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Lindner, Merkel, Christus - die Kreuzigung als Sinnbild der Volksseele

22.11.2017, 08:36 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Jetzt haben sie also wieder ihren "Schuldigen" gefunden. Im Wahlkampf und davor war es Frau Merkel und Herr Gauck die als Volksverräter, Pfaffenschwein, und vielen Ausdrücken mehr, die ich hier nicht wiederholen möchte, bezeichnet wurden. In Wutdemonstrationen wurden Galgen gezeigt und blanker Hass aus des "Volkes" Seele prasselte auf die gewählten Politiker ein. Seit Sonntag steht Herr Lindner und seine Mitstreiter im Mittelpunkt der Zornwolke des "Volkes", der Wähler und der Medien. Der Judas, der Egoist, der Emporkömmling, der Vorzeige-Neoliberale, der Totengräber der Demokratie. Auch hier verzichte ich aus Respekt und gutem Anstand auf Schimpfwörter unter der Gürtellinie.

Als ich schon im Vorfeld der Wahlen diese Demonstrationen und Ausschreitungen sah, dieser blanke Hass in manchen Augen, fühlte ich mich zurückversetzt um über 2000 Jahre. Ich glaube so ist es damals Christus ergangen. Nur gab es damals noch keine staatliche Schutzmacht. Ich bin überzeugt wenn der Mob freie Hand gehabt hätte, ohne Polizei, die hätten Frau Merkel, samt jetzt den Lindner und den Kubicki, einfach aufgehängt (gekreuzigt). Und das von Menschen die sich Christen nennen. Von anscheinend aufgeklärten Bürgern im 21 Jahrhundert in Mitteleuropa. Mit Hilfe der Presse die Feindbilder viel einfacher verkaufen kann, als demokratische Koalitionen die zwar etwas wackelig sind, aber dem Staat ein Stück Stabilität geben.

Für mich war und sind das Anzeichen dafür, das wir als Gesellschaft zwar gerne den Moralfinger erheben und für Solidarität und Menschenrechte, für Gleichheit und Umweltschutz werben, aber gleichzeitig aufbegehren und zurück fallen in Verhaltensweisen die meilenweit weg sind von diesen heeren Zielen, sobald wir nur im Ansatz die Gefahr erkennen das uns etwas weg genommen werden soll, werden wir zu Bestien. Da kommt der Neandertaler mit voller Breitseite hervor. Das was uns zum Menschen macht ist nicht die Moral, sondern das Mitleid das uns längst abhanden gekommen ist. Aus einem sicheren Land mit einem sicheren Einkommen und sozialen Errungenschaften, wie Sozialversicherungen, Jahresurlaub, Kindergeld, Rente und vieles mehr brauchen wir uns um nicht viel zu sorgen. Man kann also hier getrost auf Moral machen. In Ländern die weder eine stabile Regierung haben, noch die politische und religiöse Freiheit für ihre Bürger garantiert und in Sachen sanitäre Mindeststandards und Trinkwasserversorgung nicht mal ansatzweise sich auf unserem Niveau bewegen spricht niemand von Moral und sozialer Gerechtigkeit.

Deshalb haben wir Zeit diejenigen zu beschimpfen die uns vermeintlich ins Verderben führen und uns nicht den Status erhalten den wir gerne weiter haben möchten. Wir haben zeit den "Judas" den Schuldigen auszumachen, der für unsere Misslage verantwortlich gemacht wird. Denn Eigenverantwortung ist zum Fremdwort geworden, wir sind satt. Und es ist immer einfacher einen Schuldigen zu benennen als sich selbstkritisch zu hinterfragen. Im Osten der Republik war das ja über 40 Jahre nicht erforderlich. Da sorgte der Staat für seine Bürger.

Armes Deutschland kommt mir in den Sinn. Auch hier im Land der Träume wächst die Zahl der Unzufriedenen, aber nicht weil sie nichts haben, sondern weil sie Angst haben dass das was sie haben weniger werden könnte. Irgendjemand sagte mal es ist nicht mehr lange und wir haben den Bürgerkrieg im Lande. So langsam glaube ich das, aber nicht wegen der vielen Flüchtlinge, sondern weil wir die Bedürfnisse der Leute die glauben sie wären das "Volk" nicht mehr befriedigen können.

Wenn Christus heute noch mal leben könnte, er würde genauso ans Kreuz genagelt werden. Nicht weil er nicht gütig wäre, nicht weil er die Hungernden nicht nähren und die Kranken nicht heilen könnte, sondern weil er denen nicht mehr verschafft die schon genug haben und, weil er die anderen, die nicht mithelfen beim satt und gesund werden, einfach nur enttäuscht.
Wir haben nicht viel gelernt. Leider!!

64 Kommentare

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Ich glaube,dass ein Grossteil der Älteren und dazu zähle ich uns,ziemlich genau einschätzen kann,wohin uns die gegenwärtige Politik führt.Und viele von uns haben grosses Unbehagen,was auf unsere Kinder und Enkel zukommt.Und dieses Unbehagen hat knallharte Zahlen im Hintergrund.Nur in einem Punkt gebe ich dir Recht,man sollte in jeder Diskussion um Mässigung in der Wortwahl bemüht sein.
  • 22.11.2017, 12:42 Uhr
  • 2
Nein nicht nur in Diskussionen sondern mal sollte überhaupt überlegen wie man jemand bezeichnet. Das hat etwas mit Anstand und Respekt zu tun. der scheint uns abhanden gekommen zu sein.
  • 22.11.2017, 12:48 Uhr
  • 1
Halo Siegi,
Anstand ergibt sich aus der Erziehung im Elternhaus, Respekt muß man sich erarbeiten. Vor einem Faulenzer hat kein Mensch Respekt. Aber der Anstand gebietet es mir, Ihn zu grüßen und anständig zu behandeln.
  • 22.11.2017, 13:16 Uhr
  • 1
Mit Respekt meine ich die Tatsache das wir alle Menschen sind und diese sollten respektvoll (zuerstmal) behandelt werden. Denn genauso möchte auch ich behandelt werden.
  • 22.11.2017, 13:20 Uhr
  • 1
Kann ich zustimmen, denn es gebietet der Anstand.
  • 22.11.2017, 13:31 Uhr
  • 2
Peter,
warum hast du dem "Faulenzer" gegenüber keinen Respekt ?
Ist der Mensch nur zu respektieren, wenn er etwas leistet ?
Ich muss dir da widersprechen !
Jeder Mensch ist zu respektieren, weil er Mensch ist, Mitmensch, Bruder und Schwester.
Das ist ja gerade eines unserer Hauptprobleme, dass alles in unserer Gesellschaft gnadenlos den Profitinteressen des Kapitals unterworfen wird, und das bedeutet ja gerade, dass nur der Mensch ein guter Mensch ist, der "Erwerbsarbeit leistet", und dessen Arbeitskraft dann ausgebeutet werden kann.
Wenn du dem Menschen, der keine Erwerbsarbeit leistet, warum auch immer, keinen Respekt entgegenbringst, stellst du "Arbeit" in der Bedeutung über den Menschen, wo sie meiner Ansicht nach nicht hingehört, denn in den Mittelpunkt gehört der Mensch selbst, unabhängig von seiner
Leistung.
  • 22.11.2017, 16:10 Uhr
  • 2
Hallo Herbert,
in meiner Jugend habe ich gelernt Arbeit adelt und wer arbeitet, gleichgültig was, liegt nicht in der sozialen Hängematte und fällt damit der Allgemeinheit nicht zur Last. Respekt muß man sich erarbeiten, auch das habe ich so gelernt und erfahren. Hier wird Respekt mit Anstand immer wieder verwechselt. Deine Thesen lieber Herbert sind irrig. Wenn ein Akademiker einen Raum voller Menschen betritt und nicht grüßt, so hat er keinen Anstand. Aber weil er etwas geleistet hat, denn einen akademischen Grad bekommst Du ja nicht geschenkt, wird er respektiert - auch wenn er keinen Anstand hat.
  • 22.11.2017, 20:06 Uhr
  • 3
Hallo Peter,
ich habe keine Probleme damit, dich zu respektieren, obwohl ich deine Meinung nicht teile.
Und mein Respekt für dich ist auch unabhängig davon, ob und wie und was du im Leben erarbeitet oder geleistet hast.
Ich respektiere auch keinen Akademiker wegen seines akademischen Grades, sondern weil er ein Mensch ist.
Weil ich dich als Mensch respektiere, kann ich deine Meinung so stehen lassen, ohne dich von meiner überzeugen zu wollen.
Schönen Abend dir.
  • 22.11.2017, 21:43 Uhr
  • 1
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Zitat: "Wenn Christus heute noch mal leben könnte, er würde genauso ans Kreuz genagelt werden......."
Ja, da bin ich mir auch völlig sicher
  • 22.11.2017, 11:52 Uhr
  • 3
Danke Edelgard
  • 22.11.2017, 12:48 Uhr
  • 0
Das kommt davon, wenn Menschen ungerecht behandelt werden und des Volkes Zorn ausbricht. In den Jahren vor 2015 hieß es immer von Seiten Schäubles "Es ist kein Geld vorhanden - wir brauchen die schwarze Null!" Ab der zweiten Jahreshälfte 2015 bis dato sind Milliarden vorhanden für Flüchtlinge, nicht für die deutschen Mitbürger. Da soll einem nicht die Zornesröte ins Gesicht steigen? Ist das Gerechtigkeit und wie war das mit der Würde des Menschen? Die schlechte Politik Merkels und der GroKo haben zu diesem Verdruß geführt, dafür haben die beiden Parteien eine Wahlklatsche erhalten. Die SPD hat es zum Teil begriffen, die CDU/CSU benötigt nochmals eine kräftigere Klatsche bis sie es begreift. Jeder der in einem Betrieb soviel Mist baut, würde umgehend seine Freistellung bekommen. Aber was sagte Frau Merkel: sie kann keinen Fehler erkennen? Diese Frau lebt auf einem anderen Planeten und träumt immer noch.
  • 22.11.2017, 13:29 Uhr
  • 5
Wenn eine Partei 32 % der Wählerstimmen bekommt und die andere über 20 % dann heißt das im Umkehrschluß für Sie, dass diese Mehrheit der Bürger auf einem anderen Planeten leben und nur Sie die Wahrheit kennen und wissen was zu tun ist?
Dann glauben Sie an ihr eigenes Märchen weiter, aber nicht auf meinem Blog.
Das Thema ist ein anderes und ich lasse mir dieses nicht von Ihnen auf die Flüchtlingsebene und ihren persönlichen Merkelhass ziehen.
Schönen Mittag noch
  • 22.11.2017, 13:34 Uhr
  • 1
Hallo Siegi,
hier handelt es sich um zwei verschiedene, ungleiche Parteien CDU 26,8 % und CSU mit 5,6 %. Das sahn man auch in den Vorgeprächen, in denen sie eniges miteinander ausgeklüngelt haben. Das war der erste Fehler der bei dem Bestreben zu einer Koalition zu kommen, gemacht wurde und zum ersten Mißtrauen führte. Noch etwas Siegi, wenn Sie glauben, daß meine Ausführungen nichts mit dem Thema zu tun haben, dann dürfen Sie es nicht unter der Rubrik "Politik" einstellen.
  • 22.11.2017, 13:43 Uhr
  • 2
Ich kann hier tun was ich will. Und wenn ich das Gefühl habe das Sie mit ihrem Kommentar am Beitrag vorbei sind, dann kann ich das für mich so machen.
Wenn Sie Ihren eigenen Beitrag schreiben möchten, nur zu. Es gibt keinen Hindernisgrund.
Auf Wiedersehen
  • 22.11.2017, 14:05 Uhr
  • 0
Hier wurde ein Kommentar durch den Eigentümer des Inhalts entfernt.
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Auch ich finde den Beitrag sehr wichtig und notwendig.
Was mich stört sind die "WIR". Es gibt sie nämlich noch, diejenigen die sich für Demokratie und Verständigung einsetzen, - und das sind sehr viele, wohl die Meisten - aber die können oder wollen nicht so laut schreien wie der Mob, der in Zeiten der "sozialen" Medien (warum heisst das so?) alle Hemmungen fallen ließ und seinem Hass freien Lauf lassen kann.
  • 22.11.2017, 11:40 Uhr
  • 3
Man muss ein wenig übertreiben um aufzurütteln.
Du hast natürlich recht und ich weiß auch das es genügend gibt die hinter unserer Demokratie stehen
  • 22.11.2017, 12:49 Uhr
  • 2
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Ein wichtiger und notwendiger Beitrag Siegi. Gelassene Diskussionen sind selten geworden. Oft kommt blanker Hass zum Vorschein, obwohl es doch "nur" um Politik geht.
Vielleicht bin ich zu alt um diese Auswüchse zu verstehen. Ob Pegida, Nazis oder einzelne Politiker der AfD, sie kommen mit den Veränderungen der globalisierten Welt nicht zurecht. Manchmal glaube ich, dass sie sich nach der Idylle der abgeschotteten DDR zurück sehnen. Dort war die Politik und die Wirtschaft überschaubar, wenn auch unfrei, aber man konnte sein Leben ohne große Veränderungen gestalten.
Deshalb sind diese Leute für mich arme Teufel, die aber leider auch gefährlich werden können.
  • 22.11.2017, 11:15 Uhr
  • 2
Danke für diesen Beitrag
  • 22.11.2017, 11:33 Uhr
  • 0
Aber die unzufriedenen ewig Gestrigen gibt es eben nicht nur in der ehemaligen DDR!
  • 22.11.2017, 11:42 Uhr
  • 1
Natürlich nicht, aber gemessen an der Einwohnerzahl der östlichen Bundesländer sind sie dort wesentlich stärker vertreten.
  • 22.11.2017, 15:02 Uhr
  • 0
Digger, im tiefsten konservativen katholischen Franken gab es einen Kreis, in dem die Prozentzahlen für die AfD fast genau so hoch waren wie in Sachsen.
  • 22.11.2017, 20:06 Uhr
  • 0
Heidi, auch im Bayerischen Wald gab es eine Menge Stimmen für die AfD.
  • 22.11.2017, 21:08 Uhr
  • 0
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Der Unterschied zwischen den Verhältnissen von vor 2000 Jahren und den heutigen ist nur ein gradueller. Die Gier der Menschen nach 'mehr' ist noch die gleiche. Verändert haben sich die Ansprüche. Sie sind im gleichen Maße gewachsen wie der technische Fortschritt, der einem Großteil der Menschheit einen höheren Lebensstandard möglich gemacht hat.
Gleich geblieben ist auch die Neigung der Menschen, die Verantwortung für jedwedes Missgeschick und Ungemach von sich wegzuschieben, dem jeweils 'anderen' aufzulasten. Das alte und das neue Testament sind voll von Beispielen, in welchen von dem 'Sündenbock' die Rede ist.
  • 22.11.2017, 09:56 Uhr
  • 11
Ja das ist wahr. Die Priester wussten schon damals warum sie den Sündenböcken eine Gestalt gaben und sie schlachten ließen.
  • 22.11.2017, 09:57 Uhr
  • 3
Moin ich sehe es differenzierter, wenn es um Sündenböcke geht! Mal abgesehen von jenen die in der Volksseele immer nach vorne geprescht sind,um hirnlos angebliche Schuldigen zu brandmarken. bleibt doch die große Mehrheit besonnen.
In Lindner sehe ich keinen Christus keinen Judas, kein Opfer!
Fakt ist, wir schauen alle auf ihn, er sitzt freiwillig im Glaskasten... wir hier werfen keine Steine, werden auch nicht verbal ausfällig, aber die Frage stellt sich schon,
War es Taktik?
  • 22.11.2017, 10:12 Uhr
  • 7
Wen meinst Du mit wir? Die User hier, die Presse? Also ich habe einen ganz anderen Eindruck seit Montag. Hier geht es nicht um Opfer und wer sich irgendetwas selbst zuzuschreiben zu hat, sondern es geht um des Volkes Seele. Wenn man sie lassen würde wie sie gerne würden, dann wäre weder Frau Merkel noch Herr Gauck und auch nicht Herr Lindner am Leben. Darüber sollten wir uns Gedanken machen. Ob Herr Lindner seiner Verantwortung gerecht geworden ist, das ist ein anderes Kapitel und das soll er dann mit seiner Partei ausmachen. Mir ist das egal.
  • 22.11.2017, 10:22 Uhr
  • 2
Mit wir, habe ich uns drei gemeint und wenn ich mich umschaue sind meinen Mitmenschen gewaltlos auch meine Kontakte! Die Ausfälle gegen die von dir genannten Personen halte ich nicht für die Regel!
  • 22.11.2017, 10:27 Uhr
  • 4
Auch dafür - für ' des Volkes Seele' - liefert de Bibel ein recht anschauliches Beispiel, nämlich den Ruf des wütenden Mobs: "Kreuziget ihn ! "
  • 22.11.2017, 10:29 Uhr
  • 1
Ja Friedhelm ich kenne die Bibel und sie ist aktueller denn je.
@Malisa wir 3 sind nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Gesamtheit. Natürlich ist es mir bewusst das die Mehrheit der Bevölkerung nicht zu Gewalt neigt. Aber das früher auch schon so. Es reicht immer wenn sich die richtigen zusammenfinden. Wenn die Welle losgetreten ist, ist sie schwer zu stoppen. Die Presse sollte sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Und wir auch!!
  • 22.11.2017, 10:32 Uhr
  • 1
Willst du damit sagen, dass dies nun erfolgt wize.life-Nutzer?
Ich denke es gab schon immer den Pöbel und Christus wurde nicht gekreuzigt weil es der Pöbel so wollte sondern weil es die Römer so handhabten mit den Christen!
  • 22.11.2017, 10:33 Uhr
  • 1
@ Siegi Der Welle von der du sprichst, wird energisch etwas entgegengesetzt!
Nur ein Beispiel: Für die, die das Dritte Reich lostraten gab es kaum Widerstand, da ist es heute anders!
Und wenn die AfD es schaffte in den Bundestag halte ich das zwar nicht für schön, aber doch für eine friedliche Variante der Meinungsäußerung.
  • 22.11.2017, 10:44 Uhr
  • 5
"Es reicht immer wenn sich die richtigen zusammenfinden. Wenn die Welle losgetreten ist, ist sie schwer zu stoppen."
Man braucht nicht bis in biblische Zeiten zurückzuschauen, um Beispiele dafür zu finden. Auch wenn die Mehrheit im Grunde nicht 'gewaltbereit' ist, so ist der 'Plebs' (das Volk) doch leicht verführbar. Die Judenverfolgung und Auschwitz wären nicht möglich gewesen ohne das stillschweigende Einverständnis der Masse der 'Volksdeutschen', die den Verschwörungstheorien (Weltjudentum) der Nazis ein offenes Ohr schenkten und daher bereit waren, die Augen vor deren Verbrechen zu schließen. Deshalb von 'Kollektivschuld' zu sprechen, geht zu weit, wohl aber gibt es eine 'Kollektivverantwortung' für das, was heute und in Zukunft bei uns geschieht. 'Wehret den Anfängen' ist und bleibt die Devise.
  • 22.11.2017, 10:50 Uhr
  • 7
Habe ich was anderes geschrieben
  • 22.11.2017, 10:52 Uhr
  • 1
Nein, Malisa, Du warst nur schneller als ich.
  • 22.11.2017, 10:53 Uhr
  • 3
Vor vier Jahren war es fast undenkbar das eine rechte Partei mit über 10 % in den Deutschen Bundestag einzieht. Das ist schon Wirklichkeit geworden. Wir werden sehen was noch passiert. Wachsamkeit ist wichtig. Aber wir werden die "Zerstörer" und "Randalierer" nicht aufhalten.
Ich bin kein optimistischer Mensch, aber ich glaube immer noch an die Vernunft.
  • 22.11.2017, 11:02 Uhr
  • 1
Ich bin der Meinung, dass von 10% nur die Hälfte rechts Radikale sind! Und die wize.life-Nutzer saßen schon immer in ihren Löchern! Das Verbot einiger Gruppierungen hat ihnen bei der AFD eine neue Heimat geboten!
Sichtbar, machen sie mir weniger Angst als in Untergrund und im Bundestag müssen sie die Karten auf den Tisch legen!
Mal sehen wie lange die Besorgten noch da mitlaufen!
  • 22.11.2017, 11:12 Uhr
  • 1
Also ich gehe jetzt aus dieser Diskussion, weil ich meinen Beitrag nicht in die rechte Ecke und wieder mit dem AFD Hauch gesehen habe. Mir ging es um viel viel mehr.
Aber ich freue mich wenn Du es alles gelassen siehst. Vielleicht sollte man zumindest diesem Klientel gelassener gegenüberstehen, wenn auch immer wachsam.
Schönen Mittag wünsche ich euch noch
  • 22.11.2017, 11:34 Uhr
  • 1
ich habe nur den von dir entwickelten Faden gefolgt!
  • 22.11.2017, 11:37 Uhr
  • 1
Aber es sind doch "Nur" 14% der Wahlberechtigen, die rechts gewählt haben. Immerhin glaube ich, dass die restlichen 86 % nach wie vor hinter der Demokratie stehen.
  • 22.11.2017, 11:48 Uhr
  • 2
Bei uns gibt es den Ausdruck für jene die du beschreibst Siegi: Plebs, und der findet seinen Ursprung bei den alten Griechen und diese Sorte ist leider immer in der Geschichte zu finden und auch heute repräsentiert in unserer Gesellschaft!
https://www.duden.de/rechtschreibung..._Mob_Poebel
  • 22.11.2017, 11:51 Uhr
  • 0
Malisa,dir sollte bekannt sein,dass ein Grossteil der AfD Wähler eben kein " Plebs" sind.
  • 22.11.2017, 11:59 Uhr
  • 0
Nach Siegis Wunsch möchte ich mich nicht weiter über die AfD auslassen!
Mit Plebs meinte ich jene, die er mit Recht, mit Sorge sieht, in seinem Beitrag!
  • 22.11.2017, 12:02 Uhr
  • 2
Korrektur..bei den Römer und nicht bei den Griechen
  • 22.11.2017, 12:30 Uhr
  • 0
Gegeben hat es die freilich schon immer. Aber in einem Rechtsstaat, wie es die BRD war und ist, war deren Spielraum früher begrenzt, man traute sich Hetz- und Hassparolen fast nur am Stammtisch zu äußern.
Heute, im Zeitalter der anonymen Auftrittsmöglichkeiten in den sog. "sozialen". Medien, traut sich die braune Brut aus ihren Löchern.
  • 22.11.2017, 12:37 Uhr
  • 2
Allein " braune Brut" ist genauso ein Ausdruck,der hier angeprangert wird.Du führst dich selber ad adsurdum.
  • 22.11.2017, 12:44 Uhr
  • 2
Ich gebe Siegi W. vollkommen Recht.
Nicht diejenigen, die zu dem unteren Drittel unserer Gesellschaft gehört, schimpft darauf, dass Merkel die vielen Flüchtlinge ins Land gelassen hat. Es sind die, die durchaus etwas "haben", zum Kleinbürgertum und zur unteren Mittelschicht gehören und Angst haben, abzurutschen in die Unterschicht bzw. etwas von ihrem "Wohlstand" abgeben zu müssen.
Wir Deutschen, denen es im Vergleich zu den Bewohnern der meisten Länder auf diesem Planeten noch sehr gut geht, haben ein Problem mit Fremden zu teilen und damit, den Lebensstandard
freiwillig etwas zu senken.
Wird es uns von oben diktiert, nehmen wir es zähneknirschend hin, denn wir sind ja "autoritätsgläubig."
Aber mit den "herbeigelaufenen Hungerleidern zu teilen, die wir nicht gerufen haben, da gehen wir voller Hass auf die Barrikaden.
Schon bald ist wieder Weihnachten, das "Fest der Liebe," wo wir uns wieder allen möglichen überflüssigen Blödsinn schenken, der dann meist in den nächsten Tagen wieder umgetauscht wird.
Es ist auch die Zeit, in der Polizei und Feuerwehr alle Hände voll zu tun hat, weil sich statt "Liebe" der "innerfamiliäre Hass" Bahn bricht.
Wie war es vor 2000 Jahren ?
Einfache Leute, ein Handwerker und eine hochschwangere Frau, bitten um Asyl, und sie werden abgewiesen.
Sie finden schließlich einen Stall und dort wird das Kind geboren , zwischen den Tieren im Stall in einer Krippe.
Oder die Geschichte von Sankt Martin, den wir zu Recht feiern mit einem wunderbaren Lichterfest.
Es wird ein Mensch gefeiert, ein Soldat, der im klirrenden Frost einem frierenden Bettler seinen halben Mantel schenkt, damit dieser nicht erfriert.
Er hätte auch anders reagieren können.
Er hätte den Bettler verjagen können, damit er ihn nicht sehen muss.
Wir, die wir im christlichen Abendland aufgewachsen sind, haben genug positive Vorbilder für menschenfreundliches Handeln, aber es gibt leider auch andere Parolen wie den unsäglichen Werbeslogan "Geiz ist geil !", der Slogan unserer "wahren Religion", dem gnadenlosen Profitsystem.
Schäuble, der fleischgewordene Pfennigfuchser und "Herr der schwarzen Null," war die letzten Jahre bei Umfragen stets der beliebteste Politiker. Auch das sind wir.
Vielleicht sollten wir, statt immer mit dem Finger auf andere zu zeigen, mal öfter in den Spiegel gucken und aufmerksam prüfen, wer uns da anschaut.
Ich bedanke mich bei Siegi W. für den sehr interessanten Beitrag.
  • 22.11.2017, 15:49 Uhr
  • 4
Das St.Martinsfest wird übrigens kaum noch gefeiert.Wir nennen es jetzt" Lichterfest"😩
  • 22.11.2017, 17:16 Uhr
  • 1
Beate: ich habe lediglich von Brauner Brut gesprochen, ohne dabei die AFD zu erwähnen. Mir ist vollkommen klar, dass ein Teil der Wähler, wie viele Prozent kann man nur vermuten - KEINE braune Brut sind, sondern einfach nur schlecht informiert. Aber du wirst doch zugeben müssen, dass es "Braune Brut" gibt, ober wie willst du die Mörder der NSU, die Mordbrenner, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden oder die, die unsere Regierungsvertreter am liebsten aufhängen würden, denn sonst nennen? Demokraten, die ihre freie Meinungsäußerung (in Form von Gewalt und Hass) wahrnehmen.
Aber anstatt MICH zu verteidigen, sollte ich dir lieber den Rat geben, nur das zu lesen und zu bewerten, was da steht, und nichts hinein zu interpretieren.
Was das alles mit dem St. Martins-Fest zu tun hat, ist mir allerdings ein Rätsel.
  • 22.11.2017, 19:40 Uhr
  • 2
Heidi Planetenfrau,
auch ich finde, dass es in diesem Land eine braune Brut gibt.
Es sind nach 1945 Unmengen von Nazis "von heut auf morgen" auf wundersame Weise zu Demokraten mutiert.
Zeitweise hatten die Ex- Nazis im Bundestag sogar die Mehrheit.
Sie saßen in allen Parteien, aber mehrheitlich in der CDU, und eine Zeitlang bekam die Nachfolge-Organisation der NSDAP, die NPD, weit über 5% und saß damit auch im Bundestag.
Haben sie auch ihre faschistische Denkweise demokratisiert?
Natürlich nicht !
Sie machten mit dem weiter, was sie vorher auch taten, die Linken wurden gejagt und die Rechten geschont.
1956 wurde die KPD verboten, und bis heute ist die NPD nicht verboten worden. Zuletzt wurde ein Verbot dieser faschistischen Partei verhindert mit dem Argument, diese sei zu schwach, um eine Gefahr darzustellen.
Auch MAD und Verfassungsschutz wurden von Ex-Nazis gegründet und tradierten diese Denkweise weiter.
Linke Politiker wurden bespitzelt und rechte Gewalttäter wurden reihenweise zu unpolitischen "Einzeltätern" erklärt.
Der Bombenanschlag auf dem Münchner Oktoberfest vom 26. 09. 1980, bei dem 11 Menschen getötet wurden und 211 verletzt, davon 68 schwer, galt lange Zeit als Tat eines Einzelnen, obwohl der Täter nachweislich Mitglied in der rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann" war.
Diese militante neofaschistische Gruppe wurde in der Zeit vor dem Anschlag von dem damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Strauß als eine " Gruppe von Spinnern" verharmlost und nicht verboten.
Wie gegen Linke vorgegangen wurde, zeigen die Berufsverbote Ende der 60er bis in die 70er Jahre, bei denen Kommunisten, linken Sozialdemokraten, engagierten Friedenskämpfern und Antifaschisten der Weg in den Staatsdienst verwehrt wurde und somit vielen engagierten Lehrern und anderen die berufliche Existenz vernichtet wurde, und das ausgerechnet unter dem ehemaligen Kommunisten und als links geltenden Kanzler Willi Brandt.
Ein Staat, in dem es sich viele Ex-Nazis bequem gemacht hatten, "brütet" natürlich viele junge Neo-Nazis aus, indem er die Nazi-Denkweise inoffiziell tradiert.
Man darf sich dabei nicht von den "offiziell verordneten antifaschistischen Sonntagsreden" blenden lassen, die so taten, als wäre der Nazismus in Deutschland ein für alle mal überwunden und damit verschwunden.
Beim "NSU Prozess" wird wieder deutlich, wie die offizielle Version der 3 Täter gegen viele anderslautende Erkenntnisse
durchgesetzt worden ist und die vielen anderen Spuren, die auf ein ganzes faschistisches Netzwerk deuten, nicht verfolgt worden sind bzw. auch bewusst von Behörden vernichtet worden sind, z. B. indem wichtige Akten behördlicherseits geschreddert wurden und so dem Untersuchungsausschuss nicht mehr zugänglich waren.
Leider hat sich Deutschland bis heute nicht offen und ehrlich mit seiner faschistischen Vergangenheit auseinandergesetzt
und die vielen Täter nicht zur Rechenschaft gezogen.
Deshalb schwärt diese Wunde immer weiter und kann nicht heilen.
  • 22.11.2017, 20:57 Uhr
  • 0
Dein langer Kommentar, Herbert, könnte bei unbefangenen Lesern den Eindruck hinterlassen, die dort angesprochene 'braune Brut' sei im Begriff, erneut die 'Machtergreifung' zu vollziehen. Eine solche Gefahr sehe ich nicht. Rechtsextremes bzw. faschistoides Gedankengut breitet sich bei uns - trotz AfD und Pegida, trotz Höcke und Gauland - bei weitem weniger sichtbar aus als in einigen unserer Nachbarländer. Polen, Ungarn, die Tschechei, ja Frankreich und Italien scheinen mir in dieser Hinsicht weit gefährdeter als die BRD. Und nirgends können sich bekennende Nazi-Ideologen ungehinderter bewegen und öffentlich auftreten als in dem Land, welches uns vor mehr als siebzig Jahren zu Demokraten 'umerzogen' hat: die USA.
  • 22.11.2017, 21:42 Uhr
  • 3
wize.life-Nutzer
  • 22.11.2017, 21:55 Uhr
  • 0
Friedhelm,
auch ich setze auf die demokratischen Kräfte in diesem Land, die sich ja auch im politischen Kampf gegen die "rechte Schlagseite" des politischen Establishments in Deutschland gebildet und gestärkt haben.
Was du über rechtsextremes und faschistoides Gedankengut in verschiedenen europäischen Ländern sagst, kann ich voll unterschreiben.
Unterschreiben kann ich aber nicht, dass diese Gefahr in Deutschland gebannt sei.
Da bin ich wahrscheinlich skeptischer in diesem Punkt als du, hoffe aber, dass du Recht behälst.
Meine ausführliche Schilderung der faschistischen "Unterwanderung" der neugegründeten Bundesrepublik sollte nicht dramatisieren, sondern zur Wachsamkeit an diesem Punkt anregen.
In Frankreich bekommt die Front National mehr Wählerstimmen als hier die AfD, aber Frankreich hat nicht unsere faschistische Vergangenheit.
Da seh ich den Unterschied.
  • 22.11.2017, 22:21 Uhr
  • 0
Es ist genau die faschistische Vergangenheit Deutschlands, die uns gegen erneutes Abgleiten in nationalistisch-faschistisches Gedankengut immunisiert haben sollte. Das schließt nicht aus, dass Wachsamkeit nötig ist, um eine Neuansteckung zu verhindern.
"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch!" (Brecht)
  • 22.11.2017, 22:45 Uhr
  • 2
Was das frühere Berufsverbot für Linke angelangt: ich meine, das hing mit dem Terror der RAF zusammen. Dieser war ja nicht weniger gefährlich und menschenverachtend als der rechte Terror heutzutage.
Ich werde nie verstehen, wie eine Gruppe von Menschen einer anderen Gruppe so viel Hass entgegenbringt, dass sie bereit ist, einfach so, ohne Grund und Zweck, diesen Menschen zu schaden, sie sogar umzubringen.
Und wann fängt die Straftat an: erst bei Körperverletzung oder Mord oder schon bei Hetze und Hass?
  • 22.11.2017, 22:46 Uhr
  • 0
Heidi
Die Berufsverbote gegen linke Sozialisten, aktive Pazifisten und Antifaschisten hatte nicht das geringste mit der RAF zu tun.
Sie reihten sich nahtlos ein in den Kampf des politischen Establishments gegen alle aktiven Linken.
Wie oben geschildert hat auch das KPD Verbot und die Stigmatisierung von Linken in der jungen Bundesrepublik viele berufliche Existenzen vernichtet.
Da gab es noch keine RAF.
Mir geht es ähnlich wie dir, auch ich kann solchen Hass nicht verstehen, mit dem man aus politischen Gründen menschliche Existenzen vernichtet.
  • 22.11.2017, 23:24 Uhr
  • 0
Herbert, ich lebte bis 81 in der DDR und hatte auch den Eindruck, dass man in der BRD auf den rechten Auge blind ist. Aber in der DDR haben schon die meisten (die mit den Kommunismus nicht einverstanden waren und vom Westen geschwärmt haben) nicht einsehen können, dass man sich (auch die 68-er Bewegung) kommunistische Verhältnisse herbeiwünschte. Denn der in der DDR postulierte "real existierende Sozialismus" war nun wirklich nicht erstrebenswert.
  • 23.11.2017, 09:19 Uhr
  • 1
Heidi,
warum man in der BRD auf dem rechten Auge blind war und bis heute ist, habe ich weiter oben zu erläutern versucht.
Die 68-er Bewegung glaube ich der Aufstand der Kinder gegen ihre im Faschismus aufgewachsenen und indoktrinierten Eltern, die ein Gespräch über diese Zeit und die eigenen Taten verweigerten und insgesamt über eine Gesellschaft, die eine Aufarbeitung über dieses Thema verweigerte, die auf die Provokationen der Studentenbewegung mit nackter Gewalt und Hass reagierte, und in dessen Mittelpunkt die Maloche und der Konsum standen.
In dieser Zeit liegen auch die Wurzeln der RAF.
Natürlich war die BRD ein wichtiges "Frontland" des Kalten Krieges, und die Wirkung der "Glitzerfassade" des reichen Bruders auf die armen "Brüdern und Schwestern" in der DDR war natürlich gewollt und hatte ja auch "Erfolg".
Da haben die amerikanischen Kredite "ihre Wirkung" erzielt.
Das System des "real existierenden Sozialismus" war für die meisten linken Studenten im Westen glaub ich nicht das attraktive Modell, man orientierte sich auch an Cuba, Nicaragua, Vietnam, China etc. aber die DDR hatte durchaus ihre Sympathisanten, z. B. in der DKP.
Na ja, man will immer gerade das haben, was man nicht hat, in der DDR fehlten die persönliche Freiheit und die Konsummöglichkeiten, und im Westen die solidarischen Lebensformen in einer erstarrten, spießigen Gesellschaft, deren Mittelpunkt die Maloche, die "bürgerliche" Familie, der individuelle Konsum und der platte Materialismus war.
  • 23.11.2017, 11:14 Uhr
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Der Aufklärung, Herbert, hätte es nicht bedurft. Ich war in Geschichte immer sehr informiert und wusste schon, wer z. B. Globke und später Filbinger waren. Aber im Gegensatz zu dir sehe ich vieles ein wenig differenzierter.
Viele meiner heutigen Freunde waren in der 68-er Bewegung aktiv - und schämen sich heute dafür.
Deinem Bild der Eltern, die Nazizeit und Krieg überstanden hatten, muss ich widersprechen: Meine Eltern und fast alle, die ich kenne, haben sehr wohl über diese dunkle Zeit gesprochen. Die wenigsten waren aktive Nazis, nicht mal Anhänger dieser Ideologie - aber sie waren auch keine Helden, genau so wenig, wie es die DDR-Bürger waren. Widerstand hätte das Leben kosten können, also hat man sich klein gemacht und gehofft, dass alles mal vorbeigeht.
Wenn das Verhalten eben jener Generation, die froh waren, dass sie das heil überstanden hatten und noch einmal Hoffnung geschöpft haben, neu anzufangen und ein besseres Leben aufbauen zu können, von deren Kindern, die schon in Sicherheit und bescheidenen Wohlstand aufgewachsen sind und sogar mit Hilfe der Eltern und des Staates studieren durften (was ihren Eltern nie möglich war) dann eben jene Eltern als "Spießer" hinstellten, so war das mehr als unverschämt.
Die wenigsten von den 68-ern waren sich darüber im Klaren, was sie eigentlich wollten: Hauptsache Protest und Krawall, Auffallen um jeden Preis. (Wobei es natürlich auch einige mit klaren politischen Zielen gab, die keine kommunistischen Traumtänzereien sondern wichtige Anliegen waren. Gegen Aufrüstung, gegen den Vietnamkrieg, gegen Apartheit. )
Eines dürfen wir nicht vergessen: Es war kalter Krieg - und der wurde genau so erbittert geführt wie ein heißer.
Kein Wunder, dass dann die Anhänger der jeweils anderen Ideologie die Bösen waren.
  • 23.11.2017, 15:28 Uhr
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Heidi,
wer die Geschichte der BRD differenzierter sieht, wer weiß das schon.
Ich habe sie hier im Westen erlebt, und habe hier meine Sicht entwickelt.
Deine Beurteilung der 68-er Bewegung "Hauptsache Krawall, Auffallen um jeden Preis" wird der "Wichtigkeit" dieser Bewegung nicht gerecht. Dann hast du vielleicht gerade mit "Mitläufern" zu tun. Es war natürlich auch eine Jugendbewegung, und zeig mir bitte eine Jugendbewegung, die ihre Eltern nicht als Spießer sieht. Das ist völlig normal und ist aus der Sicht der Eltern natürlich unverschämt.
Aber diese Bewegung hat politisch eine Menge bewirkt und verändert, weil es die alten Autoritäten in Frage stellte und Fragen stellte, wo sonst geschwiegen wurde.
Das scheint ja in der DDR alles ganz anders gelaufen zu sein.
  • 23.11.2017, 16:03 Uhr
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Herbert,die " 68"wirkt ja wohl noch heute nach.Leider!
  • 23.11.2017, 16:43 Uhr
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Herbert, durch enge Kontakte zu Verwandten (darunter auch 68-er) im Westen, durch allseitige Information (bester Empfang von West-Sendern) war ich stets gut informiert.
Ich fand meine Eltern auch mal als spießig - da war ich 15 oder 16 Jahre alt. Aber die Studenten hier waren alle über 20 - und hatten noch nie Notzeiten erlebt. Auch wenn heute Dokumentationen aus dieser Zeit kommen, denke ich oft, dass ein Großteil von denen gar nicht wusste, was sie eigentlich wollten. Hauptsache gegen alles, genau so, wie es heute viele Anhänger der AFD tun.
  • 23.11.2017, 17:23 Uhr
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Heidi,
dass sich diese kritische Jugend-und Studentenbewegung gegen den latenten Faschismus der Adenauer- Ära richtete , kann ich bis heute nur mit großem Verständnis betrachten.
Sie war historisch notwendig, und hatte den Charakter einer Pendelbewegung gegen den extremen Pendelausschlag in der Nazizeit mit all den Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Sie wollte aufklären, entlarven und bediente sich häufig der Provokation. Deswegen war sie für die "bürgerliche" Gesellschaft unbequem und wurde entsprechend diffamiert und bekämpft.
Natürlich war es auch eine modische Bewegung und es gab wie überall viele Mitläufer, die sich aber nach der
"Modewelle" wieder brav anpassten.
Dein Vergleich der 68-er Bewegung mit der AfD signalisiert mir, dass es Zeit ist, unser Gespräch zu beenden.
Gute Nacht !
  • 24.11.2017, 00:52 Uhr
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Jesus wird immer noch ans "Kreuz" genagelt!
  • 22.11.2017, 08:58 Uhr
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