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Gitschberg-Jochtal: Südtirols kleine Paradiese

Gitschberg-Jochtal: Südtirols kleine Paradiese

Hans-Herbert Holzamer
07.02.2018, 12:39 Uhr
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Für viele ist Südtirol das Paradies, egal ob im Sommer, Frühling, Herbst oder Winter. Und bei Schneeverhältnissen wie aktuell muss nicht von dieser Welt sein, wer anderer Meinung ist. Dieses Paradies, in der himmlichen Geografie zählt Politik nichts, beginnt, auch wenn der motorisierte Tourist auf der Gefällstrecke nach Sterzing erneut Gas gibt, nicht am Grödner Tal oder im Kreise der Sella Ronda.
Es beginnt mit kleinen Skigebieten hinter dem Brenner, wie Ladurns, Ratschings, dem Roßkopf – und vor allem mit der Ski- & Almenregion Gitschberg Jochtal, so heißt sie. Gelegen wo sich das Pustertal ins Eissacktal verabschiedet und die Rienz sich in den Eissack ergißt, warten 51 Pistenkilometern, die von 16 Aufstiegsanlagen bis auf die 2500 Meter Höhe des Gitsch erschlossen werden. Wer diesen Berg bei Google Maps sucht, forscht vergebens, denn dort heißt er seit Tolomeis Namensgebung Monte Cuzzo. Von der Aussichtsplattform am Gipfel des Gitschberges kann man mehr als 500 Bergspitzen zählen, wenn man will. Sie vereilen sich auf auf die Dolomiten, Zillertaler-, Stubaier und Ötztaler Alpen.

Die Pisten sind breit, perfekt gepflegt

Die Pisten sind breit, perfekt gepflegt, dank modernstem Gerät, Unebenheiten – bis auf solche der Geschichte - werden von den Planierraupen beseitigt, so wirkt der fast baum- und buschlose Gitsch wie eine große Birne, leicht bis mittelschwer die Trassen, die bergab laufen wie breite Tränen, unterbrochen von Hütten und Höfen, wo man den Gast mit guter Speis, Wein und Laune unterhält. Hektisch wird es hier nicht einmal in der Hauptsaison. Und so schwebt man vom Gitsch auf den Brettern durch das winterliche Paradies zur Gitsch- ,Nessel- und anderen Hütten. Gelegentlich trifft man den „Kavalier“, der Auskunft gibt und etwas zum Trinken bereit hält. Mit der Gondel geht es weiter über das Altfaßtal ins Jochtaler Skigebiet, bis zum Hinterberg und zum Steinermandel. Modernes Skifahren gleicht einem Reiseunternehmen.
Später in der Großberghütte, die wir von der Gondel aus unter uns im Alfaßtal gesehen haben, beim Schuhplattlern, lachen alle über die Übersetzung dieses Beutestückchens in Italienische: „Valle di alta fossa“ heißt es heute offiziell, nicht in Anlehnung an den Asterix-Comik Fossa Alta, sondern wegen der phonetischen Ähnlichkeit zum historischen Ursprung. Man muss Mitleid mit den Italienern haben, diesem wunderbaren Volk, die keine Römer mehr und noch weniger Eroberer sind. Vielleicht sollte die Südtiroler Landesregierung 100 Jahre nach ihrem wundersamen Anschluß Rom eine Chance geben, die stümperhafte Neubenennung Tiroler Orts- und Kulturbezeichnungen zu korrigieren.
Den Schuhplattlern und den Wirtsleuten, den Hinterlechners, ist es „wurscht“. Sie scheren sich auch nicht um die Touristen, die hoch über ihnen mit der Seilbahn das Tal queren, und freuen sich mit denen, die mit Ihnen in der Berghütte die Freude an traditioneller Musik und Tanz teilen, wo sie auch herkommen mögen und wie sie ihr Tal und ihre Heimat auch nennen. In 30 Minuten hat man die Hütte erreicht. Im dunklen Wald konnten wir uns auch nachts nicht verlaufen, die ausgeteilten Fackeln schmolzen Licht in das Dunkel, das einen umfängt wie ein warmer Mantel. Alta fossa, einen „hohen Graben“ gibt es hier keinen.

Tanz der Vampire in der Jochtalhütte

Jede Hütte im Skigebiet bereitet ihr eigenes Angebot. Die Jugend zieht es jeden Dienstag zum Tanz der Vampire in die Jochtalhütte. Das ist geradezu Kult. Ab 17 Uhr laufen Hunderte mit Schneeschuhen oder Tourenskiern den Berg hinauf, zur schönsten Skihütte Südtirols (gewählt 2016) dann wird – überwiegend – Pizza gegessen. Der Duft nach gebackenem Teig und den unterschiedlichen Zutaten, Oregano, Knoblauch, Zwiebeln, Speck und Käste erfüllt gemeinsam mit dem ausgelassenen Gespräch der Gäste den Speisesaal, während aus dem Untergrund der Disco die dumpfen Bässe zum Tanze locken. „Es sind nur Einheimische, die sich eine Stunde lang und mehr den Berg hinauf plagen“, werde ich belehrt, „keine Fremden.“ „Und Italiener?“ „Mit Stöckelschuhen kann man nicht steigen.“ Dafür war MarcelScorpion da, ein „Youtuber“, mir völlig unbekannt, aber ein Star bei den Jugendlichen. Wen es tagsüber lockt in die Höhe und die unberührte Natur, der macht sich auf über den Milchsteig zur Fane Alm, den Almen des Pflersch - und Villnösstals, zu der Brixner Hütte, dem Pfunderer Höhenweg, dem Wilden See oder zu der Wilden Kreuzspitze, die eine Höhe von 3.132 m erreicht.
Wer sich nicht plagen, sondern verwöhnen lassen will, auch für den gibt es ein kleines, spezielles Paradies. Ein Schwimmbad im Freien, eine Sauna mit den extravagantesten Aufgüssen, darunter „Bier“ und „Dolomiti Supeski“ , einem einzigartigen Ausblick über das Pustertal und in der Küche den genialen Koch Tobias Schmalzl: das „4 Sterne Superior Hotel Tratterhof“ in Meransen, bei Freunden alpiner Wellness vielleicht so bekannt wie MarcelScorpion bei den jugendlichen Vampiren. Dem Inhaber-Familien-Mitglied Stefan Gruber, der auch Geschäftsführer des Lifteverbandes Gitschberg-Jochtal ist, habe ich versprochen, wiederzukommen, wenn Platz im Hause ist.
Das Angebot der Almenregion Gitschberg-Jochtal ist im Winter wie im Sommer vielfältig. Neben Skifahren und Snowboarden, gibt es Langlauf- und Rodelpisten. Schneeschuhwanderer zieht es über die Almen, Winterwanderer bevorzugen die Wege, die zu den Hütten führen, oder den Alm-Kneipp-Weg. Überall verbreiten mehr als 280 Sonnentagen ihren bezaubernden Glanz. Wer sich von Kultur und Geschichte auch im Winter nicht trennen will: Sehenswerte Städte wie Mühltal, Brixen, Bruneck oder Sterzing sind nah. Die Sonnenburg und andere Festungen laden zum Besuch. Und dann gibt es noch die Überreste des valle alpino, mit dem Mussolini sein Faschistenreich gegen die Nachbarn verteidigen wollte, in Mühltal gibt es einige „Bunker Opera“ zu besichtigen, aus denen und auf die – zum Glück - nie ein Schuss abgegeben wurde und die nicht mit den Pistenraupen zu glätten sind. Da „Opera“ in manchen Ohren nicht nach Bauwerken, sondern eher nach italienischer Oper klingt, könnte man doch im Zuge der Revidierung der Beute-Namen diese Bezeichnungen gleich mit schleifen.
Information:
www.gitschberg-jochtal.com
www.tratterhof.com

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