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Computer-Anfänge im Osten

Computer-Anfänge im Osten

Quintessenz Manufaktur für Chroniken
27.05.2016, 17:40 Uhr

BASIC on Paper (Wandtafel?)

Von Constanze Junker

In Westeuropa gab es Anfang der 80er Jahre längst Computer, sogar schon für den privaten Gebrauch. Wir im Osten hatten davon gehört, die Kommilitonen, die in ihren Heimatorten Westfernsehen schauen konnten, sogar schon welche gesehen.
Auch in der DDR wurde in diesen Jahren begonnen, diverse Unternehmungen für die Entwicklung solcher Gerätschaften in Angriff zu nehmen. Die sahen zuerst einmal so aus, dass bei Verfügbarkeit von Devisen planvoll Computer aus dem kapitalistischen Ausland, also der Bundesrepublik Deutschland, beschafft wurden. Immer wieder stand das Eintreffen einer solchen Zauber-Maschine kurz bevor…
Die Grundlagen der Digitalisierung und deren mögliche Anwendung zum Wohle der sozialistischen Volkswirtschaft hatten wir in der Zwischenzeit längst verinnerlichen dürfen. Einen Computer sahen wir nicht. Um bei dessen Ankunft gut gerüstet und einsatzbereit zu sein, wurde für das Sommersemester 1986 ein Computerkurs angesetzt: Programmieren mit BASIC. Als Dozent trat der Biostatistiker auf, der uns im Herbstsemester die Herstellung von Statistiken beizubringen versucht hatte. (Übrigens eine sehr nützliche Fähigkeit für spätere Aufgaben im wirklichen Leben…).
Große Freude also, als wir den Vorlesungsplan sahen – oh, der Computer muss da sein! (Es gab fünf Seminargruppen mit jeweils etwa 15 bis 20 Studenten, sechs Sektionsstandorte und Fachbereiche und einen ganzen Schwarm von Doktoren, Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern, nicht gezählt die Laborleute.) Erwartungsvoll betraten wir den Hörsaal, setzten uns auf die Bänke und sahen uns um. So etwas, das wie ein Computer aussah, war nicht zu entdecken, auch kein Karton oder Schranktisch. Vielleicht würde ja der Dozent den Rechner erst mitbringen, damit der immer unter seiner Aufsicht war und keiner von uns daran herumspielen konnte.
„Guten Tag meine Damen und Herren, öffnen Sie Ihre Horcher, zücken Sie Stifte und Blocks und schreiben Sie mit!“ Unter dem Arm trug der Mann nur einen Aktenordner, in gewohnt schneidigem Tonfall kommandierte Dr. S. seine Studenten und begann tatsächlich, irgendwelche Wortkombinationen mit Kreide an die Wandtafel zu schreiben. Er erklärte wortreich, was die Maschine machen würde, wenn man das und das per Tastatur eingeben und mit <ENTER> bestätigen würde. Auch das, was sie nicht tun würde und das, was sie im nächsten Schritt als Information benötigen würde, um irgendwann – ja, was eigentlich?
Silben, Klammern, Zeichen – wir beschrieben viele Blätter, immer mit dem diffusen Bild vor Augen, das alles automatisiert im Wechselspiel mit einer Maschine auf einem Bildschirm sehen zu können …
Die nächste Etappe, zwei Jahre später: endlich war ein Computer da! Ein Commodore 64, wenn ich nicht irre. Besser gesagt, dann hatte ich endlich Zugang zu dem Raum, in dem das Gerät aufgebaut war. Aber viel größer als vielleicht Freude über diese Sensation waren Unsicherheit und die Angst davor, etwas kaputt zu machen. Aber das ging schnell vorbei....

Weiter auf: http://blogq5.de/2016/05/27/computer...asic-paper/

Zum Bild: ADN-ZB Hiekel 8.5.89 Dresden: Erste Softwarebibliothek- An der Stadt- und Bezirksbibliothek Dresden wurde eine Softwarebibliothek eingerichtet, die in ihrer Art bisher einmalig in der DDR ist. Sie stellt zur öffentlichen Nutzung Software für Klein- und Heimcomputer bereit. Man kann sich dort mit der

7 Kommentare

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Als ich 1988 in einer kleinen Kreisstadt im Bezirk Magdeburg die Meisterschule besuchte, hatten wir bereits Computer.
Die Schüler (jeder) einen HC (Homecomputer), der von Kassette geladen wurde, der Lehrer einen PC, der schon von Diskette geladen wurde.
Da gab es wohl, wie bei allem, regionale Unterschiede.
  • 28.05.2016, 07:27 Uhr
  • 1
... vor allem gab es Unterschiede in Sachen Klassenstandpunkt - Meisterschule setzte Parteibuch voraus. Universität? Da war doch die Gefahr viel zu groß, irgendwelche Subkulturen weniger unter Kontrolle zu behalten ...
  • 29.05.2016, 11:59 Uhr
  • 0
Absoluter Unsinn, Lügen, die heute gern verbreitet werden.
Bei uns waren bei etwa 20 Teilnehmern genau 4 in der SED.
  • 29.05.2016, 13:16 Uhr
  • 0
Lügen? Das weise ich entschieden zurück - ich war auch da. Und: Glaube nur den Statistiken, die du selbst gefälscht hast ...
  • 29.05.2016, 13:25 Uhr
  • 0
Keine Statistiken. Persönliche Erfahrungen und zahlreiche Beispiele aus der Verwandtschaft und Freundes- und Bekanntenkreis.
  • 29.05.2016, 13:36 Uhr
  • 0
Quintessenz Manufaktur für Chroniken
Darf ich mich hier mal kurz dazwischen schalten lieber Herr wize.life-Nutzer? Verbale Abrüstung ist auch schön und wenn Sie bereits im ersten Post unterstellen, dass das "so-nicht-war" können Sie sich doch nicht im letzten Kommentar auf persönliche Erfahrungen aus Freundes, Familien- und Bekanntenkreis beziehen, ohne das auch wize.life-Nutzer und unserer Autorin ebenfalls auch zuzugestehen.
  • 29.05.2016, 15:44 Uhr
  • 0
Zum Thema Computer habe ich oben bereits angemerkt, dass es da durchaus regionale Unterschiede gegeben haben kann.
Also nicht widersprochen, sondern lediglich eine fälschliche Verallgemeinerung abgelehnt.
Zum Thema Parteibuch, wenn es eine Lüge ist, darf man diese auch so nennen. Zumal ich Selene damit nicht persönlich angesprochen habe, sondern diese Lüge als allgemeine propagandistische Falschdarstellung unserer heutigen Gesellschaft formuliert habe. Vielleicht hätte ich es deutlicher so formulieren sollen.
Zur Klärung dürft ihr gern eine Umfrage machen, wer in der DDR mit oder ohne Parteibuch studiert haben, bzw. ihren Meister gemacht haben.
Ihr werdet erstaunt sein, wie viele nicht in der SED waren!
Solche Aussagen wie, Ich durfte nicht, weil ich nicht in der Partei war, halte ich für unglaubwürdig, für vorgeschoben, wo es eigentlich andere Gründe gab. Dies kann man hier natürlich nicht nachweisen, da hierzu jeder Einzelfall zu prüfen wäre, mit der Darstellung beider Seiten.
  • 29.05.2016, 17:53 Uhr
  • 0
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