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10 Dinge, die du nur verstehst, wenn du an der Ostsee lebst

10 Dinge, die du nur verstehst, wenn du an der Ostsee lebst

Michaela Strassmair
24.10.2017, 10:46 Uhr
Beitrag von Michaela Strassmair

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben etwas, wovon viele Urlauber träumen: die Ostseeküste. Wer dorthin fährt, wird sich wundern, wie anders die Menschen und das Leben dort ticken. Ein kurzer Einführungskurs zu Klötenköm und anderen Geheimnissen.

1. Neptunstaufe: Initiationsritus für Ostseekinder



Sahne im Haar, ein Mixgetränk aus Ketchup, Kakao, Saft und Gewürzen herunterwürgen, dazu ein Gebet an Neptun richten und dann im hohen Bogen ins Wasser fliegen: Diese Prozedur muss jeder Täufling über sich ergehen lassen, bis er in das Reich Neptuns aufgenommen wird – ob er will oder nicht. Das Fest zu Ehren des römischen Meeresgottes ist fester Bestandteil von Ferienlagern für Kinder und Jugendliche an der Ostsee. Zu der Spaßtaufe kommt Neptun persönlich - grün bemalt, mit Bart, Dreizack und Seetang am Körper – mit seinen Häschern per Boot. Die bereits ausgewählten Täuflinge sind noch ahnungslos, bis Neptun auf sie zu schreitet. Die Jagd beginnt.

Unter dem Johlen der Kinder wird der von den Häschern eingefangene Täufling zu Neptun gebracht und die Taufprozedur beginnt. Namen erhalten die Täuflinge natürlich auch wie „Schleimige Seegurke“,„Süße Qualle“, „Frecher Seeotter“ oder „Singender Seestern“. Das für jedes Ostsee-Kind unvergessliche Ritual ist von der Äquatortaufe der alten Seefahrer abgeleitet.

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2. Vineta: Das Atlantis des Nordens



Das mythische Inselreich Atlantis kennt jeder, doch wer hat schon von Vineta gehört? Die sagenumwobene Stadt soll an der südlichen Ostsee gelegen haben, so beschreiben es etliche historische Quellen ab 1000 nach Christus. Laut Überlieferung war Vineta eine sehr reiche Stadt, ihre Bewohner lebten vom Seehandel. Das viele Geld stieg den Menschen jedoch zu Kopfe, sie wurden eitel, hochmütig, verschwenderisch und anspruchsvoll und schenkten Warnungen vor einem baldigen Untergang keinen Glauben.

In einer stürmischen Nacht peitschten Wellen auf die Vineta zu und die Ostsee verschlang die Stadt. Die Geschichte und der Untergang der mythischen Küstenstadt wird seit 20 Jahren im Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom im Rahmen der Vineta-Festspiele nacherzählt. Jeden Sommer kommen Tausende von Besuchern zu der Freilichtbühne.

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3. Hornhecht: Fischspezialität mit grünen Gräten


Zielfisch war Barsch, aber auf #ChampagnerSteffi sind eben alle horny 😎 Danke für die Einsendung! #LMAB #Hornhecht #Drunkbait

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Er hat einen schlanken, silberfarbenen Körper, ist pfeilschnell, gut 60 Zentimeter lang, knapp ein Kilo schwer und trägt viele seltsame Namen: „Hornpieper“, „Alulatte“, „Arbeiteraal“ oder „Horni“. Der Hornhecht ist ein Speisefisch, der normalerweise in den Tiefen des Atlantiks lebt und im Frühjahr zum Laichen an die Ostseeküste kommt. Das besondere an dem Fisch mit dem fettarmen, weißen Fleisch sind seine grünen Gräten. Beim ersten Anblick ist jeder Tourist geschockt und zweifelt, ob er die lokale Spezialität wirklich probieren soll. Der Hornhecht gilt als lokale Spezialität und wird entweder geräuchert serviert oder in saurem Sud eingelegt wie Brathering.

Wer den wie ein Silberpfeil aussehenden Fisch fangen will, kommt am besten zur Rapsblüte in das Top-Revier am Bodden um die Region um Rügen. Hornhechte beißen wohl schnell an: Man soll sie sogar ohne Haken fangen können, nur mit einem bunten Wollfaden, an dem ein Blinker hängt.

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4. Strandkorb: Eine Rostocker Erfindung erobert die Welt


Wenn es ein Sinnbild deutscher Gemütlichkeit gibt, das zwei Weltkriege, soziale und industrielle Revolutionen sowie die Ost-West-Teilung überstanden und auch noch die weite Welt erobert hat, dann ist es der Strandkorb. Er wurde von einem Ostseeanwohner erfunden, vom Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann aus Rostock. Im Jahr 1882 beauftragte ihn die Adelsdame Elfriede von Maltzahn, die an Rheuma erkrankt war, eine Sitzgelegenheit für den Strand zu bauen, die vor Sonne und Wind schützt. Bartelmanns Einsitzer aus Weiden und Rohr schlug ein wie eine Bombe. Andere Badegäste wollten fortan auch bequem am Strand sitzen und so konstruierte der großherzoglich mecklenburg-schwerinische Hof-Korbmacher den Strandkorb für zwei Personen mit Fußstütze, Markise und Seitentisch.

Bis heute sind die typischen Ostsee-Strandkörbe an ihren geschwungenen Seitenteilen und der runde Haube zu erkennen. Bartelmanns Frau eröffnete 1883 aufgrund der großen Nachfrage die erste Strandkorbvermietung der Welt am Warnemünder Leuchtturm. Die Familie erweiterte das Geschäft und errichtete Filialen in mehreren Orten Mecklenburgs. In Kühlungsborn führen die Nachkommen des Strandkorberfinders noch heute einen Souvenirladen.

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5. Kuttel Daddeldu: Der wiederbelebte Lieblings-Seebär


Kuddel was? Der deutsche Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz erfand 1920 die Kunstfigur Kuttel Daddeldu und beschrieb in Gedichtform die schlüpfrigen und grotesken Erlebnisse des um die Welt reisenden Seemannes. Ringelnatz kannte sich in diesem Bereich aus, er war selbst Schiffsjunge und Matrose und verbrachte seinen Urlaub oft auf Hiddensee an der Ostsee. Daddeldu ist übrigens ein Seemanns-Wort für Feierabend und Nachtruhe. Den Kuttel Daddeldu spielte Ringelnatz so erfolgreich auf der Bühne, dass dieser mit seinen schwarzhumorigen Seemannsmoritaten und Unsinnsversen nach kurzer Zeit in ganz Deutschland bekannt war. Mit dem Nazi-Auftrittsverbot ging nicht nur der Dichter unter, sondern auch Kuttel Daddeldu.

Rund 20 Jahre später erweckte der Chef des Berliner Kabaretts „Distel“ den Seebären zu neuem Leben in der DDR. Er schaffte es in die SED-Tageszeitung „Neues Deutschland“, trat im Radio und Fernsehen auf und wurde zur bekanntesten DDR-Kabarett-Figur. Durch einen Schreibfehler hieß der von Erich Honecker als „Agitations-Matrose mit Narrenkappe“ bezeichnete Seemann fortan Kuddeldaddeldu.

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6. So meen Lütt Schietbüddel: An der Küste schnackt man Platt



Mit dem Plattdeutsch ist das so eine Sache: Die alten Ostseeanwohner sprechen es noch, aber wehe, der eine drückt sich in friesischem Platt aus, der andere in pommerschem und der nächste in mecklenburgischem. Dann können durchaus Verständigungsschwierigkeiten aufkommen. Für Nicht-Plattdeutsch-Sprechende ist die westgermanische Sprache meist nur etwas zum Schmunzeln. „So meen Lütt Schietbüddel“ heißt direkt übersetzt so viel wie „so mein kleiner Hosenscheißer“, ist auf Plattdeutsch aber eine Koseform für Kinder und auch Erwachsene.

Du willst mehr hören? Denn man tau! Wer seine Partner fragt, ob er einen netten Strandspaziergang zum Sonnenuntergang machen will, sagt am besten: „Na meen Tüdi, wüllen we An’n Strann utpedden un deen Sünnunnergahn beläwen?“

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7. Mecklenburger Rippenbraten: Sau, süß und sauer



Fisch gibt es an der Küste überall. Doch wie sieht es aus mit Fleisch? Mecklenburger Rippenbraten heißt eine typische Fleischspezialität. Sie schmeckt süß und deftig zugleich und geht so: In ein Stück Schweinbauch eine Tasche schneiden, diese mit Backobst wie getrockneten Pflaumen, Äpfeln und Rosinen füllen und mit Pfeffer und Salz würzen. Den Braten nun in den Ofen schieben und schmoren lassen, während Kartoffeln und Rotkohl als Beilagen zubereitet werden.

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8. Köm: Darf es etwas Klarer sein? Oder doch ein Klötenköm?


Genau das Richtige nach dem Braten: ein Köm. Der klare Schnaps ist vielen Einheimischen auch als „Mann und Fru“ bekannt. Der Kümmelschnaps überlebte die DDR-Zeiten und ist bis heute beliebt. Köm ist meist ein Korn, der mit Kräutern und Gewürzen wie Kümmel und auch Anis verfeinert wird.

Unter den Damen ist der Klötenköm beliebt. Er schmeckt nicht nur süß, sondern bringt auch Zugereiste und Touristen zum Schmunzeln. Denn das derbe Wort Klöten wird auch für die Testikel des Mannes, wie Hoden in der Fachsprache heißen, verwandt.

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9. Hühnergott: Der Blick ins Glück



Es gewittert? Dann nichts wie an den Strand. Wer dort einen Stein findet, der ein oder mehrere Löcher hat, durch die man durchgucken kann, ist ein Glückspilz. Hühnergott heißt dieser Stein, der nach dem Volksglauben der Ostseemenschen Glück bringen soll.

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10. Eisgang: Pilgerreise zu bizarren Gebilden



Im Sommer FKK-Zone mit Wassertemperaturen von bis zu 20 Grad, im Winter arktische Eislandschaft: Viele Ostsee-Strände sind extrem wandelbar und zeigen je nach Jahreszeit erstaunliche Gesichter. Wenn ein harter Winter kommt, dann gefriert das Meer und schiebt Eisschollen an den Strand. Diese türmen sich zu meterhohen Eisgebilden auf. Eisgang heißt das seltene Spektakel, das viele Einheimische an die Küste lockt.

1963 war so ein Jahrhundertwinter: In dem extremsten Winter seit Wetteraufzeichnungen fror die Ostsee komplett zu und war mit 25 Zentimeter dickem Eis bedeckt. So streng sind die Winter nicht mehr, doch erst im Winter 2015/2016 waren Teile der Ostseeküste in eine märchenhafte Eislandschaft verwandelt. Vor allem an flachen Küstenregionen Vorpommerns, den Bodden, waren durch Eiseskälte und böige Winde skurrile Eisgebilde entstanden.

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