller Wucht trifft

Warum Deutschland der demografische Wandel ab 2020 mit voller Wucht trifft

Helmut Achatz
15.11.2017, 15:11 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Warum trifft Deutschland der demografische Wandel schon bald mit voller Wucht? Ganz einfach, weil Millionen Babyboomer in Rente gehen und ihre Schreibtische und die Werkbänke verlassen. Viele Betriebe, aber auch die Kommunen haben das immer noch nicht so richtig verinnerlicht. Damit dürfte sich einiges ändern in diesem Land.

„13 Millionen Babyboomer gehen zwischen 2018 und 2031 in Rente gehen und scheiden aus dem Erwerbsleben aus“, stellt Peter Kupferschmid, Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) lakonisch fest. Das seien 36 Prozent der Berufstätigen, betont er schon etwas alarmierender. Das stelle für die Gesellschaft eine Herausforderung dar. „Es kann nicht sein, dass wir nicht vorbereitet sind“, seufzt er.

Übergang ist nicht geregelt


Das ist aber nicht nur ein deutsches Problem, denn die „Zahl der Europäer über 65 Jahre wird sich in den kommenden Jahren verdoppeln“. Leider sei der „Übergang ins Alter nicht geregelt“, bedauert er. Es gebe keine Regelstrukturen mehr im Übergang vom Beruf in die Rente, anders als beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Alles strukturiere sich in Deutschland um den Faktor Arbeit. Wer in dieses Regelsystem nicht mehr reinpasst, der fällt einfach heraus – wird abgeschaltet. So etwas wie ein Übergangsmanagement gibt es hierzulande schlichtweg nicht. Das dürfte sich für viele Betriebe allerdings noch rächen.

1964 der geburtenstärkste Jahrgang


Deswegen hat das BMFSFJ den „Runden Tisch Aktives Altern“ eingerichtet. Klingt gut, ist gut gemeint, ob das BMFSJ allerdings viel erreicht, darf bezweifelt werden. Andreas Mergenthaler vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung konfrontiert die Anwesenden mit der Größenordnung: „Der Jahrgang 1964 ist der geburtenstärkste Jahrgang überhaupt mit 1,4 Millionen Lebendgeborenen“. Dabei waren auch schon die Jahrgänge davor schon zahlreich. Und diese Jahrgänge gehen ab 2020 so langsam in Rente. Das werde auch eine Herausforderung für die Betriebe. 2015 haben die Babyboomer noch 36,6 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung gestellt, bis 2035 geht ihr Anteil gegen null.

Wer kümmert sich um den Übergang?


Dass diese Kohorte in Rente geht und damit den Betrieben fehlen wird, ist das eine, das andere ist, dass sich so gut wie niemand um das Übergangsmanagement kümmert. Klaus Schmitz vom Amt für Senioren und Generationsfragen der Stadt Nürnberg zeigt auf, was notwendig wäre. Übergangsmanagement sei ein Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Er plädiert für kommunales und betriebliches Übergangsmanagement. Die Betriebe müssten seiner Meinung nach endlich begreifen, dass sie sich um eine „lebensorientierte Personalpolitik“ kümmern müssen.

Nürnberg als Vorreiter


Er verweist dabei auf das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) in Nürnberg, das als unabhängige Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement fungiert. Es soll alle Altersgruppen zusammen bringen, die sich für die Stadtgesellschaft engagieren – ein Ansporn für die jungen Alten, die im ZAB neue Aufgaben finden.

Was bei diesem Runden Tisch auch deutlich wurde: Das Thema Bildung und Digitalisierung spielt beim Aktiven Altern eine wichtige Rolle. Michael Doh von der Psychologischen Alternsforschung der Universität Heidelberg verdeutlichte, welche Chancen die Digitalisierung bietet. Bildung und Digitalisierung haben seiner Meinung nach „positive Effekte auf die sozialen, emotionalen und körperlichen Ressourcen“. Wenn die Babyboomer lernen, mit der Digitalisierung umzugehen, dann bringe das viel für die gesellschaftliche Partizipation. Umgekehrt gilt für ihn, dass die digitale Exklusion zur sozialen Exklusion führt. Es braucht seiner Meinung nach neue Konzepte für die digitale Inklusion und die digitale Bildung.

Digitale Kluft vergrößert sich


Die Babyboomer-Generation ist allerdings alles andere als homogen: Da gibt es zum einen die männlichen Babyboomer im Westen mit guter Bildung, die nicht allein leben und zu 89 Prozent in der digitalen Welt angekommen sind. Und es gibt Frauen in der 60plus-Generation aus dem Osten, alleinlebend mit niedrigem Bildungsstand, die zu weniger als zehn Prozent digitale Medien nutzen. Doh spricht von „digitaler Kluft“.

Mehr unter vorunruhestand.de

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11 Kommentare

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Die Renten würden leicht reichen, wenn sie nicht zweck entfremdet worden wären. Da andere Völker aber wichtiger sind, als das eigene Volk, kann es hinten und vorne für nachfolgende Generationen nicht mehr reichen.
Wir können es uns schon lange nicht mehr leisten. tausende von Asylanten und Faullenzern das Leben zu versüßen diese zu unterstützen aber es wird ohne nach zu denken praktiziert. Menschen die ein Leben lang gearbeitet haben, behandelt man hier in unserem Land wie Altlasten.
So nach dem Motto, mit 70 in Rente, mit 71 Endstation Friedhof.
  • 16.11.2017, 17:29 Uhr
  • 3
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Die Lebenserwartung der "Babyboomer" wird in den nächsten Jahren höher ausfallen, aus diesem Grund ist eine Rente ab 65 zu tief angesetzt. Eine gleitende Erhöhung des Rentenalters von 67 bis 70 im Jahre 2040 wird unumgänglich sein, mit der Möglichkeit die Rente bereits ab 67 zu beziehen, jedoch mit einer Massvoll reduzierten Rente.

Was den Arbeitskräftemangel anbetrifft, müssen finanzielle Voraussetzungen geschaffen werden, dass Arbeitskräfte welche in D ausgebildet wurden, nicht ins Ausland abwandern, da andernorts interessantere Anstellungen angeboten werden
  • 15.11.2017, 15:50 Uhr
  • 1
<<<...dass Arbeitskräfte welche in D ausgebildet wurden, nicht ins Ausland abwandern, da andernorts interessantere Anstellungen angeboten werden>>>

Um das zu verhindern wurde schon mal eine Mauer gebaut.
  • 15.11.2017, 16:28 Uhr
  • 0
Karl Napp, und warum sind die alle gegangen ??? Das ist alles nur eine Frage der Bezahlung und Behandlung dieser Leute.
  • 15.11.2017, 19:05 Uhr
  • 1
Arbeitskräftemangel ? Was für einen Arbeitskräftemangel ?
Es gibt keinen Arbeitskräftemangel, es gibt einen Ausbildungsmangel.
Es wird auch in Zukunft keinen Arbeitskräftemangel geben. Die Industrielle Revolution 4.0 in der wir mitten drin sind sorgt dafür dass es immer weniger Arbeit geben wird, aber immer besser Ausgebildete gebraucht werden.
Die Industrie hat es versäumt passende Ausbildungsplätze zu schaffen. Da holt mal lieber (z.B. im IT-Bereich ) fertig Ausgebildete aus Indien oder im Pflegebeich aus Osteuropa oder Asien.
Das Renteneintrittsalter immer weiter anzuheben ist völlig kontraproduktiv. Dadurch entsteht ein Stau der jüngeren Arbeitnehmen das fortkommen erschwert.....und sie eventuell ins Ausland treibt.
Das einzig sinnvolle ist eine radikale Reform des Rentensystems nach Schweizer Vorbild.
  • 15.11.2017, 20:16 Uhr
  • 3
<<<Karl Napp, und warum sind die alle gegangen ??? Das ist alles nur eine Frage der Bezahlung und Behandlung dieser Leute.<<<

Ja Harald,
jetzt hat man es geschaftt und die Wohltaten können wieder eingepackt werden.
  • 16.11.2017, 09:37 Uhr
  • 0
Das schaffen von Arbeitsplätzen ist ein Teil. Der andere ist, das geistige Potential bei der Jugend aus zu schöpfen, durch ein polyvalentes Bildungssystem, um den Einstieg zu ermöglichen, welche die Wirtschaft auf den neuen Gebieten im Bereich IT, und verschiedenen Dienstleistungen schaffen wird.
  • 17.11.2017, 07:36 Uhr
  • 0
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Volle Zustimmung.

Die Flüchtlinge können das nie und nimmer ausgleichen. Das Statistische Bundesamt sowie das Sachverständigengutachten der Wirtschaftsweisen errechnete, dass wir mindestens 400.000 Leute durch Zuwanderung jährlich gewinnen müssen, um dieses auszugleichen.

Daher bin ich zuversichtlich, dass wir ein Einwanderungsgesetz - Fachkräftezuwanderungsgesetz - bekommen werden, um dies mit den benötigten Vorlaufzeiten auszugleichen.

Auch ist denkbar, dass Flüchtlinge ohne einen Aufenthaltstitel, die eigentlich zurück müssen, auf dieses zu schaffende Kontingent angerechnet werden kann und eine Bleibeperspektive bekommen. Alles im Sinne des nicht vorhandenen Nachwuchses der Babyboomer, deren Arbeitsplätze bei Rentenbeginn nicht mehr besetzt werden können. In diesen Zahlen sind auch schon der verminderte Bedarf an manchen Arbeitsplätzen durch die Industrie 4.0 eingerechnet.

Deutschland wird sich auch in Zukunft weiter verändern - nicht nur durch Arbeitskräfte aus der EU sondern aus der ganzen Welt..
  • 15.11.2017, 15:40 Uhr
  • 2
Elmar W. was für Flüchtlinge sollen das ausgleichen???Eigentlich sollten die mal wieder in ihre Heimatländer zurück geführt werden,aber denen gefällt das hier so gut fürs nichts machen bezahlt zu werden.Man mach endlich mal die Augen auf und begreife mal das die uns auch zu dieser Zeit uns noch auf der Tasche liegen .Ich habe noch keinen qualifizierten Flüchtling gesehen der hier arbeiten will.Es kommen auch keine Arbeitskräfte aus aller Welt zum arbeiten nach DE. Vielleicht sollte man mal die eigenen Arbeitskräfte richtig entlohnen und ich bin überzeugt da würden auch viele Deutsche Bürger die im Ausland arbeiten wieder zu rück kommen.
  • 15.11.2017, 19:02 Uhr
  • 2
Ist das wirklich neu? Solche Horrormeldungen gab es in Zeiten der Hochkonjunktur schon öfter. Und immer wieder hat sich das von allein gelöst. Denn nach dem Hoch kommt auch wieder ein Tief. Ich finde, das die abhängigen Arbeitnehmer, die in Teilzeit oder befristet arbeiten müssen, das Vertrauen in die Zukunft bereits aufgegeben haben. Und daran ist nicht nur die Politik, sondern auch der Arbeitsmarkt (sprich Unternehmer) Schuld. Ich nenne das Ausbeutung.
  • 16.11.2017, 13:56 Uhr
  • 1
Hallo Harald, Du hast recht, denn die Industrierevolution IV ist erst am Anfang und schon wird in den Großbetrieben auf den Freistellungsmodus umgeschaltet. Was soll denn das Geschwafel ohne Sinn? Wenn man die Unternehmen und Verwaltungen betrachtet, dann kann man oftmals feststellen, daß in einigen Betrieben noch Datenverarbeitung zu Fuß betrieben wird. Die reden ohne zu Wissen wie man eine Datenbank kreiert, geschweige was Roboting in der Neuzeit alles schon leisten kann. Davor werden immer noch die Augen verschlossen. Nur die Dummen und Blöden holen immer noch unausgebildete Fremde ins Land, die dann den Sozialkassen auf der Tasche liegen.
  • 16.11.2017, 18:47 Uhr
  • 0
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