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Neues Kapitel der VW-Familiensaga: Wiedergänger Winterkorn 2.0

Neues Kapitel der VW-Familiensaga: Wiedergänger Winterkorn 2.0

Wolfgang Stegers
17.04.2018, 08:21 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

VW stellt sich neu auf. Der größte Automobilkonzern muss sich dem größten Wandel der Branche stellen. Dabei durchschreitet das Reich des Ferdinand Piech die größte Krise seiner Firmengeschichte: Der Diesel-Skandal ist noch nicht durchgestanden. Das Vertrauen seiner Kunden noch nicht wieder zurückgewonnen; die internen Aufräumarbeiten noch nicht angeschlossen. Die verordnete Elektromobilität kostet extrem viel Geld.

In U-Haft, daheim verschanzt


Der ehemalige Vorstand Wolfgang Hatz sitzt in München derweil weiterhin in Untersuchungshaft. Der einst allmächtige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn hält sich in seiner 3 Kilometer entfernt gelegenen Bogenhausener Villa verschanzt. Nun glauben Aufsichtsrat und die Eigentümerfamilien derer von Porsche und Piech, dass die Zeit gekommen sei, den Vorstandsvorsitzenden nach gut zwei Jahren auf einen Schlag und urplötzlich abzulösen.

Politik mischt mit


Der Coup scheint gelungen. Die Börse feiert. Die Eigentümer von VW, Porsche und Piech, sowie das Land Niedersachsen vertreten durch den amtierenden Ministerpräsidenten Stephan Weil, SPD, samt Gewerkschaft haben den Vorstandsvorsitzenden gefeuert und wollen sich neu aufstellen.

Der Grund: Matthias Müller habe „bei allen Verdiensten“ den „Kulturwandel im Unternehmen“ nicht schnell genug durchzogen und den „notwendigen Transformationsprozess“ nicht beherzt genug durchgesetzt. Kulturwandel in zwei Jahren? Transformation der über 120 Jahre alten Branche und in Gewinnen badenden Firma in Windeseile?

Was ist das Ergebnis?


Mit Herbert Diess, dem Chef der Marke Volkswagen unter Müller,und nun zusätzlich Vorstandvorsitzender des VW-Konzerns, sind die beiden Posten wieder in einer Hand. So wie es zu Winterkorns unseligen Zeiten war. Von Winterkorn 2.0 wird daher in Wolfsburg geredet: Den kaum mehr überschaubaren Konzern in dieser überlebenswichtigen Phase zu lenken und gleichzeitig sich um Spaltmaß und Anzahl der Lenkräder bei den VW-Modellen zu kümmern - das ist Winterkorn pur. Jener Martin Winterkorn, der die stramme autoritäre Führung seines Ziehvater und Vorgänger Ferdinand Piech übernommen hat, keinen Widerspruch duldete und bei all seiner Detailbesessenheit vom Dieselbetrug nichts gewusst haben will.

Gewerkschaftler und Aufpasser


Und die Rolle der Gewerkschaften? Noch vor 3 Jahren, kaum dass der ehemalige BMW-Vorstand Diess nach Wolfsburg geholt worden war, forderten diese seine Ablösung. Und er, der konfliktsuchende, beinharte Österreicher Diess, die Beschränkung deren Mitsprache- und Bestimmungsmacht.

Salzburger Machtzentrale


Friede, Freude, Eierkuchen? Die mit Diess in innigster Feindschaft verbundenen Gewerkschaftler, sind jetzt mit dem Amt des Personalvorstands belohnt und haben Gunnar Kilian als Aufpasser zur Seite gestellt. Das SPD- und IG-Metall-Mitglied ist engster Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh und war auch schon in leitender Funktion im Salzburger Verbindungsbüro von Piech. Hier, unterhalb der Festung an der schönen Salzach, leitete der ehemalige Pressesprecher vom Betriebsratsbüro Osterloh zuvor das Verbindungsbüro Ferdinand Piech, die Macht- und Steuerungszentrale der beiden Eigentümerstämme Porsche und Piech.

Audichef Stadler auf „Familienticket“


Das ist die Methode Ferdinand Piech. Er gab immer dann den Gewerkschaften Zucker, wenn er seine Ziele in Gefahr sah, sie aber erreichen wollte. Mit den Gewerkschaftlern Seit’ an Seit’. Das ist das System dieses Familienkonzerns. Daher kann sich jetzt ausgerechnet der heftig in der Kritik stehende Rupert Stadler, „Audichef auf Abruf“, über die Beibehaltung seines Jobs freuen - die zusätzliche Beförderung als Einkaufschef bei VW obendrein. Er läuft, wie es in Wolfsburg so schön heißt, „auf dem Familienticket“. Auch Stadler lernte VW und seine Kultur als Büroleiter von Ferdinand Piech, Heute ist er zudem Vorstand von drei Stiftungen, die das Familienvermögen der Piechs verwalten.

Strippenzieher und Oberkontrolleur Pötsch


Denn hier wurde wohl unter Einbeziehung von Stephan Weil Müllers Schicksal besiegelt. Herold und Antreiber: Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Pötsch. Der Österreicher war zuvor Finanzchef bei VW in der Zeit des Dieselskandals. Mit Winterkorns Rausschmiss rückte er übergangslos und ohne die von Politik und Gewerkschaften immer wieder geforderte „Abkühlphase“ einzuhalten, direkt in den Posten des Oberkontrolleurs.

Machtzuwachs für Porschechef Oliver Blume


Neben den nun handelnden und nicht mehr handelnden Personen in dem neuen Kapitel der VW-Saga, wird auch das Reich der Firmen neu justiert. Volkswagen (samt den Transportern), Seat, Skoda werden, mit Herbert Diess als Chef, in den Ordner „Volumenmarken“ einsortiert. Die „schöne Tochter“ Audi, geführt von Rupert Stadler, in den „Premium“ abgelegt. In „High Performance - Super Premium“ dürfen sich unter Führung von Porschechef Oliver Blume Porsche, Bentley, Bugatti und demnächst, von Audi kommend, Lamborghini und vielleicht die Motorradmarke Ducati wiederfinden, sollte sie nicht verkauft werden. Das alles ist auch Herbert Diess’ Reich.

Am Rande: Die Lkw-Sparte mit MAN und Scania unter wir ausgegliedert, geht nach München und könnte unter Andreas Rentschler für einen Börsengang fit gemacht werden. Die Maschinenfabrik MAN Augsburg, Turbolader und Schiffsdiesel, soll im VW-Konzern bleiben.

Sieger und Verlierer


Es ist schon erstaunlich, wie sehr Audi im neuen VW-Reich verloren hat. Auf sich allein gestellt, soll sich die Premiummarke gegen Mercedes und BMW behaupten (was schwer genug ist), gleichzeitig den wachsenden „Premiumansprüchen“ von Volkswagen, etwa beim neuen Touareg, erwehren. Denn alle technologischen Fortschritte und Features kommen auch den Volumenmarken zugute. Und da Volkswagen als Massenhersteller seine Stellung gegen sehr starke Skoda- und erfolgreich wachsende Seatmodelle verteidigen und die höheren Preise rechtfertigen muss, okkupieren VW-Modelle immer mehr Audi-Terrain.

Audi A8 nur „Premium“?


Aber Audi ist nicht zufrieden nur als „Premiummarke“ zu laufen. Die Limousinen mit dem Flaggschiff A8, der Supersportwagen R8 erheben höhere Ansprüche. Auch bei der bevorstehenden Elektrifizierung von Teilen der Fahrzeugflotte, ob mit Batterie- oder Brennstoffzellenantrieb, will Audi „Top of the Line“ sein. Die Konflikte mit Porsche auf der einen und Volkswagen auf der anderen Seite sind bereits vorprogrammiert. Die Neuaufstellung trägt die Handschrift derer von Porsche und Piech.

Enkel und Urenkel


So ist das in einem weit gefächertem Markenkonglomerat, in dem die Gewinne sprudeln müssen. Rasant wächst die Zahl derer, die von der Arbeit der weltweit 650 000 VW-Mitarbeiter als Familienmitglieder Piech und Porsche als Enkel und Urenkel leben wollen, und von den Stiftungen in Salzburg bedient werden. Die Eigentümer haben sich mit ihren Befindlichkeiten wieder ein Mal durchgesetzt und die Familiensaga weiter geschrieben.

1 Kommentar

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Diese Manager verteidigen ihre unverschämten hohen Gehälter immer damit, das sie eine sehr große Verantwortung für das GANZE haben. Wenn diese Entscheider aber lügen und betrügen um die Gewinne zu maximieren, dann schieben sie ihre Verantwortung weit von sich. Dann wird wieder gelogen, betrogen und auf andere gezeigt. Ein Gesetz muß her, das diese Manager für ihren Verantwortungsbereich international gerichtlich belangt werden können, auch mit ihrem Privatvermögen. Auslieferung inbegriffen!
  • 05.05.2018, 11:59 Uhr
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