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Der gute alte Knigge - gelten im Internet andere Regeln?

Der gute alte Knigge - gelten im Internet andere Regeln?

Christine Kammerer
21.06.2014, 15:42 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Neue Medien eröffnen neue Möglichkeiten. Viele davon bereichern unseren Alltag – einige sind mehr als fragwürdig. So war zum Beispiel bis vor kurzem noch vollkommen undenkbar, was heute an der Tagesordnung ist, nämlich dass jemand auf die Idee kommen könnte, eine Beziehung per SMS zu beenden. Noch erstaunlicher ist allerdings die Tatsache, dass die deutsche Knigge-Gesellschaft darin keinen Verstoß gegen die guten Umgangsformen sieht: Schluss machen per SMS, so die Hüter der Etikette, sei kein Zeichen schlechter Manieren, sondern einfach zeitgemäß.

Respekt ist keine Modeerscheinung
Kann sich guter Stil tatsächlich mit dem Zeitgeist ändern? Adolf Freiherr Knigge würde sich vermutlich im Grabe herum drehen. Ihm ging es nicht um Benimm bei Tisch oder das korrekte Outfit für jeden Anlass, sondern um den respektvollen Umgang von Menschen untereinander. Respekt, Wertschätzung, Taktgefühl und Höflichkeit sind aber nun einmal zeitlos. Sie wandeln sich nicht in Abhängigkeit von Moden oder technischen Neuerungen.

Neue Medien – neue Umgangsformen?
Letztlich gelten im Internet die gleichen Regeln für den Umgang mit anderen Menschen wie auf der Straße, im Büro oder im Café. Wenn Sie im realen Leben einen Raum betreten, werden Sie zunächst höflich grüßen. Sie würden wohl kaum im Wartezimmer beim Arzt oder beim Friseur fragen, ob die anderen Anwesenden Ihre Freunde sein wollen oder Ihnen ungefragt erotische Selfies zeigen. Und Sie werden vermutlich auch keine intimen Details über Ihr Privatleben verbreiten, sich nicht in Gespräche Ihrer Sitznachbarn einmischen oder gar laut herumschreien.

Wie kommt es also, dass viele glauben, das Internet setze die üblichen Regeln im Umgang miteinander außer Kraft? Man kann das Netz vielleicht ein bisschen mit dem Straßenverkehr vergleichen: Ein Schutzwall aus Blech führt dazu, dass die anderen nicht mehr als Menschen wahrgenommen werden. Die Kommunikation erfolgt weitgehend anonym und nicht selten setzt sich das Recht des (vermeintlich) Stärkeren durch.

Neue Lockerheit oder einfach nur schlechte Manieren?
Soziale Netzwerke waren lange eine Domäne der Jugendkultur. Insofern haben sich dort einige Regeln etabliert, die unsere gewohnten Vorstellungen von einem respektvollen Umgang konterkarieren. Nun genießen gerade junge Menschen zumindest für geraume Zeit das Privileg, über die Stränge schlagen zu dürfen, aber auch von ihnen wird spätestens mit dem Eintritt ins Berufsleben erwartet, dass sie den Knigge beherrschen.

Es gibt also keinen wirklich guten Grund, schlechte Manieren unreflektiert zu übernehmen, indem man sich dem „lockeren“ Stil, der im Internet vorherrscht, einfach anpasst. Im Gegenteil – gerade weil wir mehr Lebenserfahrung mitbringen, sollten wir auch mit gutem Beispiel voran gehen und neben guten Umgangsformen die wohl wichtigste Regel im Internet immer beherzigen:

Vergessen Sie niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!

20 Kommentare

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Niemand ist verpflichtet, einen Virus bei sich aufzunehmen oder ihm Zugang zu allen Dateien zu verschaffen.
Eine Reise, die Sie im Internet gebucht haben, müssen Sie auch im Internet antreten.
Menschen, die auf der MS-DOS Ebene arbeiten, stehen unter dem besonderen Schutz des Gesetzgebers und dürfen auf keinen Fall ohne ihren Willen digitalisiert werden.
Heiratsversprechen sind ohne Sicherungskopie ungültig.
Passwörter sollten immer wohlklingend sein. Entscheiden Sie sich niemals für Worte wie Gonorrhö, Ueltje, Erbswurst, Bill Gates, Urinal oder Edelgard Buhlmann, wählen Sie stattdessen Worte wie Orinoko, Safran oder Vanessa.
Angehängte Dateien müssen vorschriftsmäßig beleuchtet sein.
Vorsicht beim Herunterladen kostenloser Bilder von unbekleideten Elefanten, Nashörnern oder Pottwalen.
Klicken Sie niemals auf etwas, was Ihnen nicht vorgestellt wurde.
Sonntags und nach 20.00 Uhr keine lauten Websites herunterladen.
Draußen im Cyberspace gibt es nur Kännchen.
  • 21.06.2014, 22:41 Uhr
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Präambel
Alle Menschen genießen die gleichen Rechte, ohne Ansehen ihrer Konfiguration, ihres Speicherplatzes oder ihrer Softwareversion.

Verlassen Sie das Internet immer so, wie Sie es vorzufinden wünschen.

Der Herr hält der Dame die Webseite auf und hilft ihr in die angehängte Datei.
Besucht der Herr eine Dame, die er im Internet kennen gelernt hat, darf er sie auf die Maus küssen, allerdings nicht an die Festplatte fassen.

Besucht eine Dame einen Herrn, den sie im Internet kennen gelernt hat, sollte sie zuerst seine Speicherkapazität überprüfen.
Die Person mit dem älteren Prozessor darf dem Gegenüber das DU herunterladen.
Bevor Sie eine E-Mail abschicken, überprüfen Sie Ihren Wortschatz.
Was ist subsidär?
Nennen Sie ein anderes Wort für dampf gehärteten Leichtkalkbeton?
Eine E-Mail darf nicht mehr als 2000 Anschläge enthalten und darf sich nicht auf Terroranschläge beziehen.
Auf Verlangen ist der Platz vor dem Monitor für ältere und analoge Mitbürger freizumachen.
  • 21.06.2014, 22:40 Uhr
Das ist endlich mal ein Beitrag der mir gefällt. Eigenverantwortung nicht nur im eigenen Leben sondern auch im Umgang mit anderen. Auch wenn es digitalisiert wird. Gut ist, was dahinter steht.
  • 08.12.2014, 07:04 Uhr
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Hochmut kommt vor dem Fall, ob Siezen oder Duzen. Respekt erfordert es Allemal
  • 21.06.2014, 21:39 Uhr
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Es ist schon leichter zu sagen :
DU " Armleuchter " als SIE Armleuchter.
Dennoch sollte die Form gewahrt bleiben ....
  • 21.06.2014, 21:31 Uhr
Weil man sich beim " DU " mehr raus nimmt,
als beim " SIE " man ist vertrauter ....
Klar, wer Anstand hat, wird auch beim DU diesen wahren ...
  • 21.06.2014, 22:24 Uhr
Wen bitte hätte ich denn ansprechen sollen ??
Mit " man " ist keine bestimmte Person gemeint ...
  • 21.06.2014, 22:29 Uhr
Nein, nur der jenige, der sich angesprochen fühlt,
nach dem Motto : Getroffene Hunde bellen ....
  • 21.06.2014, 22:42 Uhr
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Wie ist das wieder möglich. Der Artikel soll von heute 15:42 Uhr sein, die Kommentare gibt es schon seit dem 11.06. ??

Wieder so eine Alibi Handlung. Wird der Artikel immer wieder neu reingesetzt ? Die, die das lesen sollten, von wegen Regeln und respektvoller Umgangston, die lesen das sowieso nicht, sondern wüten auf dem Schwarzen Brett und das sind ja meist nur die, über die Ihr Team so froh war, noch und noch diese neuen User reinzubekommen.
Jetzt schaut einmal, ob Ihr den Laden wieder in die richtige Bahn bringen könnt.
  • 21.06.2014, 21:26 Uhr
Christine Kammerer
Fürs Einstellen und Aktualisieren der Beiträge ist das Community Team zuständig, nicht die Autoren. Passiert aber eher selten, dass die Beiträge nochmal hochgeholt werden, z. B. wenn sie zu schnell zwischen anderen Themen untergegangen sind. Und das Thema bleibt halt immer aktuell.

Ich persönlich finde es auch etwas schade, dass die Beiträge oft so schnell im Nirwana abtauchen, aber es ist ziemlich schwierig, da eine vernünftige Lösung zu finden...
  • 23.06.2014, 13:54 Uhr
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DU?

In Facebook ist man stets per Du,
da kann man nun mal nichts dazu,
weil vom System es vorgegeben,
im virtuellen Freundesleben.

Gemeinhin üblich bei den Jungen,
ist das Duzen, ungezwungen,
doch wird man älter und versierter,
hätt' man's oft lieber distanzierter.

Ist man per Du, kann man es wagen,
sich jeden Unsinn anzutragen,
da greift auch kein Benimm-Gesetz,
man sieht's ja im sozialen Netz.

Im Tanzkreis wie im Turnverein,
auch meint man oft, das Du muss sein,
obwohl man sich privat kaum kennt,
nur z'ammen tanzt oder auch rennt.

Fraglich ist's im täglich' Leben,
ob's gut ist, wird das vorgegeben,
wen ich kaum kenn', will ich nicht duzen,
ich seh' nicht ein, was soll das nutzen.

Weil ich mir lieber selber wähle,
wen ich zu Freund, Bekanntem zähle,
da öfters schon, in früh'rer Zeit,
ich wen geduzt, und's dann bereut.

Und stell' Dir vor, ein Kreis per Du,
und Dein Direktor stößt dazu,
sagst Du dann "Du" zu diesem Herrn,
dem höchsten Boss von dem Konzern?
  • 15.06.2014, 21:53 Uhr
Fortsetzung, da der Platz nicht reichte:

So sollt' man im Sozialverhalten,
sich die Entscheidung vorbehalten,
wer ist mein Freund, wer ist Bekannter,
vorbestimmt ist nur Verwandter!

Udo Seibold, Januar 2011
  • 15.06.2014, 21:55 Uhr
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Im Wesentlichen besteht gutes Benehmen wohl in der Berücksichtigung von Höflichkeit, Rücksichtnahme und Ästhetik. Wer mit vollem Mund spricht oder sich am Tisch die Nase putzt und sich das Produkt seiner Bemühungen vielleicht auch noch betrachtet, verstößt gegen das ästhetische Empfinden der meisten Menschen. In Japan ist es zum Beispiel verpönt, sich am Tisch die Nase zu putzen, stattdessen verlässt man für solche Bedürfnisse den Raum.
  • 15.06.2014, 20:21 Uhr
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Duzen im Netz:
Das 'DU' täuscht eine Vertrautheit vor, die unter fremden Menschen in seniorbook gar nicht existiert. Wie das ausarten kann, sieht man beim Blick in den in diesem Netzwerk ablaufenden Chat. Mit facebook kann und sollte man seniorbook nicht vergleichen. Facebook stammt aus USA, wo es ein 'SIE' in unserem Sinne nicht gibt. Außerdem richtet sich facebook zunächst an die jungen Leute (der Altersdurchschnitt liegt laut Süddeutscher Zeitung vom 9./10. März 2013 zur Zeit bei 22 Jahren), bei denen das 'DU' zumindest in der ersten Zeit gang und gäbe ist. Seniorbook dagegen ist eine deutsche Schöpfung, richtet sich an die reiferen Leute (hier liegt die Mehrzahl der Nutzer bei 50 bis 75 Jahren, Auskunft vom sb-Betreiber Frieder Leipold am 15. März 2013) und so sollten auch unsere Benimmregeln gelten. Ich halte jedenfalls nichts davon, fremde Leute zu duzen, ob in der realen oder in der virtuellen Welt. Übrigens bleiben die Franzosen im Netz meist beim Sie (MM vom 11. Mai 2013).
  • 15.06.2014, 20:16 Uhr
ich habe keine probleme mit dem duzen. jedoch muss ich "ihnen" recht geben. das duzen reisst die natürliche distanz mit der wir fremden menschen begegnen nieder. höflichkeit, zurückhaltung, respekt oft gleichzeitig. das "du" suggeriert eine vertrautheit die noch nicht vorhanden ist.
  • 21.06.2014, 21:20 Uhr
Oh Herr Seibold, ich weiß nicht in welchen französischen Foren Sie sich bewegen, ich kenne etliche , in denen man sich sehr wohl duzt. Die Art des Umgangs ist so manigfaltig wie es Foren gibt. Die User stellen sich ihre Umgangsformen nach den Regeln der Netiquette zusammen und diese sind recht weit gefasst, so dass es immer Möglichkeiten der Interpretation gibt, ohne den anderen User zu überfordern.

Im Übrigen ist der "Knigge" ein "nice to know" und mehr nicht. Die hohe Kunst der Höflichkeit besteht darin die angemessene Regel bei der entsprechenden Gelegenheit zu finden. Dazu brauche ich keine festgeschrieben Regeln, die sich im Übrigen an die Zeit anpassen. Also, welcher "Knigge" gilt denn nun, der Ihre aus dem Jahre .... oder der des Nachbarn von heute oder möglicherweise meiner? Für mich gilt meiner.
  • 21.06.2014, 21:39 Uhr
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Danke auch, dass Sie in Ihrem Artikel auf den respektvollen Umgang miteinander als die wahre Hinterlassenschaft Knigges hingewiesen haben. Das ist in der Tat zeitlos.
  • 14.06.2014, 17:25 Uhr
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Ich finde es schwach und feige das Internet zum "verbalen Schlagabtausch"-
meistens auch noch einseitig zu nutzen.
Was ich im realen Leben sage (darf) gilt auch hier.
Umgangsformen gelten für jeden zivilisierten Menschen hier wie dort.
  • 12.06.2014, 09:39 Uhr
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