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Mount Everest: Der Mythos ist bedroht

Mount Everest: Der Mythos ist bedroht

Bernd Berke
29.05.2013, 14:08 Uhr
Beitrag von Bernd Berke

Der Mount Everest, mit 8848 Metern höchster Gipfel der Welt, gehört zu den großen Mythen der Menschheit. Am 29. Mai 1953, vor 60 Jahren also, wurde er erstmals bestiegen. Fast alle anderen Rekorde jener Zeit waren vergänglich. Damals war das Empire State Building das höchste Gebäude auf Erden. Doch heute ist auch der Mythos des Berges bedroht.

Anlass genug fürs ZDF, mit der Sendung "Mythos Everest - Gipfelsturm auf dem Dach der Welt" an die Großtat des Neuseeländers Sir Edmund Hillary und des nepalesischen Sherpa Tenzing Norgay zu erinnern, die 1953 als erste Menschen den Gipfel bezwungen haben. Und wer wäre berufener als der Extrembergsteiger Reinhold Messner, dem 1978 die ebenso legendäre Besteigung ohne Sauerstoff gelang, einen solchen Film zu gestalten?

Teures Gipfelglück

Seit 1953 haben viele eisige Stürme im Himalaya getobt. Und es hat sich manches grundlegend geändert. Heute wird das Gipfelglück - natürlich zum Leidwesen Messners - kommerziell ausgeschlachtet. Einer von Hunderten, die jetzt jährlich zum Everest-Gipfel aufbrechen, nannte einen Betrag: 65 000 Dollar kosteten ihn die perfekte Vorbereitung und Rundum-sorglos-Betreuung. Da werden im Vorfeld - von Sherpas - alle erdenklichen Hindernisse aus dem Weg geräumt, es werden gleichsam Schneisen geschlagen, auf denen schon Leitseile angebracht und Zeltlager präpariert sind.

Viagra gegen Höhenkrankheit

Trotz solcher Maßnahmen herrscht dort oben noch immer tödliche Gefahr. Eine Bergführerin schüttelte den Kopf über den grassierenden Leichtsinn. Der Höhenmediziner Prof. Oswald Oelz schilderte drastisch, wie etwa die lebensbedrohliche Höhenkrankheit verlaufen kann. Kaum zu glauben, aber wohl wahr: Als Vorbeugung gegen Lungen- oder Hirnödeme nehmen versessene Alpinisten sogar Viagra, das offenbar "nicht nur unten" (Prof. Oelz) wirkt.

Tolle Bilder, hohle Sätze

Der Beitrag bot immer wieder atemberaubende Bilder, auch aussagekräftiges Archivmaterial von 1953 und 1978 zählte dazu. Auf die Privataufnahmen der Alpinistin Gerlinde Kaltenbrunner, die einen japanischen Freund dort oben in dessen Todesangst gefilmt hatte, hätte man jedoch verzichten können. Vielleicht sollte es pädagogisch wirken und künftige Abenteurer von waghalsigen Expeditionen abhalten?

Ganz ohne markige, letztlich inhaltsleere und daher hohl tönende Klischeesätze kam der Film nicht aus: "Jeder, der den Gipfel schafft, wird das nie vergessen." Oder auch: "Triumph und Tragödie liegen immer dicht beieinander am Schicksalsberg Mount Everest." Das klang beinahe nach einer Wochenschau der 1950er Jahre.

Durchaus sinnfällig allerdings die optische Darstellung des höhentouristischen Wahnsinns, indem die Namen aller Bezwinger des Berges als Schriftzüge über den Bildschirm geschickt wurden. Anfangs waren es nur einzelne, dann verdichtete sich das Schriftbild zusehends zur irrwitzigen Wolke. Höhendoktor Oelz hat schon viele Freunde durch tödliche Bergunfälle verloren. Dennoch meinte er in einem Anflug von Höhenrausch: "Das Geheimnis intensiven Lebens heißt gefährlich leben." Darüber könnte man lange streiten.

Rund 6000 waren schon oben

Rund 6000 Menschen sind inzwischen "ganz oben" gewesen, darunter auch ein Blinder und ein Mensch ohne Arme sowie ein Japaner, der den Mount Everest mit 80 Jahren zum dritten Mal bestiegen hat - und sogleich von einem noch älteren Nepalesen übertrumpft wurde...

Kein Wunder, dass Reinhold Messner zum Innehalten aufrief. Der Ansturm auf vorgezeichneten Pfaden raube dem Berg die Größe und den Mythos. Man muss wirklich kein Naturmystiker sein, um diese Ansicht zu teilen.

8 Kommentare

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Toll die Erstbesteigung vor 60 Jahren, erschreckend der Massentourismus heute!!!!
  • 30.05.2013, 12:25 Uhr
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Otto Huber
Man merkt dem Text leider an, dass der Autor den Himalaya nur vom Bildschirm her kennt. Er hätte darüber schreiben müssen was derzeit am Everest jenseits von Bergromantik und Gipfelglück passiert. Zwischen freien Bergsteigern (im Stil Reinhold Messners) und kommerziellen Tourismus eskaliert der Konflikt. Einer der besten Höhenbergsteiger der Zeit, Ueli Steck entkam kürzlich nur knapp einer Horde von Sherpas, die ihn mit Steinen und Faustschlägen traktierten und drohten ihn umzubringen nur weil er ihre Fixseilpiste kreuzte um zu einer schwierigen Route an der Westflanke abseits des Touristenweges zu gelangen. Ein Sherpa verdient 3500 $ pro Monat. Das ist viel Geld in Nepal einem der ärmsten Länder der Welt. Da stören Bergsteiger die ohne Sauerstoff und ohne Sherpas klettern. Der Everest ist ein Millionengeschäft. Es gibt Streit, Diebstahl, Korruption, Schlägereien.
1991 war ich am Everest. Damals konnte ich mich noch ohne Sauerstoff und ohne Sherpas "gefahrlos" bewegen.
  • 29.05.2013, 11:55 Uhr
Bernd Berke
Es stimmt. Ich habe noch nicht auf dem "Dach der Welt" gestanden. Das wäre auch nichts für mich.
Das Fernsehen begreife ich übrigens auch als Medium, mit dem man etwas über Gegenden/Verhältnisse erfährt, die man noch nicht kennt.
Außerdem ist im Text eben kaum von Bergromantik die Rede, sondern just von Kommerzialisierung.
  • 29.05.2013, 15:58 Uhr
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Reinhold Messner sagt wie er es denkt - und ich glaube Ihm. Dies zeigt er auch in seinen Dokumentationen oder persönlichen Erzählungen vor den Gipfelbegeisterten wie z.B. Summit-Club.
  • 29.05.2013, 10:58 Uhr
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Ich finde es gut, dass sich so viele Bergsteiger am Everest versammeln und es ist auch schön, dass so viele den Jakobsweg pilgern, dann sind andere Berge und andere Wege nicht überlaufen von rekordsüchtigen Bergsteigern und wanderlustigen Pilgern. Es gibt in den Alpen noch einsame Wege und stille Berge und da bin ich zu finden.
  • 29.05.2013, 10:38 Uhr
Volltreffer
So ist es.
  • 29.05.2013, 11:00 Uhr
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Das einzige, was der Mensch der Natur hinzufügen darf, ist seine Bewunderung.
E. Kupke
  • 29.05.2013, 09:45 Uhr
Bernd Berke
Ein weises Motto!
  • 29.05.2013, 16:04 Uhr
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