wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Mit dem Fahrrad auf Kirchentour in Schleswig-Holstein

Mit dem Fahrrad auf Kirchentour in Schleswig-Holstein

22.05.2013, 11:11 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Mit dem Rad auf Kirchentour

Auf der neu ausgearbeiteten „Limes Route“ im Kirchenkreis Segeberg Plön können Radler gleich mehrere Kirchen und bedeutende historische Bauwerke besichtigen. Hier erzählt Siegfried Huss aus Sülfeld, wie ihm die Tour gefällt

Der „Limes Saxoniae“ war angeblich ein Grenzwall, der im 8. Jahrhundert die Sachsen von dem Gebiet der slawischen Obodriten im östlichen Holstein trennte. Heute kann man auf der „Limestour“ Fahrrad fahren. Anfang Juli haben wir es ausprobiert: Heike und Siegfried Huss mit unserer 12-jährigen Enkelin Louisa und Rosemarie Wrage von der Kirchengemeinde Sülfeld. Wir machten eine Fahrradtour auf der 36,5 km langen Teilstrecke der „Limes Kirchenroute“ von Bad Oldesloe in Richtung Leezen und zurück über Sülfeld. Vorbei am schönen alten Herrenhaus in Blumendorf, durch die Altstadt von Bad Oldesloe und auch das Benediktiner-Kloster Nütschau mit seinem Herrenhaus aus dem 16.Jahrhundert liegt auf der Route.

Morgens um zehn treffen wir uns vor der Oldesloer Peter und Paul Kirche mit den anderen Teilnehmern: Einem Fernsehteam des NDR, das unsere Tour für die Sendung „Lust am Norden“ filmen will, und den Vertretern des Kirchenkreises unter Leitung von Pastor Dabelstein und Stahnke sowie der Kirchenkreis-Verantwortlichen Petra Kröger. Mit dabei sind auch der ehemalige Kreisdenkmalspfleger des Kreises Stormarn, Burkhard von Hennings und Dr. Dieter Kuhn vom Verein AktivRegion Alsterland e.V. Dieser Verein war maßgeblich an der Ausarbeitung der Fahrradroute beteiligt.

Die Mennokate: Gedenkstätte an den großen Prediger Menno Simons
Von der Kirche aus führt uns der Weg zunächst auf die Landstraße nach Bad Segeberg zur Mennokate bei Altfresenburg kurz hinter Bad Oldesloe. Hier lebte und wirkte der Gründer der Religionsgemeinschaft der Mennoniten, der niederländisch-friesische Theologe Menno Simons (1496–1561). Wir bewundern die fast 500-jährige reetgedeckte Kate, in der sich nach Volksüberlieferung Menno Simons Druckerei befunden haben soll. Die uralte Linde davor hat er angeblich selbst gepflanzt.
Das Fernsehteam des NDR filmt unsere Gespräche mit dem Hausverwalter der mennonitschen Arbeitsgemeinschaft, der davon berichtet, dass dort in der Kate in den letzten fünf Lebensjahren von Menno Simons die „Fresenburger Drucke“ entstanden sind, mit denen der Reformator seine Glaubensauffassung verbreitete.

Kloster Nütschau: ein leuchtend bunter Altar und stille Andacht im Geiste des Heiligen Benedikt
Von der Mennokate aus fahren wir unter der Autobahn A21 hindurch nach Nütschau. Dort dürfen wir, geführt von Leo Overmeyer, dem Prior des Klosters, die Klosterkirche und das Herrenhaus von 1577 besichtigen. An diesem Sommertag sind besonders die vielen bunten Lichtreflexe beeindruckend, die die bunten Fenster hinter dem großen, aus Kunstharz gefertigtem Altar im ganzen Kirchenhaus verbreiten: Ein Spiel mit Licht, das der Kirche eine träumerisch-andächtige Stimmung verleiht. Inszeniert vom Glasmaler Siegfried Assmann (geboren 1925) aus Großhansdorf.
Burkhard von Hennings kann uns viel von der Geschichte des Herrenhauses und des 1951 gegründeten Benediktinerklosters erklären. Es ist das einzige noch aktive Kloster auf dem Mönchsweg und liegt auch am Jakobsweg. Klar, dass auch das Kamerateam wieder eifrig mitfilmt.


Tralau und Leezen: zwei Kirchen und ein weiblicher Taufengel
Nächster Halt ist die kleine, im Stil eines Torhauses gebaute Kirche in Tralau. Sie wurde ehemals als Gutskirche für das örtliche Herrenhaus errichtet. Hier legen wir eine kleine Verschnaufpause ein und machen uns dann über idyllische Wirtschaftswege auf den Weg nach Leezen. Dort filmt der NDR unseren Besuch in der Kirche. Pastorin Penner begrüßt uns herzlich mit Erfrischungsgetränken. Und Herr Rhode von der Kirchengemeinde zeigt uns die sehr schöne Kirche, deren Ursprünge auf das Ende des 13. Jahrhunderts zurückgehen. Besonders sehenswert ist die Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert mit den Bildnissen der vier Apostel jeweils am Ende der Kreuzbalken. Herr Rhode verrät uns, dass die Gemeinde den weiblichen, schwebenden Taufengel immer mit den bisherigen Pastorenfrauen identifiziert hat. Pastorin Penner bestätigt das schmunzelnd.

Groß Niendorf, Sülfeld und Grabau: Erst frische Erdbeertorte, dann alte Geschichten
Die nächste Station in Groß Niendorf bietet nach so viel geistlicher Erbauung zur Abwechslung mal etwas zu körperlichen Stärkung: Wir sitzen im Sonnen beschienenen Garten des Bauernhofcafé und genießen hausgemachte Erdbeer- und Ozeantorte. Die Stücke sind riesig. Das Pedale treten fällt danach zwar etwas schwerer, aber die Aussicht, durchs wunderschöne Bestetal zu fahren, motiviert. Über Tönningstedt radeln wir durchs saftig grüne Bestetal zur Kirche in Sülfeld. Die Kirche von 1207 ist durch ihre markanten Treppengiebel schon von Weitem zu erkennen. Burghard von Hennings macht uns auf die aufwändig geschnitzten Patronatsstühle aufmerksam: Sie wurden um 1600 hergestellt. Viel Beachtung findet auch das historische, von einem goldlockigen Knaben getragene Taufbecken und der fein ziselierte Goldleuchter mit dem lübischen Doppeladler.

Blumendorf: Schlossschönheit hinter verschlossenen Türen
Auf der alten Bahntrasse fahren wir danach an Grabau vorbei nach Blumendorf. Gern würden wir dort das hübsche Herrenhaus von 1755 besichtigen. Doch da es bewohnt ist, können wir die gepflegte Anlage leider nur von außen in Augenschein nehmen.


Hier verabschiedet sich das freundliche Fernsehteam mit den Worten: „Wir haben alles im Kasten. Den Bericht können Sie am 22. Juli im Fernsehen sehen“. Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen sich diesen Filmbeitrag anschauen können? Während das Filmteam im Transporter davonbraust, strampeln wir entlang der Beste durch den Kurpark zu unserem Ausgangspunkt, der Oldesloer Kirche. Bei der Verabschiedung sind sich alle darüber einig, wie schön und abwechslungsreich dieser Tag war. Insgesamt ist die Limestour 54,1 km lang und führt bis zur Todesfelder Kirche. Wir sind uns sicher: Die fehlenden Kilometer wollen wir bald auch noch mal per Rad erkunden.

www.kirchenrouten.eu

Siegfried Huss
Sülfeld, den 24.10.2011

23867 Sülfeld auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren