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Wandern zwischen Blüten und Bächen im Südtiroler Gartendorf Algund

Wandern zwischen Blüten und Bächen im Südtiroler Gartendorf Algund

Heiner Sieger
17.05.2018, 23:25 Uhr
Beitrag von Heiner Sieger

Wir treffen uns am Schloß Pars. Das kleine Weingut oberhalb des Gartendorfs Algund ist der Ausgangspunkt einer von zahlreichen geführten Wanderungen, an denen Urlauber hier teilnehmen können. Klar, das es bei diesem Startpunkt nur um eines gehen kann: den Wein. Doch bis wir ihn dann auch am Ende kosten und genießen dürfen, werden wir vorher einiges über den Weinanbau, die Waale als Bewässerungskanäle und die Kunst pfiffiger Winzer erfahren.

Mandelblüte am Algunder Waalweg
Mandelblüte am Algunder Waalweg

Das Südtiroler Dorf Algund, keine drei Kilometer von der weltbekannten Kurstadt Meran entfernt, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Geheimtipp für Frühlingswanderer entwickelt. Denn in keiner Region zwischen Brenner und Sizilien herrscht schon ab Mitte März ein derart mildes Klima wie hier. Verantwortlich dafür ist das submediterrane Mikroklima, das hier aufgrund der geschützten geographischen Lage herrscht: Die Texelgruppe mit ihren Dreitausendern schirmt das Meraner Becken vor kalten Winden gegen Norden und Nordwesten ab, von Süden kann die warme Luft vom Mittelmeer ungehindert einströmen.

Die Folge: im März ist es mit 15°C in Algund schon so warm wie beispielsweise an der Cote d’Azur und wärmer als an der nördlichen Adriaküste. Im April erreichen die Durchschnittstemperaturen mit 20°C bereits Werte wie im Golf von Neapel, auf Sardinien oder Mallorca.

Umgeben von Palmen, Oliven, Oliander und vielen Reben: Schloss Plars
Umgeben von Palmen, Oliven, Oliander und vielen Reben: Schloss Plars

Erlebnisreiche Alm- und Hüttentouren stehen auf dem Programm
Und Bewegungshungrige, die nicht so gerne auf eigene Faust unterwegs sind, können sich geführten Wanderungen anschließen. Das Tourismusbüro Algund und die örtlichen Bergsteigerschulen haben viele erlebnisreiche Alm- und Hüttentouren im Programm. Deren Vorteil: die einheimischen Wanderführer zeigen den Gästen die schönsten Ausblicke, die duftendsten Wiesen, die stillsten Wälder und die wildesten Bergbäche. Und neben dem Genuss nimmt man auch noch Einiges an neuem Wissen mit nach Hause.

Ob eine Klosterwanderung zum Kloster Maria Steinach und dem Klosterbauernhof, eine Kräuterwanderung nach Vellau oder eine Blütenwanderung den Waalweg entlang – die Begleiter haben stets etwas Lehrreiches mit im Gepäck. Wie auch Norbert Rechenbacher, unser Wein-Wegbegleiter. 40 Jahre war er international in Banken tätig. Nach der Pensionierung vor einigen Jahren hat er sich zum Natur- und Landschaftsführer ausbilden lassen, der eigenen Vorliebe wegen mit Spezialisierung auf Wein.

Fröhlich gluckst das Wasser im Waal
Fröhlich gluckst das Wasser im Waal

Waale - die Wasseradern der Südtiroler Winzer
Nur wenige Schritte vom Schloß entfernt steigen wir ein in den Algunder Waalweg, über den ein Teil des Wein-Wanderweges führt. Ein Meer bunter Blüten erfreut das Auge, lange vermisste Düfte steigen in die Nase. Wohlig streichelt die längst überfällige Frühlingssonne das Gesicht. Glucksend schießt das Wasser im schmalen Waal entlang des Wegs dahin.

Auf dem Weg nach Meran mündet der Algunder Waalweg in die Tappeiner Promenade
Auf dem Weg nach Meran mündet der Algunder Waalweg in die Tappeiner Promenade

Waale, das sind kleine Bäche, die vor langer Zeit zur Bewässerung der Reben rund um Meran angelegt wurden. „Das Wort Waal kommt von lateinischen Aqualis, und wurde mit der Zeit eingedeutscht“, erzählt Norbert. „Die Weinbauern hier oben haben seit jeher das Recht, Wasser abzuleiten aus der Etsch um die Weinberge zu bewässern. Und zwar 163 Liter in der Sekunde.“ Jeder Weinbergbesitzer darf ab dem 1. April bis Anfang November einmal pro Woche für eine Stunde einen Teil des Wassers in seinen Weinberg ableiten. Da wo die Weinbauern früher Furchen geschlagen haben, um das Wasser an die Reben zu bringen, gibt es heute Bewässerungsschläuche. „Ein sogenannter Waaler kontrolliert täglich den Wasserfluss, säubert die Waale von Laub, Holz und anderem abgesetzen Schmutz und achtet auf eventuellen Diebstahl von Wasser.“

Typsische Vernatsch-Pergeln am Algunder Weinwanderweg
Typsische Vernatsch-Pergeln am Algunder Weinwanderweg

In etwa anderthalb Stunden durchwandern auf dem neu errichteten Wein- und Themenweg ein wunderbares Fleckchen Erde und genießen die Schönheit Natur und die einzigartigen Ausblicke. Während smaragdgrüne Palmenblätter in einer lauen Brise rascheln, sprießen hier schon Ende März die Knospen der Mandeln und Kirschbäume. Und ab Anfang April überschwemmt ein Meer aus zarten Apfelblüten die einigermaßen verträumte Südtiroler Landschaft. Auch wer nicht zum ersten Mal hier her kommt, ist von diesem jahreszeitlich bedingten Naturschauspiel in einer alpinen Region mit gleichzeitigem Blick auf schroffe, noch schneebedeckte Dreitausender immer wieder ergriffen.

Wandel des Weinbaus: Mehr Weißwein, weniger Vernatsch
Derweil hat Norbert an einer Informationstafel den nächsten kleinen Stopp verordnet. Er klärt über den Wandel des Weinanbaus auf, das Aufkommen des Weißweins in Südtirol und den Niedergang des Vernatsch, dem immer noch typischen Südtiroler Rotwein, der imposant und landschaftsprägend über Pergeln angebaut wird. Insgesamt weisen fünfzehn Texttafeln, entlang des Weinwanderweges angebracht, auf alte Sorten, auf Brauchtum und anderes Wissenswertes rund um den Weinbau hin.

Infotafel am Weinwanderweg bei Algund
Infotafel am Weinwanderweg bei Algund

Auch wenn Wein für manch einen ein durchaus faszinierendes Thema ist – Algund bietet auch für viele andere Arten von Wanderfreuden die passende Gelegenheit. Auf einer Meereshöhe von zwischen 300 und 3.000 Metern wartet das 5000-Seelen-Dorf mit unterschiedlichsten Herausforderungen auf - und zwar auf fünf Ebenen.

An der Etsch lässt es sich entweder die römische Via Augusta entlang Richtung Reschenpass spazieren, oder in umgekehrter Richtung ins nicht weit entfernte Meran. Alternativ kann man sich aber auch durch die nur unwesentlich höher gelegenen blühenden Obstgärten bewegen.

Blick durch Obstgärten auf Algund
Blick durch Obstgärten auf Algund

Die mittlere Wanderebene sind dann die bequemen Waalwege, über die es kilometerlang und meist eben durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Wiesen und Reben geht – immer entlang des erfrischenden Waals.

Kostenlose Lifte für Höhenwanderer
Wer höher hinaus will, den erwartet bei einer Fahrt mit dem urigen Einzelsessellift von Algund / Plars nach Vellau ein traumhaftes Naturerlebnis. Gemütlich schwebt und schaukelt der Gast durch die Weinberge und Wälder, über die Köpfe der Waalwanderer hinweg und kann dann den Kieneggerweg hinab ins Tal nehmen, oder in den Vellauer Felsenweg einsteigen.

Gaaaanz gemütlich: Sessellift von Plars nach Vellau
Gaaaanz gemütlich: Sessellift von Plars nach Vellau

Man fährt zwar nicht allein, aber einzigartig ist sie doch: die Fahrt im für zwei Personen (plus Kind) konzipierten und speziell für Wanderer entwickelten Korblift. In den kleinen grünen Gondeln kann man von Vellau aus über Wiesen und durch ein Waldstück hinauf auf die Leiter Alm schweben. Der Korblift besteht komplett aus Draht und reicht einem Erwachsenen etwa bis zur Brust. So lässt sich die schöne Landschaft, zum Beispiel den herrlichen Ausblick ins Etschtal – ohne Einschränkung genießen und während der Fahrt tolle Fotos machen.

Einzigartig in Südtirol: der Korblift zur Leiter Alm
Einzigartig in Südtirol: der Korblift zur Leiter Alm

Am Gasthaus Gasteiger (Bergstation) angekommen, dauert die Wanderung zur Leiter Alm nur gemütliche fünf Minuten. Die Alm, direkt am Meraner Höhenweg gelegen, ist ein idealer Ausgangspunkt für die fünfte Wanderebene, die hochalpinen Steige. Zum Beispiel eine Tagestour zu den Spronser Seen. Über die Hochgangscharte oder Taufenscharte gelangt man in etwa 3 - 4 Stunden zu diesen Hochgebirgseen, Überreste einstiger Gletscher. Die Wanderung ist allerdings nur für geübte Wanderer zu empfehlen, da der Weg oft felsig ist. Diese Lifte sowie alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Südtirol sowie ausgewählter Seilbahnen und 90 Landesmuseen lassen sich übrigens mit der AlgundCard kostenlos benutzen. Diese Karte bekommt jeder Gast, der mindestens für eine Übernachtung in Algund bleibt.

Unterwegs auf den Wanderwegen rund um Algund.
Unterwegs auf den Wanderwegen rund um Algund.

Zu Gast beim Winzer in Schloß Pars
Aber heute sind wir ja auf dem Weinwanderweg unterwegs. Und da erwartet uns jetzt zum Abschluss Andreas Theiner, Winzer und Inhaber von Schloss Plars, der einziger freie – also nicht die Genossenschaft beliefernde – Weinbauer Algunds. Das 1357 erbaute Schloß befindet sich seit 1911 im Besitz der Familie Theiner.

Eingang zum Weinkeller in Schloss Plars
Eingang zum Weinkeller in Schloss Plars

Der Betrieb hat in den vergangenen Jahrzehnten einige Wandel hinter sich. Das einstige Weingut hatte der Vater von Andreas als junger Bursch in den 60er Jahren auf Obstbau umgestellt. 2004, als Andreas die Verantwortung übernahm, stellte er wieder auf Wein um. Ohnehin ist ja der uralte imposante Weinkeller noch erhalten, in dem der ehrgeizige Winzer auch seine anspruchsvollen Weißweine in Holzfässern lagert.

Andreas Theiner, Winzer in Schloß Pars
Andreas Theiner, Winzer in Schloß Pars

Andreas konzentriert sich auf nur vier Weine, die wir – als Höhepunkt einer insgesamt lehrreichen und geselligen Wanderung – auch allesamt verkosten: den Südtiroler Sauvignon Marzahn, den Südtiroler Weißburgunder Pataun sowie den roten Südtiroler Meraner Wonger und den Lagrein Merlot Yhrn, eine außergewöhnlich gelungene Cuvée.

1 Kommentar

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Ein sehr schöner Beitrag
  • 20.05.2018, 18:11 Uhr
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