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Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern auch die meine!

Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern auch die meine!

26.05.2013, 09:30 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Bin neu hier und kenne die Gepflogenheiten nicht. Bin meist ein Alleinewanderer und lebe im Schwarzwald und das laufen gewohnt. Dann schiesse ich einfach mal los. Kann ja nicht schaden!

Auf den Spuren des Yetis

Beide sind verschworene Waldbrüder, aber Einzelgänger. So alle 3-4 Wochen verabreden sie sich dann doch um ein Duo zu bilden. Es sind gleichstarke Läufer und ein „Jetzt kann ich nicht mehr“ kennen beide nicht, selbst wenn Blut aus den Schuhen quellen sollte. Jahrgangsgleich sind sie auch und oben am Kopf mehr als ähnlich, was den schütteren Haarwuchs betrifft.
Letzte Woche war es wieder einmal so weit, dass bedeutet dass einer von Beiden im Wechsel bestimmen bedarf wo die laufsüchtigen Schuhe dieses Mal hingesetzt werden sollen.
Der Anstieg erfolgte nach kurzer Bahnfahrt bei morgendlichem Sonnenschein und knappen über Null Grad. Gerade die richtige Temperatur um sich warm zu steigen. Zur Unterscheidung der beiden sich so ähnelnden Figuren, nennt der Berichterstatter sich Waldbruder 1 und den anderen Waldbruder 2.
Waldbruder 1 hatte die Tour ausgeknobelt, mit dem Hintergedanken, nach dem Abstieg ein Dörfchen zu durchqueren, indem es einen Speck von der Breitseite gibt, die in himmlischen Tannenrauch langsam gereift war.
Waldbruder 2 hingegen gelüstet es weniger nach solchen Dingen, wobei er beileibe kein Vegetarier ist, aber das Speckessen nicht so schätzt.
Nach nicht ganz 4 Stunden standen sie am Wendepunkt und zugleich am Vesperplatz. Die Sonne schien zwar immer noch da oben, aber es war merklich kälter und ein beissender Ostwind wehte. Die beiden Wanderbrüder sind durchaus Gourmets und bemüht was besonderes auf den Tisch des Waldes zu bringen. Nein, da werden immer kleine Schleckereien ausgetauscht, die man klammheimlich in den Rucksack gesteckt hat um dem anderen zu imponieren. Als Getränke sind nur Tee oder selbst geschöpftes Quellwasser zugelassen, wobei Wanderbruder 2 so ein kleines Fläschchen mit sich führt, welches mit dem hochprozentigen Wasser des Lebens gefüllt ist und gerne zum Teeverdünnen genommen wird. Das Fläschchen dient zur Ersten Hilfe, sollte es doch mal........., den Bernhardiner mit ihren Fässchen am Hals sind im Schwarzwald eher selten.
Als Waldbruder 1 nach dem Mahle, seine Karte ausbreitet um den weiteren Weg abzustecken, meinte Waldbruder 2 : „Mensch Kumpel, lass mal die Karte, ab hier kenne ich mich aus und ich weiss noch einen Pfad mit Aussichten“-wobei er mit der Zunge schnalzte.
In Waldbruder 1seinem Hinterköpfchen begann es zu rotieren und er dachte, bei dem Umweg schaffen wir das Dorf mit dem leckeren Speck nie und nimmer. Aber er blieb still und ergab sich in sein speckloses Schicksal.
Munter wurden die Rucksäcke über die Schultern geworfen und Waldbruder 2 setzte sich an die Führungsspitze. Zum Aufstieg ist noch zu bemerken, dass die Beiden von der Südseite kamen und nur ab und zu etwas durch Schneegelände stapfen mussten. Ganz unten zeigten sich schon gelbe Blütenkelche und die Buchenjugend schimmerte grün.
Wacker wurde ausgeschritten, aber wie weiland Hänsel und Gretel, der Pfad führte nach Nirgendwo. Keine Aussicht und der Schnee begann höher und höher zu wachsen. Sie waren auf der Nordseite der Berge gelandet, wo die Sonne noch keine Chance hatte hinzu strahlen. Der Vordermann lief immer schneller und war jetzt bereit einen Abstieg zu nehmen, aber es kam keiner. Plötzlich, da eine Spur! Yetis Spur? Zumindest wussten die beiden nun, hier in dieser Einsamkeit, in der es jetzt auch noch zu schneien begann, die Sicht immer schlechter wurde, hier gibt es ein weiteres Lebewesen.
Sie nahmen die Spur auf und liefen noch schneller, denn der Tag drohte ebenfalls mit neuem Ungemach und wechselte langsam zur Dämmerung hin.
Die Zwei hatten bereits jegliche Hoffnung auf ein Abendessen und ein warmes Bett aufgegeben, da , was war das? Was rumorte dort im dichten Unterholz? War es Yeti?
Dann brach es mit brachialer Gewalt aus den Büschen heraus. Ein Jeep, besetzt mit dem Herrn diese Waldes, einem Förster. Der bremste und stellte die Frage:
„ Ja um Himmelswillen was macht ihr denn hier noch zu dieser Zeit“?
Erleichtert stiegen wir ein und der vermeintliche Yeti fuhr uns zu einem gut markierten Abstieg, der nach 8 Km weiteren Fussmarsches zu einem Dorf führte und von dort schlussendlich über Bus und Bahn die beide etwas müden Wanderbrüder sehr spät, nein, sehr sehr spät ihr trautes Heim wieder erblicken liess.
Eines ist sicher, dieser Wandertag wird weitreichende Konsequenzen für die Planung und Durchführung folgender Duo- Exkursionen haben. Uuuuahhh, jetzt nur ab in s warme, weiche, kuschelige Bett und geträumt vom hilfsbereiten Yeti in den Schwarzwaldbergen.
PS: Wollte eigentlich eine mehrtägige Streckenwanderung einbringen, aber das geht nicht, da zuwenig Platz!
Carlos

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3 Kommentare

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interessante geschichte und flott geschrieben, vielen dank.
  • 26.05.2013, 08:40 Uhr
Hallo Juliane, du scheinst die Einzige zu sein, die meinen kümmerlichen Beitrag gewürdigt hat. Bin hier neu und weiss nicht so genau, wo man sich plaziert. LG Carlos
  • 26.05.2013, 19:35 Uhr
hallo carlos....herzlich willkommen.
ich denke du hast dich schon richtig plaziert.
ist halt nicht alles für jeden interessant.
mir hat es spaß gemacht, dich zu lesen, wohl auch, weil ich selbst gerne wandere. liebe grüße juliane
  • 26.05.2013, 20:07 Uhr
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