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Kombirente: Mehr Freiheit, doch Kritik kommt von den Jungen

Kombirente: Mehr Freiheit, doch Kritik kommt von den Jungen

Hans-Herbert Holzamer
20.03.2012, 18:00 Uhr
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat für den von ihr initiierten „Regierungsdialog Rente“ Pläne für eine neue „Kombirente“ vorgelegt. Davon könnten vom nächsten Jahr an viele Ruheständler profitieren, die vorzeitig Altersrente beziehen und zusätzlich arbeiten.

Ende der strengen Regeln

Bislang galten strenge Regeln: Wer vor Erreichen seiner Altersgrenze in den Ruhestand geht, darf derzeit nur 400 Euro im Monat hinzuverdienen. Verdient er mehr, muss er sich das gestaffelt anrechnen lassen. Die Logik dahinter: Der Generationenvertrag. Der Vorruheständler soll nicht demjenigen, der ihm das bezahlt, dem Jüngeren, auch noch den Arbeitsplatz wegnehmen. Diese starren Verdienstgrenzen will die Ministerin abschaffen. In Zukunft soll es möglich sein, durch Rente und Arbeitseinkommen insgesamt so viel zu verdienen wie früher durch das Gehalt. Ursula von der Leyen: „Mit der Kombirente geben wir Flexibilität für Arbeit bis 67. Vorzeitig in Rente zu gehen und von heute auf morgen ganz raus aus Arbeit – das wird zum Auslaufmodell. Immer mehr Menschen wollen und können länger arbeiten, wünschen sich aber für die letzten Berufsjahre einen anderen Rhythmus aus Beruf und Freizeit. Die Unternehmen sollen gemeinsam mit Gewerkschaften hierfür Lösungen finden können. Dafür ist die Kombirente der Rahmen.“

Bei vorzeitigem Rentenbezug (ab 63 Jahre bis zum jeweils geltenden gesetzlichen Renteneintrittsalter) gelten aktuell starre monatliche Hinzuverdienstgrenzen. Auch geringes Überschreiten der Grenzen führt zu stark geminderten Rentenzahlungen. Deshalb entscheiden sich zu wenige Menschen, zumindest teilweise weiterzuarbeiten. Die Kombirente ermöglicht und erleichtert einen längeren Verbleib im Erwerbsleben. Denn Teilzeitarbeit und Rente können flexibel kombiniert werden. Dies kommt auch Menschen in stark belastenden Berufen entgegen, die nicht bis zur Regelaltersgrenze voll arbeiten wollen oder können. Ab Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters (bis 2029 schrittweise von heute 65 auf dann 67 Jahre steigend) kann jeder unbeschränkt hinzuverdienen. Dabei bleibt es. Die Kombirente erlaubt für die Zeit des vorzeitigen Rentenbezugs ab Alter 63 bis langfristig 67 ein Einkommen aus Rente und Hinzuverdienst bis zur Höhe des zuletzt erzielten Brutto-Einkommens.

Hintergrund und Ausgangslage

Das deutsche Alterssicherungssystem ist stabil. Aber um die Rente finanzierbar zu halten und die junge, arbeitende Generation nicht zu überfordern, sinkt das Rentenniveau in den kommenden Jahrzehnten. Dies muss mit zusätzlicher Altersvorsorge ausgeglichen werden. Heute haben 97,6 Prozent aller Menschen ab 65 Jahre eine ausreichende Versorgung. Von rund 16,8 Millionen Personen in diesem Alter sind rund 400.000 oder 2,4 Prozent auf Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen. Gegen Altersarmut helfe zuallererst der Dreiklang aus verlässlicher Arbeit, fairen Löhnen und zusätzlicher Vorsorge, so die Ministerin.

Lob vom BDA

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) bewertete die Pläne positiv, plädiert aber für einen kompletten Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen. "Sie wirken für die Betroffenen manchmal wie ein Arbeitsverbot und sind in der Anwendung kompliziert." Kritik kommt vom DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach: "Die Kombirente löst die Probleme der Rente mit 67 nicht.“ Kritik kommt auch von den Jungen: „Ich finde den Grundgedanken nicht schlecht, ich ärgere mich aber, wenn viele Gelegenheitsjobs, die ich auch machen könnte, von Rentner besetzt werden.“

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