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Wer liest schon Gebrauchsanweisungen?

Wer liest schon Gebrauchsanweisungen?

Christine Kammerer
19.12.2013, 18:12 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Die meisten Menschen glauben, Bedienungsanleitungen sind nur etwas für Dummies. Auch ich persönlich stehe auf dem Standpunkt: Wenn ich darüber nachdenken muss, wie ein Gerät funktioniert, hat der Hersteller versagt. Normalerweise sollte sich nämlich die Funktionsweise alleine dadurch erschließen, indem man das Ding lange genug anstarrt. Sollte das nicht der Fall sein, liegt es am Gerät - nicht an mir.

Die einfachsten Dinge sind ohnehin die besten, denn das Leben ist schon hart genug. Deswegen braucht auch niemand Produkte, die es noch komplizierter machen. Wo ist sie also, die viel gepriesene „intuitive Benutzerführung“? Zumal das Lesen von Gebrauchsanweisungen selten ein Vergnügen ist und die Angelegenheit in der Regel nur noch mehr verkompliziert.

In der Anleitung zum Verfassen von Gebrauchsanweisungen heißt es zwar so schön: „Wenn der Redakteur Techniker ist, muss er sich bewusst sein, dass sein Zielpublikum in einer anderen Welt lebt“, doch Techniker lesen offenbar keine Anleitungen. Denn die meisten Manuals müssten nach der Genfer Konvention verboten werden, da sie den Tatbestand der psychischen Folter erfüllen. Wir haben die Ware schließlich erworben, um Spaß daran zu haben und nicht, um uns durch 300 umständlich verschnörkelte Seiten hindurch zu quälen, die von einem chinesischen Techniker verfasst und per Google in gruseliges Klümpchendeutsch übersetzt wurden.

Fluchst du noch oder lebst du schon?
Händler allerdings wissen: Wenn der Kunde die Gebrauchsanweisung vor sich liegen hat, hat er das Produkt bereits gekauft. Er wird also wohl oder übel selbst einen Weg finden müssen, sich mit dem erworbenen Gegenstand vertraut zu machen. Wenn es sich dabei um ein Möbelstück handelt, kann es mitunter durchaus Sinn machen, die überwiegend ziemlich idiotensicheren Montageanleitungen zu Rate zu ziehen. Eingefleischte IKEA-Profis hüten die Beipackzettel wie einen Goldschatz, denn bei einem Umzug kann sich der Verlust als ziemlich fatal erweisen. Aber zum Glück gibt es ja jetzt auch die IKEA-App mit Montageanleitungen fürs Smartphone…

Bin ich schon drin?
Die bewährteste Methode bei den allermeisten Gegenständen ist jedoch nach wie vor: Learning by Doing nach dem bewährten Prinzip „Versuch und Irrtum“. Also einfach so lange auf dem Gerät herumtippen, bis sich die gewünschte Funktion einstellt. Normalerweise möchte man ja zum Beispiel mit einem Smartphone nur telefonieren, vielleicht ein paar Adressen abspeichern, die Kalenderfunktion nutzen und googeln. Wozu also die Gebrauchsanweisung lesen. Und ein minderjähriger Technikfreak, der einen versiert in die wichtigsten Kunstgriffe einführt, findet sich eigentlich immer und überall.

Bei Smartphones schenken sich die Hersteller heutzutage sogar die Gebrauchsanweisung. Die findet der Nutzer bestenfalls im Internet. Nun gibt es allerdings fortgeschrittene Anwender, die blutige Anfänger gerne mit ihrem umfangreichen Technik-Wissen beeindrucken. Zum Beispiel, indem sie die absurdesten Anwendungen vorführen, die sowieso keiner braucht, und dabei das Gerät demonstrativ auf chinesische Sprachsteuerung umstellen. Um dann peinlich betreten festzustellen, dass auch ihrer eigenen Intuition aufgrund vollkommener Unkenntnis der kryptischen Schriftzeichen auf dem Display gewisse Grenzen gesetzt sind…

Wo ist denn nun der Knopf?
Otto Normalanwender nutzt ohnehin nur die Standardfunktionen: Einschalten, Programm wählen, ausschalten. Das funktioniert bei Geschirrspülmaschinen, Fernsehern und Autos. Wer braucht schon Feintuning oder so überflüssige Dinge wie Konfiguration. Die meisten Funktionen wollen wir doch gar nicht so genau wissen. Im Gegenteil: Wir würden uns sehr über Geräte freuen, die tatsächlich ohne Gebrauchsanweisung auskommen. Denn die lesen wir doch meistens überhaupt erst dann, wenn wir glauben, dass das Ding etwas können sollte, wofür wir den Knopf noch nicht gefunden haben.

Typisch männlich – typisch weiblich?
Gibt es eigentlich typisch männliche und weibliche Herangehensweisen? Nein. Allerdings können Defizite bei der intuitiven Benutzerführung zu echten Beziehungskrisen führen: Er drückt wild auf dem Ding herum, sie liest die Anleitung. Er kommt nicht in angemessener Zeit zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, sie präsentiert souverän die Lösung des Problems. Er ist frustriert, weil in seinem Ehrgeiz ausgebremst und zieht sich mit dem Gerät in ein anderes Zimmer zurück. Nun ist sie ebenfalls frustriert. Und wieder hat der Hersteller versagt…

9 Kommentare

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Wenn Sie Ausländisch sind kannste Sie eh nicht lesen man versucht es eben ohne
  • 26.07.2014, 09:04 Uhr
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ich glaube , ikea möbel hab ich einfach drauf , soviel erfahrung ! ha , was soll da noch passieren ! habe mir jetzt allerdings , zur schnelleren behebung meiner irrtümmer , einen akku-schrauber beschafft ! alles was mit elektro , pc. usw. zu tun hat lese ich erst durch und was ich nicht verstehe , frage ich !
  • 19.12.2013, 13:28 Uhr
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Wenn die Kunde hat Knopf oben aber auch unten-oben nix nur zur Einschalten. Denn druck leicht, mittel, sehr stark belegt ist mit ferschidenste Funktion: Lange Druck: on/off, kurze Druck: Main-Menu oder Sub_menu_toolbar oder Loudnessslider. Aber. Kurze druck plus Home-Button 3,5 Sekunden drucken ist System Administrator fragen und unexpected Error occurred ist.
  • 19.12.2013, 10:57 Uhr
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Christine Kammerer
Ich wurde gerade für diesen Artikel von meinem Monitor böse bestraft - er stellt grad alles irgendwie anders dar - ich kriege Augenkrebs und komm trotz GBA absolut nicht dahinter, warum ...
  • 19.12.2013, 16:34 Uhr
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Zum Verstehen einer Gebrauchsanweisung bedarf es manchmal einer gehörigen Portion von Vorstellungsvermögen.
Weder ist immer Mann und noch viel weniger Frau damit gesegnet.
Und schon fängt das Gefummel an.
  • 19.12.2013, 09:54 Uhr
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Christine Kammerer
Mir fällt gerade beim zweiten Lesen auf: "noch viel weniger Frau..." tsts, Manfred! Ich persönlich bin jedenfalls in Sachen Technik viel weniger umständlich als meine männlichen Zeitgenossen
  • 20.12.2013, 11:37 Uhr
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Christine ich auch, mein Mann sitzt am PC und wenn er von den täglich gemachten Dingen mal abweicht, dann denkt der nicht nach oder probiert sondern ruft mich "wie macht man das" selbst bei einem IKEA Regal hat er ohne mich Schwierigkeiten...
  • 20.12.2013, 12:51 Uhr
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Viele Männer überlassen eben die "niederen, manuellen Tätigkeiten" den Frauen.

Christine, sage bitte der Marietta viele Grüße, ich würde sie vermissen.
Weihnachtswünsche nach Ngb.
  • 20.12.2013, 13:35 Uhr
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Christine Kammerer
@Waltraud: Außerdem wollen Männer immer so viel Lob und Anerkennung, wenn sie schon mal was hinkriegen, in der Zeit mache ich das lieber gleich selber und
@Manfred: Was bleibt denn da eigentlich überhaupt noch, was man euch machen lassen kann?
Die Grüße richte ich gerne aus - wir treffen uns morgen als Statisten bei einem Filmdreh! Dir auch eine gute Weihnachtszeit!!!
  • 20.12.2013, 14:22 Uhr
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