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Eine Woche Küste

Eine Woche Küste
15.12.2017, 14:56 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Moin Moin !
Warum dieser Bericht überhaupt geschrieben wird . . .
Freunde und Verwandte fahren oft in den Urlaub und der Daheimgebliebene hört dann nur „ Oh, es war schön und das Wetter war so und so. Vielleicht folgen dann noch zwei Sätze und der Bericht aus der weiten Welt ist beendet.
Dies hier ist nun die Bitte die Freunde und die nicht so Reisefreudigen teilhaben zu lassen an Euren Erlebnissen . . .


Eine Woche Küste Aug. 2016

Für eine sogenannte „Landratte“ ist das Meer ein ganz besonderer Lebensraum, ziemlich naß kann man sagen.
Der Transport und Verkehr spielt sich auf dem Wasser ab.
Die Bootsbesitzer opfern jede freie Stunde um die Verbindung
mit diesem feuchten Element einzugehen, ganz irdisch und doch durch den Horizont und dem allgegenwärtigen Himmel eine Weite und Ruhe zu erleben die dem Stadtmenschen voll- kommen fremd ist.
Diese Woche gibt es nicht weniger als ein halbes Duzend Magazine die sich laut Titelseite mit dem ge -
streßten Menschen unserer Tage befaßt :
-Ich und glücklich ?
-Den Alltag managen
Das gelingende Lenben
- Weniger Streß

Und der Spiegel titelt :
„Leg doch mal das Ding weg!“
( Über die neurotische Smartphone- Gesellschaft )

Also, dem Tumult der Großstadt mit den außer Rand und Band geratenen Menschen entfliehen , der stickigen Luft, dem Lärm.
Allerdings der Entschluß eines Kasseler Holzbildhauers :
„Ich verlaße nur noch mit zwingenden Gründen mein Atelier,
die Menschen sind mir zu aggressiv!“ ist auch keine ausgereifte
Lösung.
Raus auf die See bedeutet nun das genaue Gegenteil des Lebens in der Metropole. Man ist auf sich alleine gestellt, den Elementen ausgeliefert und auf Gott im Sturm angewiesen. Wer hier in der Kieler Förde morgens los segelt kann sich aussuchen wo er die nächste Nacht in Skandinavien nächtigen will.
-
Aber, wir haben es auch eine Nummer kleiner : Z.B. Urlaub im Strandhotel in Laboe.
Alles vorhanden, keine Wünschen bleiben offen. Blick auf`s Meer, ein wunderbar durchdringendes Meeresrauschen bei Nacht, Strand und Promenade vor der Türe.
Hier, im Zentrum des touristischen Geschehens ist jeder qm , man möchte sagen jeder q cm ausgereizt, verplant, bei sonnigem Wetter auch belegt und bedrängt. Für einen Naturburschen der in seinem früheren Leben ein ausgewiesener Stadtneurotiker war beginnt der sehenswerte Strand hinter dem Schwimmbad, Richtung Norden, vor dem Hotel ist zu viel schicky micky.
Der Blick weitet sich auf die offene See, Dänemark ist nicht weit. Sehen kann man dieses Land nicht, aber es existiert, hinter dem Horizont. Manche Leute glauben ja nur an das was sie sehen.

Die Anreise war sehr komfortabel. Keine Zugverspätung, Platzreservierung und nur drei ? Stationen zwischen der Mitte Deutschland und der ehem. Marine Reichsrüstungsstadt im Norden.
Von Kiel mit dem Schnellbus zum Zielort war auch alles andere als anstrengend.

2.Tag : Nach ersten kleine Rundgängen abends ein Kurkonzert, reizend.

3.Tag : Das Wetter spielt nicht mit, es ist regnerisch und unberechenbar. Aber mit der Fähre nach Kiel, das ging alee mal, vorbei an großen Kreuzfahrschiffen.
Besuch der Kunsthalle, Umbau arbeiten.

Dafür ist die Luft für einen Lungenkranken das Beste
was ihm passieren kann.. Das Kortison (für Asthma/COPD)konnte reduziert werden und die übliche Luftnot bei Anstrengung blieb trotzdem aus. Und das Beste, falls dies noch nicht reicht, sind die wohltuend durchschlafenen Nächte im Zauber der Seeluft und
Millionen von Wellen.

4.Tag Das Wetter ist trübe, nur wenige Minuten des Tages verrät ein Sonnenstrahl das der Kalender Sommer anzeigt. Die Strandkörbe stehen verwaist am Strand . Abends würde sich die Besucher dieses Seebades sicherlich auch gerne mal in einen Strandkob setzen, aber diese sind mit einem Lattenrost gesichert.
Die Kurkarte hilft da auch nicht weiter.
Das Wetter macht was es will, das ist auch in Ordnung, aber die verschlossenen Strandkörbe beschweren mein Gemüt,
in Westerland habe ich das nicht erlebt.

5. Der Tag trödelt so vor sich hin , aber abends da gibt es einen Vortrag von R. M.Lehmann, einem Meeresbiologen.
Ein junger Mann , voller Feuer und Energie, war nach eigenem bekunden in über 12o Ländern der Erde. Er brennt für seinen
Beruf.
Er berichtet von den Geschehnissen auf den Ozeanen, das es schwimmende Mülldeponien gibt die so groß sind wie Europa.
Von den Folgen hat heute jeder gehört.
Er berichtet das alle Wildschutzorganisationen auf der Welt
einen Untergang der Fauna voraussagen „Es geht Berg ab !“
Er sei aber nicht bereit zu resignieren, er wird weiterkämpfen.
für den weltweiten Artenschutz.
Seinen Leitspruch hat er von meinem Freund Hemingway übernommen :
„Die Welt ist ein schöner Ort und sie ist es Wert, um sie zu kämpfen“

Wir wüßten doch wie die Staaten gegen die Überfischung der Meere vorgehen können . . .
Ein Fünftel im Zentrum des Fanggebietes wird zur Schutzzone erklärt und die umliegende Fischgebiete haben dann einen um so größeren Ertrag. Dieser unkontrollierte „Leerfang“ hingegen würde zum Hunger von 1,5 Milliarden Menschen führen und eine ungeahnte Völkerwanderung auslösen, da diesen Menschen ihr Grundnahrungsmittel abhanden gekommen sein wird.
Außerdem richtete sich seine ganze Abneigung gegen die Haltung von Delfinen und Orcas in Delphinarien in denen diese
von ihm über alles geliebten Tiere ein qualvolles Dasein fristen.

Diesen Mann und seine Berichte über das Internet oder im Fernsehen kennen zu lernen lohnt sich . . . . es ist überwältigend :
www. robertmarclehmann.com

Am späten Abend wird ausnahmsweise Fernsehen geschaut, N-TV berichtet über dieses ominöse Dark Net . . . Womit unsere Aufnahmefähigkeit an dunkler Realität für heute bis an die Grenze belastet ist.


6.Tag ,wenn schon kein Wellenspaziergang wegen trüben Wetter, dann wenigstens in`s Hallenbad. Der Regenschirm kann ruhig im Hotel stehen bleiben . . ., so kann die die erste Reinigungsdusche im Hallenbad ausfallen.
Am Nachmittag Besuch des Handwerkermarktes am Hafen.

Sonntag.
Der Ruhetag beginnt mit einem Gottesdienst in der ev. Ankerkirche. Es ist eine architektonisch ansprechende Kirche und die Predigt ist klar und aussagestark. Anschließend gibt es einen „Gemeindekaffee“ mit den Worten :“Die letzten 7 Min. zur vollen Stunde schenken sie noch unserer Gemeinschaft . . . „
Nachmittags dann in den Norden der Bucht, dort steht das U-Boot 995 aus dem zweiten Weltkrieg und das überragende Denkmal der gefallenen Seeleute, einst des 1. Weltkrieges, das dritte Reich konnte aber direkt noch einen Weltkrieg anfügen, mit noch mehr toten Seeleuten, zum heiligen Gedenken.
Das U-Boot ist zum Teil innen begehbar, eine Höhlenwelt auf kleinstem Raum, vollgestopft mit Technik. Die Küche für über 30 Matrosen ist ca.2 qm groß . . .
Die Pritschen etwa 60cm breit um mit einem Kaeraden im Rhythmus geteilt zu werden.
Anfang des zweiten Weltkrieges eine herausragende Waffengattung,diese U-Boote, ab 1942 nur noch Freiwild für die Alliierten, nachdem ihnen eine Chiffriergerät der Deutschen in die Hände gefallen war. Dem Großadmiral Karl Dönitz entging dieser Vorgang und dessen Folgen. Die Lebenserwartung der U-Bootmatrosen betrug nun im Schnitt nur noch 100 Tage, von 10 „Feindfahrten“ kehrten nur 3 Boote zurück.

Der Schlachtplan des größten Feldherrn aller Zeiten versank im
Meer, auf dem Land und in der Luft.
Hier in Laboe treffen sich noch regelmäßig die alten Kameradschaften. Die letzten Tage der Überlebenden dürfte angebrochen sein, dies wäre einmal eine Reportage wert.

Montag, letzte Geschenke kaufen. Die Urlaubskasse ist aber auch schon verdammt geplündert, es reicht gerade noch für ein Butterbrot für die Heimreise am nächsten Tag.
Was soll`s :„Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine . . . „

Die Hektik des Alltags ist verflogen, Telefon, Smartphone und Fernsehen tabu.
Was hat das Meer, was das Land nicht hat ?
Die Millionen von Wellen, das milde Reizklima , oder mehr?

Wie sagte Thomas Mann :
„Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit“


B.W.P. 2016

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2 Kommentare

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„Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit“
  • 28.12.2017, 13:07 Uhr
  • 0
Donnerwetter, da hat jemand gelesen
Danke Dir wize.life-Nutzer
  • 28.12.2017, 18:35 Uhr
  • 0
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