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Mountainbikes und Musikantenstammtisch im Chiemgau

Mountainbikes und Musikantenstammtisch im Chiemgau

Otto Huber
30.03.2012, 12:10 Uhr
Beitrag von Otto Huber

Die Tour beginnt am Forsthaus Adlgass, das am Fuß des Hochstaufens in der Nähe von Inzell liegt. Hier soll Kaiser Karl seiner Tochter ein Schloss gebaut haben, das er ihr zu Ehren Adelheidgass nannte. Das liederlichen Weibsstück, so erzählt es die Sage, nutzte das Schloss aber nur zum saufen, huren und feiern, bis sich eine Felsspalte auftat und die sündigen Schlossbewohner verschlang. Das Forsthaus hat nur den Namen geerbt. Ansonsten erinnert nichts mehr an das verruchte Schloss. Glockengebimmel tönt von der Almwiese her, wo kastanienbraune Pinzgauer grasen. Der Wirtsgarten vor dem weiß getünchten Haus mit den grünen Fensterläden zählt zu den schönsten im ganzen Chiemgau.

An die 100 Mountainbikes parken rund um die Alm.

 Von Adlgass führt eine Forststraße in weiten Kehren unter Schatten spendenden Nadelbäumen zur Stoisseralm. An Sommersonntagen herrscht hier Hochbetrieb. Weit über 100 Mountainbikes parken dann vor dem Stacheldrahtzaun der Almweide. Vom namenlosen Alu-Radl aus dem Baumarkt bis zum vollgefederten Racefully mit Carbon-Rahmen ist alles vertreten. Da stehen leicht einmal 250 000 € rund um die Alm.

Vom 1314 m hohen Gipfel führt ein holpriger Fußweg über die Kachelsteine zu Tal, den man aber besser den Bergwanderern überlässt. Die nahe Forststraße bietet dafür eine genussreiche Abfahrt nach Feilenreit und die dabei zu erzielende Geschwindigkeit sorgt für ausreichenden Adrenalin-Ausstoß. Wo die Forststraße den Wald verlässt steht auf der Wiese ein rot weiß blau gestreifter hölzerner Grenzpfosten. Er markiert jene Grenze, die seit 1816 nicht mehr existiert, weil nach dem Territorialpoker der napoleonischen Zeit der Rupertiwinkel dem Erzbistum Salzburg einfach weggenommen und dem jungen Königreich Baiern zugeschlagen wurde. Eine Entscheidung, die manchem alteingesessenen Rupertiwinkler noch heute wurmt.

Ein Musikantenstammtisch der besonderen Art.

 Nicht weit von dieser "Grenze" entfernt, in Wald am Riedl, gibt es den Holznerwirt. Die Wirtsstube ist, wie jeden Sonntag, brechend voll. An der Wand hängen die Starfotos schwerer Bauernrösser, deren Mähnen mit Flachs zu hellgelben Zöpfen geflochten sind. Wohltuend schlicht ist die Stube. Kein Jodlerstil oder sonstiger Schnickschnack. Am Stammtisch sitzen g'standene Mannsbilder. Der Etikette entsprechend bleibt der grüne Filzhut selbstverständlich auf dem Kopf. Da kann es in der Stube noch so warm werden.

Spätestens wenn der Schmid Max in die Tasten seiner Knöpferlziach greift und die Holznerwirtin mit ihrer Schwester mit wohlklingenden Altstimmen „iatz kimmt de scheene Früahlingszeit" singen, dann merkt man was das Besondere am Holznerwirt ist. Nach und nach kommen Gitarre, Klarinette und eine Mundharmonika zum Einsatz. Der Stammtisch verwandelt sich plötzlich in eine Musikanten- und Sänger-Runde. Grobe Bauernhände, denen man eher zutrauen würde einen Traktor zu reparieren, zupfen einfühlsam die Zithersaiten und die Baritonstimmen der breitschultrigen Trachtenjoppenträger füllen die Stube. Wenn man genauer hinschaut, merkt man, dass nicht nur Bergbauern am Stammtisch sitzen. Dazwischen hockt ein pensionierter Postbeamter, ein hünenhafter Museumsdirektor und ein in feinstem Landhausstil gekleideter Verleger. Mitsingen tun sie aber alle.

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