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Die Hörndlwand, das Chiemgauer Kletterparadies

Die Hörndlwand, das Chiemgauer Kletterparadies

Otto Huber
29.03.2012, 11:55 Uhr
Beitrag von Otto Huber

Klettern ist ein Sport, der auch jenseits der gesetzlichen Altersgrenze Spass macht. Die Ziele sind dann nicht unbedingt die 8000er des Himalaya, denn auch ein Kletterparadies wie das „Hörndl" im Chiemgau bietet genug Abenteuer für eine Seniorenseilschaft die zusammen schon 134 Jahre auf dem Buckel hat.

„Die gnadenlosen Drei“ steht im neuen Kletter-Führer von 1997 für die Touren-Kombination Sockl-Merklriss-Mittlere Nordwand. Das klingt martialisch, wenig einladend. „Einstieg von einem Gras durchsetzten Band, das man über eine niedrige Stufe erreicht“, das hört sich schon netter an. Auf dem Band stehe ich jetzt mit meinem Freund und langjährigen Expeditionspartner Konrad. Wir ziehen den Sitzgurt fest, befestigen Bandschlingen, Friends, ATC-Stopper, Abseilachter und was man halt sonst noch alles heutzutage zum Klettern braucht, einschließlich der mit weichem Gummi beschichteten Fußbekleidung, die eher einem Ballettschuh ähnelt als einem Bergstiefel.

Vom Standplatz nach rechts geht es über eine herausdrängende Rippe gerade aufwärts. Irgendwie kommt es mir so vor, als sei die Rippe steiler und die Griffe kleiner geworden, seit ich das letzte Mal vor 50 Jahren da hinaufgekraxelt bin. Beim Klettern hat man kaum Zuschauer. Das ist auch gut so, insbesondere wenn der „tänzerische Move“ etwas abhanden gekommen ist. Die Kletterrouten am Hörndl gehen zurück auf die 1920er Jahre als die Chiemgauer Willy Merkl und Fritz Bechtold ihre Erstbegehungen machten. Beide wurden später mit ihren dramatisch verlaufenden Himalayaexpeditionen am Nanga Parbat weltberühmt.

Nach dem Merklriss gönnen wir uns eine Rast auf der Aussichtskanzel der Nordwandterrasse. Ich schaue hinunter auf die Hörndlalm, die heute geschlossen ist und einsam in dem mit Kraut und Stauden überwucherten Almboden steht. Was war da früher für ein Leben rund um die Hütte. Pinzgauer Milchkühe grasten auf der Bergwiese und lieferten mit ihrem melodischen Gebimmel die Begleitmusik für die Kletterer in der Wand. Der "Hörndl-Hans“, der Senner, der gutmütig schlitzohrige Hüttenwirt, wieselte zwischen durstigen Bergwanderern herum und verkaufte sein berüchtigtes pappsüßes Gesöff, das er auch im Sommer beharrlich „Schiwasser" nannte. Sein Markenzeichen, war ein an vier Ecken mit Knoten versehenes quadratische Schneutztuch, das trotz aller Hektik stets akkurat mittig zentriert auf seiner schweißglänzenden Glatze pappte.

Von der Nordwandterrasse führt ein kurzer Quergang zur Mittleren Nordwand, eine der schönsten Klettereien am Hörndl. Bombenfester Fels, perfekt modellierte Griffe und viel Luft unterm Hintern. Plaisierklettern nennt man so etwas heutzutage. Weiter rechts verläuft über löchrige schwarze Überhänge die "Merkl-Siemens-Route". Hier hat sich Ernst von Siemens, der Urenkel des Firmengründers und spätere Vorstandsvorsitzende des Weltkonzerns, verewigt.

Am Gipfelkreuz genießen wir die Nachmittagssonne. Sie taucht die nahen Berchtesgadener Berge in zarte Orangetöne. Wir wären sicher noch länger sitzen geblieben, wenn uns nicht eine noch verlockendere Aussicht zum Aufbruch gedrängt hätte: Die Aussicht, auf der Hausbank vor der Brandneralm im letzten Abendlicht eine kühle Maß genießen zu können.

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