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Forty Thieves

Forty Thieves

16.07.2018, 16:38 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Südlich von Mombasa unweit der Staße, die nach Dar es Salaam führt, liegt in einer Korallenkalk-Höhle , die nach oben offen ist für den Mond und die Sterne, das Restaurant von Ali Barbour - gutes Essen, Fisch, der in der letzten Nacht gefangen wurde und Kellner, die so geschult sind, daß sie einen gegrillten Fisch mit nur einer Hand zerlegen können. Das Licht funkelt in den Kalk-Kristallen der Wände und die Athmosphere hat was märchenhaftes, fast wie die Schatzhöhle im Märchen von Ali Baba.
Und gegenüber - von einen kleinen Wäldchen verborgen, und damals noch unentdeckt von den Touristen der umliegenden Urlaubshotels, liegt am Strand des Indischen Ozeans, eine kleine Strandbar mit dem Namen - du hast es erraten - "Forty Thieves". Ein einfaches Makutidach auf hölzeren Stützen, offen für das Mondlicht, das Rauschen der Wellen und den sanften Wind, der vom Meer kommt. Der Boden ist feiner weißer Sand für die nackten Füße - so fein, daß er bei jedem Schritt knirscht wie Kartoffelmehl. Ein Scheinwerfer oben in einer der Plamen beleuchtet die flaschengrünen Abendwellen und verschreckt die Krabben am Strand. Man sitzt in einfachen roh zusammengezimmerten Sesseln und Bänken aus Treibholz aber gepolstert mit riesigen Kissen mit bunten afrikanischen Motiven - kühle Kissen zum reinkuscheln, die Haut noch heiß von der gleißenden Sonne des Tages. Dazu klingt sanfte afrikanische Musik und wer mag, tanzt auf der kleinen gefliesten Tanzfäche oder klettert die drei Stufsn hinunter zum Strand und tanzt dort. Es gibt eiskaltes Bier, das Tusker (Stoßzahn) heißt und würzige Samosas zum Knabbern
Und die Leute!! Geschäftsmänner aus Nairobi mit farbenfrohen Krawatten und raben- fast blau-schwarzen Gesichtern, deren einziges Zugeständnis an die Hitze ist, daß sie die Jackets ausziehen und ihre kitschig bunten Hosenträger vorzeigen, ein paar leichte Mädchen sind auch da, in bunten Hotpants und so knappen Oberteilen, daß ihre Nippel ob der drangvollen Enge den Aufstand proben, sie beäugen die Gäste und diskutieren giggelnd, wer wohl heute ihr Freier wird; Hippis in schlabbrigen T-Shirts mit verwaschenem Make Love Not War drauf und ihre Bräute mit schaukelnden Brüsten in ebensolchen T-Shirts; Winston, ein übrig gebliebener Kolonialbrite mit knarriger Stimme und zerbissener Pfeife, die Nase großporig und gerötet vom Gin, die ausgetrocknete Frau mit farblos gebleichten Haaren und die Töchter oder Enkel mit so vielen Sommersprossen, daß man darunter die weiße Haut kaum noch sieht; Mama Matitti. eine Dame vom horizontalen Gewerbe aus der Herbertstraße, mit ihren beiden schwarzen Loverboys, sie hat den Namen verdient wegen ihrer unübersehbaren Oberweite und jetzt hat sie sich hier zur Ruhe gesetzt und unterstützt das Waisenhaus oben im Nordwesten, bei Eldoret; Sarvapalli Singh. den alle Hadschi nennen, er ist ist Ismaelit und hat Aga Khans Saum geküßt, das reicht um Hadschi zu werden, sicherheitshalber ist er Sikh obendrein, komplett mit Turban und eisernem Armreif; Madame Celeste von den Seychellen, sie hat großen Durst, jeden Abend hat sie großen Durst und irgendwann wird sie jemanden finden. der ihr das lederne Beutelchen mit den Rohdiamanten abkauft, dann wird sie zurück gehen nach Paris und ein neues Leben beginnen, definitivement, sans aucun doute; der windige Immobilenmakler, den der Prügelprinz (Ernst August von Hannover) verhauen ließ, weil ihn die laute Musik vom Nachbargrundstück gestört hatte - der Prozess lief seinerzeit noch, sagte er, und ich weiß nicht ob er ihn gewonnen hat aber ich wünsche es ihm, obwohl er damals versucht hat, mich über den Tisch zu ziehen - und da ist er, der obercoole Tauchlehrer im offenen Hemd mit Goldstaub auf der Brust - neue Golfchläger hat er vorzuzeigen, aus Titan und eben erst eingeflogen aus Singapore, 2.000 Dollar das Stück, ne neue Braut hat er auch, die von neulich ist wohl abgereist....
Die meisten hab ich gemocht auf die eine oder andere Weise - gute Gespräche gabs auch zuweilen, aber das wichtigste war die Stimmung von unendlicher Zeitlosigkeit und Gelassenheit, auch die Kellner hatten immer Muße für einen kleinen Plausch: "Jioni nzuri, bwana baba Tom... memsaab, jambo sana to you too, habari gani, pole pole, hakuna matata, ninakuleta bia yako mara moja." Sie haben sogar ein schmutziges Wort für Eile
Ja so war das damals in Afrika.

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6 Kommentare

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Schön geschrieben ! Wie heißt jetzt das Wort für Eile?
  • 17.07.2018, 16:31 Uhr
upesi - schnell beeil dich und suria concubine - eile
  • 17.07.2018, 16:33 Uhr
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Définitivement un temps perdu. Oder?
  • 17.07.2018, 16:21 Uhr
oui
  • 17.07.2018, 16:23 Uhr
Il reste l´immense trésor des souvenirs!
  • 17.07.2018, 16:28 Uhr
Un très beau texte, merci pour le voyage par pensée!
  • 17.07.2018, 16:29 Uhr
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