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Erkenntnisse der Evolutionsbiologie – bleibt da noch Platz für Glaube ?

Erkenntnisse der Evolutionsbiologie – bleibt da noch Platz für Glaube ?

17.05.2018, 14:42 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Kreationisten waren schon immer einfallsreich und legten sogar die Uhrzeit der Schöpfung fest. Der Altphilologe und Vizekanzler der Universität Cambridge John Lightfood behauptete um die Mitte des 17. Jahrhunderts, die Schöpfung habe am 17. September 3938 v. Christus eingesetzt und zwar genau um 9 Uhr am Morgen. (Wuketits, Seite 15).

Nur dumm, dass schon vor diesem Schöpfungsdatum in Oberägypten etwa um 4500 v. Christus die Badari-Kultur entstand, die schon eine Friedhofskultur entfaltete, in der den Toten wertvolle Gaben in die Gräber gelegt wurde, was auf einen Glauben nach dem Tod hinweist. Die Malereien in der Höhle von Lascaux haben dagegen ein schwindelerregendes Alter über 10 000 Jahre vor der Schöpfung lag. Das ist so, wenn man den Angaben von Lightfood Glauben schenkt. Von Lucy, einer Dame, die von dem Anthropologen Richard Leakey 1972 am Turkana See will ich lieber nicht reden. Wenn sie zwei Millionen Jahre alt ist, muss sie eine Außerirdische sein, die mit einer Zeitmaschine auf die Erde gelangte.

Für Kreationisten muss es erfreulich klingen, dass Darwin ein Theologiestudium abschloss und zu einem Geistlichen der Anglikanischen Kirche für würdig befunden wurde. Er lauschte aber auch naturwissenschaftlichen Vorlesung und nahm teil an botanischen und zoologischen Exkursionen. Die biblische Lehre der Schöpfung war damals für ihn noch eine Selbstverständlichkeit. Die fünfjährige Weltreise auf dem Forschungsschiff »Beagle« öffneten seine Augen für die Evolution, die auch von anderen Forschern vor ihm schon postuliert wurde. Seine Hauptwerk »Über die Entstehung der Arten« enthält neben naturwissenschaftlichen Inhalten auch theologisches. In diesem Werk werden allerdings Naturwissenschaft und religiöse Glaubensinhalte getrennt. Darwin widerlegte das klassische Design-Argument des Theologen William Paley, welche besagt, wenn eine gefundene Uhr auf einen Uhrmacher schließen lässt, muss ein Käfer auf einen intelligenten Käfermacher schließen. Die Erkenntnisse der Evolution belegen aber völlig anderes. Charles Darwins These über die Selektion, besagt, »dass von den vielen Nachkommen bevorzugt jede überleben, die besser als ihre Geschwister den Anforderungen des Lebens und der Umwelt gewachsen sind. Dadurch haben diese mehr Nachkommen als die weniger angepassten Geschwister.« (Nüsslein-Volhard, Seite 20). Es ist also kein Design eines Schöpfers notwendig, sondern die Evolution entwickelt sich durch einen Mechanismus weiter, bei dem sich selektiv die günstigsten Veränderungen durchsetzen. Diese Theorie ist durch Fossilfunde belegt. Nur ein Beispiel: Die Übergangsreihe zwischen dem Urpferd Eohippus und dem modernen Pferd Equus als die am vollständigsten beschriebene. Diese Theorie der Abstammungslehre ist im 20. Jahrhundert durch Erkenntnisse in der Molekularbiologie bestätigt wurden, denn die Struktur der Moleküle, die Genen, machen ebenso einen entwicklungsgeschichtlichen Wandel durch. (vgl. Ernst Mayr, Seite 56). Aufschlussreiche Belege für eine gemeinsame Abstammung lieferten bereits im 18. Jahrhunderts die vergleichende Anatomie. Die Anatomie verschiedener Tiere wurde verglichen und eine gemeinsame Verwandschaft hergestellt. Der schwedische Botaniker Carl von Linné galt als der bedeutendste Vertreter dieser Richtung und entwickelte das System der Binominalklassifikaltion.

Jede der verwandten Tiergruppen entstand nach Darwin aus den gemeinsamen Nachkommen eines Vorfahren. (vgl. Mayr, Seite 42 f). Der englische Biologe und Paläontologe Thomas Henry Huxley (1825–1895) rekonstruierte den noch flugunfähigen Vorfahren der Vögel und meinte, es müsse ich um ein Saurierrepttil handeln. Wenige Jahre später entdeckte man 1861 den Archaeopterix, der ein Bindeglied zwischen Sauriern und Vögeln darstellt. ( Mayr, Seite 45) Im 18. Jahrhundert erkannte man in den frühen Entwicklungsphasen eines menschlichen Embryos Ähnlichkeiten mit einem Hund, einer Kuh oder Maus, in noch einem früheren Stadium Ähnlichkeiten mit Reptilien, Amphibien und Fischen. (Mayr, Seite 47). Der Mediziner, Zoologe und Philosoph Ernst Haeckel zeichnete 1870 die Entwicklungsstadien eines Embryos auf und stellt sie im Vergleich mit sieben anderen Wirbeltierarten auf. Erkenntnisse aus den verschiedenen Bereichen der Biologie zeigen, dass die Prozesse, die in der Natur stattfinden, nur mit der Evolution erklärt werden können.

Nun ist es ein bevorzugtes Talent von Kreationisten, die Evolutionstheorie zu Verunglimpfungen und sie, auf Teufel komm raus, zu widerlegen. Ernsthaft wissenschaftlich widerlegt kann sie heutzutage von niemandem. Mögen sie sich weiter wund reden. Was ist das für ein liebender Gott, der die Vertreter der Schlupfwespen zu Mördern macht, in dem sie »über Eiablagen ihre Wirtsorganismen langsam auffressen und letztendlich töten?« (Kutschera, Seite 99)

Vielleicht gibt es einen Gott, der die Evolution angestoßen hat? Insofern könnte er den ersten Schöpfungsimpuls gesetzt haben. Darüber macht die Evolutionslehre keine Aussagen. Aber, wenn dann die Evolution in Gang gesetzt ist, was hat Gott dann noch zu tun?

Trotzdem glauben seit der Steinzeit Menschen an irgendetwas. An die große Mutter Erde, an einen Gott, an viele Götter, an keinen Gott und so weiter. Menschen, die regelmäßig religiöse Rituale ausüben, haben einen mehr Serotonin im Hirn. Dieser Neurotransmitter macht uns glücklich und zufrieden..
Dagegen zeigen Atheisten Merkmale von Psychopathen auf, weil sie nach einer Untersuchung weniger Empathie zeigen und weniger von moralischen Prinzipien geleitet scheinen. - So jetzt wissen wir es.

U.Kutschera: Tatsache Evolution, dtv, München, 2009
Ernst Mayr: Das ist Evolution, Bertelsmann-Verlag, München, 2003
Christiane Nüsslein-Volhard: Das Werden des Lebens, C.H. Beck, München, 2004
Franz M. Wuketits: Evolution, C.H. Beck, München, 2. Auflage 2005

10 Kommentare

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Als ob NUR Religionen diese Eigenschaften besäßen, einen Teil der Menschheit glücklich machen zu können! Das vermag Sport ebenso, wie Musik oder andere schöne Hobbies!

Außer dem Glauben an Götter gibt es ja auch noch andere falsche Überzeugungen und gefakte Realitäten! Die Menschen schaffen sich ihre verschiedenen Staaten und entwickeln ein Nationalitätsbewusstsein. Dabei sind das alles nur Fantasiegebilde. Vom Weltraum aus betrachtet gibt es kein Deutschland und kein Bayern.

Briefmarkensammler lieben ihr Hobby oft noch mehr, als Gläubige ihren Gott!

Religionen sind Opium für das Volk!
  • 22.05.2018, 15:40 Uhr
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Martin,

"Trotzdem glauben seit der Steinzeit Menschen an irgendetwas."

Das ist eine unbestreitbare Tatsache. Aber warum?

"Mehr Serotonin im Hirn" ist für mich keine befriedigende Erklärung. Mindestens möchte ich wissen, warum Gläubige mehr Serotonin im Hirn haben. Oder sollte das einfach purer Zufall sein? Irgendein Fehler der Evolution, wie Homosexualität? Ist es soo einfach?
  • 17.05.2018, 23:29 Uhr
Wenn man zu wenige Serotonin im Gehirn hat, ist man depressiv. Religion macht Menschen offenbar zufrieden, weil sie durch Religion einen größeren Lebenssinn erfahren. Das sich das emotionale Empfinden irgendwie im Gehirn wiederspiegelt, ist verständlich. Wenn Menschen regelmäßig meditieren, macht sich das auch im Gehirn bemerkbar.
http://www.deutschlandfunk.de/religi...e_id=316239

Interessant ist aber auch, dass ein Mensch auch ohne Religion moralisches Empfinden haben kann.
https://www.dasgehirn.info/en/node/1470

Dann ist es auch logisch, dass man bei Psychopathen, also Menschen, die kaum oder gar nicht Empathie empfinden, das im Gehirn auch irgendwie "sieht".
  • 18.05.2018, 09:00 Uhr
Interessanter Aspekt!
  • 18.05.2018, 09:03 Uhr
Martin,

"Interessant ist aber auch, dass ein Mensch auch ohne Religion moralisches Empfinden haben kann."

So etwas kann nur ein Gläubiger schreiben.

Selbstverständlich haben Menschen - ganz unabhängig von Religion - ein moralisches Empfinden!

Durch Religion wird dieses Empfinden leider öfter pervertiert, indem Andersgläubige stigmatisiert, ausgegrenzt und attackiert werden. Ein Grund, Religiosität mit Misstrauen zu betrachten.
  • 18.05.2018, 16:36 Uhr
Kann denn ein Gläubiger vorbehaltlos über Evolutionsbiologie schreiben?
  • 19.05.2018, 11:12 Uhr
Martin,
Das kommt darauf an, an was er glaubt... Und wie ernst er seinen Glauben nimmt. Und wie genau er seinen Glauben hinterfragt hat.
  • 22.05.2018, 11:54 Uhr
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Ach Martin, hast du nicht gewusst, dass der Satan die Fossilien verbuddelt hat, um den Menschen in die Irre zu führen
  • 17.05.2018, 20:43 Uhr
Richtig, Heidi.
Das hab ich auch schon gelesen. Aber wir brauchen den Satan gar nicht zu bemühen.
Warum sollte ein Gott - allmächtig wie er nunmal ist - es nicht fertigbringen, Höhlenmalereien zu erschaffen, die schon ein paar tausend Jahre alt sind?
Für einen Gott ist sowas ein Kinderspiel.
  • 17.05.2018, 23:25 Uhr
Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
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