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Falkenklinik in Abu Dhabi: Deutsche Ärztin heilt die Lieblinge der Scheichs

Falkenklinik in Abu Dhabi: Deutsche Ärztin heilt die Lieblinge der Scheichs

Dagmar Gehm
09.01.2013, 08:00 Uhr
Beitrag von Dagmar Gehm

Reglos liegt der Patient auf dem OP-Tisch. Ein medizinisches Team behandelt den betäubten Falken. Noch ein letzter Stich, dann wird die Narkoseglocke entfernt. Wenige Sekunden später wacht er wieder auf, bewegt sich vorsichtig hin und her und wirkt bereits erstaunlich munter.

„Aufgrund der anderen Lungenstruktur bei Vögeln wird die Narkose schneller abgebaut als bei Säugetieren“, erklärt Dr. Margit Gabriele Müller, Leiterin der weltgrößten Falkenklinik in Abu Dhabi. Der Braungefiederte wird sich restlos erholen von dem Eingriff an seinem Flügel. Er wird zurückkehren in seine Menschenfamilie, die ihn vermisst wie ein geliebtes Kind.

Fünf Ärzte für 6000 Patienten


Bald beginnt sie wieder, die Falken-Jagdsaison, und die deutsche Ärztin aus Weissenhorn in Bayern hat alle Hände voll zu tun. Schließlich sollen die Vögel fit sein, mit scharfen Krallen und komplettem Gefieder. In Viererreihen hocken sie mit Sichthäubchen auf Kunstrasen-Bänken und warten auf ihre Behandlung. Auf Pediküre, auf Schnabelverkürzung, oder um sich verlorene Eigenfedern implantieren zu lassen, die bei der Mauser vorsorglich gesammelt wurden.

Insgesamt 94 Mitarbeiter, darunter fünf Ärzte, kümmern sich um 6000 Vogelpatienten jährlich. Die Gänge sind gepflastert mit Fotos und Auszeichnungen. Durch ihre Doktorarbeit an der Universität in München war die Tierärztin bereits auf Jagdfalken spezialisiert. 2001 wurde ihr dann die Stelle im Abu Dhabi Falcon Hospital angeboten, das 1999 eröffnet worden war.

Wie in jedem Krankenhaus sind auch hier alle Abteilungen vorhanden: Untersuchungs- und Röntgenraum, Kranken- und OP-Säle für 250 Falken, Intensiv- und Quarantänestation und – die Leichenhalle.
Neben den Falken werden auch weitere Vögel und sogar Hühner behandelt. Außer der großen Voliere mit Klimaanlage für Falken gibt es noch ein Eulengehege.

2011 begann das Hospital ein eigenes Zuchtprogramm für Falken. Vorbei sind die Zeiten, als die Beduinen einzelne Falken auf der Route der Zugvögel von Europa nach Afrika abfingen. „Damals war die Falknerei kein Sport sondern eine Notwendigkeit“, erklärt Dr. Müller. „Die Vögel wurden als gleichwertiges Mitglied in die Familie integriert. Noch heute hat der Falke diesen Stellenwert inne. Er beansprucht einen eigenen Platz in der Wohnung, im Büro, im Auto. Kein Mensch würde es sich jemals einfallen lassen, sich dort hinzusetzen.“
Übrigens gestattet die nationale Fluggesellschaft Emirates, dass die Falken nicht, wie für Tiere sonst üblich, im Frachtraum befördert werden sondern zum Preis eines vollen Tickets auf einem eigenen Sitz in der Business oder gar First Class.

Ein Reisepass für die gefiederten Freunde


Sogar einen Reisepass hat Dr. Müller für die Greifvögel entwickelt. Denn um auf die Jagd zu gehen, müssen sie in Staaten reisen, in denen es nicht verboten ist. Staaten wie die Emirate, Marokko, Pakistan oder Usbekistan.

2007 öffnete das Hospital seine Pforten für Besucher. Sie erfahren viel von der Tradition der Falknerei, dürfen bei Behandlungen zusehen und im kleinen Museum Falknerei-Werkzeuge und Ausrüstung begutachten. Wer sich traut, zieht für ein Erinnerungsfoto einen Lederhandschuh an, auf den sich dann ein Falke setzt.
Inzwischen haben sich noch eine Tierpension, eine Klinik für Kleintiere und eine Hundeschule zum Falkenhospital gesellt. Außerdem setzt sich die deutsche Doktorin für die Betreuung streunender Hunde und Katzen ein.

Heimweh nach Deutschland? „Nein“, betont die so orientalisch wirkende Bayerin. „Im Moment bin ich sehr glücklich hier. Man wird sehen, was die Zukunft bringt.“

Mehr Infos unter
http://www.falconhospital.com/
http://visitabudhabi.ae/de/what.to.s...spital.aspx
Der Ausflug von Dubai oder Abu Dhabi zum Falkenhospital kann z.B. über die TUI gebucht werden.

5 Kommentare

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ein sehr intressanter informativer Beitrag Dankeschön
  • 22.05.2013, 18:22 Uhr
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Sonja Bissbort
Sehr spannend. Eine Frage: Fliegen die Falken dann auch vorne bei den Emirates im Passagierraum mit - also auf dem bezahlten Platz )?
  • 09.01.2013, 08:21 Uhr
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Dagmar Gehm
Ja, wie beschrieben in der Business und in der First Class, allerdings nur innnerhalb den Golfregionen und auf bestimmten Strecken nach Afrika
  • 09.01.2013, 10:47 Uhr
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hey, ich habe davon bereits gehört... ein Traum... sicher toll, dort zu arbeiten.. als Frau sicherlich nicht ganz so einfach...
  • 08.01.2013, 22:20 Uhr
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Dagmar Gehm
Dr. Margit Müller hat sich inzwischen großen Respekt erworben und bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Anfangs war es sicher nicht so einfach...
  • 09.01.2013, 10:45 Uhr
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