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Alles Humbug. Schade - Verschwörungstheorien

Alles Humbug. Schade - Verschwörungstheorien

09.08.2018, 17:40 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Gedanken sind frei, / wer kann sie erraten, / sie fliehen vorbei / wie nächtliche Schatten. / Kein Mensch kann sie wissen, / kein Jäger erschießen, / es bleibet dabei: /die Gedanken sind frei.

Menschen glauben an alles mögliche und das dürfen sie auch, selbst dann, wenn sich ihr Glaube als Unsinn erwiesen hat, weil er von der Wissenschaft widerlegt wird. Verschwörungstheoretiker glauben aber auch dann noch unverbittert weiter, weil sie es zu wissen glauben, was ich nicht weiß. So wird es heute noch Menschen geben, die wissen, dass Hitler lebt, obwohl er inzwischen das Alter eines Moses weithin überschritten haben dürfte. Für das Guinness-Buch der Rekorde hat es leider nicht gereicht. Jesus steht dort auch nicht drin, obwohl ich manchmal lesen kann, er lebt, obwohl er, wenn wir Tacitus glauben wollen, unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus gekreuzigt wurde. Hitler sei angeblich nach Argentinien geflohen, oder, was mir persönlich besser gefallen hätte, auf die Rückseite des Mondes. In Moskau untersuchten Wissenschaftler Hitlers Schädel. Der Diktator ist demnach1945 endgültig gestorben. Völlig wurscht, was man nun glaubt oder nicht.

Nun kann aber immer noch behauptet werden, es gäbe Ufos und das muss noch nicht einmal eine Verschwörungstheorie sein. Es wird aber eine, wenn Ufo-Verschwörungstheoretiker behaupten, John F. Kennedy wurde erschossen, weil er die Welt über Außerirdische aufklären wollte. Seit dem Ufoabsturz 1947 in Roswell arbeiten die von da draußen nämlich schon mit der US-Regierung zusammen, um irgendwelchen üblen Machenschaften nachzugehen. Wahrscheinlich wissen es nur ausgewählte Alienexperten, dass Kennedy am 22. November 1963 eine Rede halten wollte, in dem er die Bürger aufklären wollte, dass wir nicht allein in dieser Welt sind. Es kam nicht dazu, denn er amerikanische Präsident wurde von der Alien-Schattenregierung umgebracht der Mord wurde Lee Harvey Oswald in die Schuhe geschoben.
geschoben.

»Die Nationalsozialisten haben ihren Weg zur Macht mit Verschwörungstheorien gepflastert«, schreibt der Zürich er Historiker Philipp Sarasin. Totalitäre Systeme sind dafür anfällig, ihre Macht durch Aufdeckung angeblicher Verschwörungen festigen. Ein aktuelles Beispiel ist Recep Tayyip Erdoğan‘s Schuldzuweisung des Putschversuchs vom Juli 2016 an seinen politischen Feind Fethullah Gülen.

Schon in der frühen Neuzeit, in den Zeiten der Pestepidemien, wurden Juden Gegenstand von Verschwörungstheorien, sie hätten die Brunnen vergiftet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie für eine Weltverschwörung verantwortlich gemacht. Rassistische Pamphlete waren im Umlauf. Einer der Schreiberlinge schrieb »kaufmännischen Pöbelherrschaft, ...die von unten herauf die Gesellschaft zerfrißt und zersetzt (Wilhelm Marr in Wolfgang Benz, Die Feinde aus dem Morgenland. Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet. Beck, München 2010, E.Book, Pos.368 f).

»Verschwörungstheorien treten gehäuft in historischen Situationen auf, in denen das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems schwindet oder überhaupt Weltbilder und gesellschaftliche Ordnungen ins Wanken geraten«, sagt Philipp Sarasin .

Nach 9/11 war die Welt plötzlich eine andere.
Dieses Ereignis löste diverse Verschwörungstheorien aus. Eine hartnäckige Theorie besagt, die Twin Towers seien kontrolliert gesprengt worden, eine andere besagt, die US Regierung habe den Anschlag selbst in Auftrag gegeben, um eine Legitimation für Invasionskriege im Nahen Osten zu bekommen. Fotos von George W. Bushs persönlichen Fotografen Eric Draper vermitteln allerdings ganz andere Eindrücke. Einen bestürzten Präsidenten.

Wichtige Merkmale einer Verschwörungstheorie
(einiges zusammengefasst aus „Nichts ist, wie es scheint“ von Michael Butter, Suhrkamp, 2018, der Autor ist Professor für Amerikanistik an der Universität Tübingen).

Die Verschwörer, das ist eine Gruppe, die im Geheimen operiert. Es sind niedere Beweggründe, die eine Institution, ein Land oder gleich die ganze Welt kontrolliert oder zerstört. Verschwörungstheorien gehen davon aus, dass geschichtliche Abläufe über eine längere Zeit geplant und kontrollierbar sind. Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun spricht von drei Grundannahmen, die für das Erscheinungsbild einer Verschwörungstheorie entscheidend sind:
1.) Nichts geschieht durch Zufall
2.) Nichts ist, wie es scheint
3.) Alles ist miteinander verbunden

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am 31. August 2015 »Wir schaffen das« verkündete, erschien auf der rechtspopulistischen Plattform Compact ein Aufsatz von der ehemaligen Tagesschausprecherin Eva Herman zur damals aktuellen Flüchtlingskrise, der alle wesentlichen Merkmale einer Verschwörungstheorie enthielt (der Artikel erschien auch auch auf der rechtsorientierten Seite von Wissensmanufaktur).
Demnach sei die Einwanderung der Flüchtlingskrise geplant. Der Feind, so Herman, wirke im Verborgenen und arbeite an unbekannten Nahtstellen. Wer aber der Feind ist, bleibt unbekannt. Herman schreibt nur von einer bestimmten Gruppe von Machtmenschen des globalen Finanzsystems. Die Waffen der Verschwörer sind die Migranten, das Kriegsgebiet ist Europa. Diese Fluchtbewegung wurde angeblich von langer Hand vorbereitet. So seien es amerikanische Organisatoren, sagt Hermann, die Schlepper-und Schleuserbanden finanzieren und vor allem die USA habe die Kriege im Nahen Osten angezettelt, die überhaupt zur Flüchtlingskrise geführt haben. Die Autorin bewegt sich voll und ganz in verschwörungstheoretischer Manie, wenn sie behauptet, der Aufstieg des sog. Islamischen Staates und die katastrophale Situation in Syrien sei vom Westen das eigentliche Ziel gewesen. Hier wird wieder der Versuch unternommen, aufzuzeigen, dass Geschichte planmäßig und kontrollierbar ist, denn es ist ja alles miteinander verbunden und eine Gruppe von Verschwörern hantiert mit Marionetten, um die ganze Welt zu beherrschen. In rechtsextremen Kreisen ist diese Verschwörungstheorie sehr beliebt, weil sie unsere komplizierte Welt vereinfacht in Gut und Böse aufteilt. Offenbar finden sie in dieser Vereinfachung etwas, was ihnen Halt und Orientierung gibt. Wie im Fantasy-Roman: Der Kampf des Guten gegen das Böse.

Doch ganz so einfach ist es nicht.

So zeigt allein schon die Watergate-Affäre, dass Verschwörungstheorie mit der Realität kompatibel sind. Der mächtigste Mann der Welt, also der amerikanische Präsident, kann nicht einmal seinen politischen Gegner in dessen Parteizentrale ausspionieren, ohne das jemand etwas mitbekommt, weswegen er schließlich zurücktreten muss. Aber dann soll er doch so genial sein, um die Mondlandung, 9/11 oder die Flüchtlingskrise zu inszenieren und dieses auch noch jahrzehnte lang geheim halten, falls ihm diese Jahrzehnte Lebenszeit vergönnt sind. Also, Donald Trump traue sich so etwas nicht zu. Er wäre ein Supertrumpf.

3 Kommentare

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Doch ganz so einfach ist es wirklich nicht.
  • 09.08.2018, 17:59 Uhr
Die wenigstens Verschwörungstheorien bewahrheiten sich. Ich würde sogar sagen, die allerwenigsten oder kaum eine. 1984 ist ein hellseherischer Roman wie auch "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley.
  • 09.08.2018, 18:34 Uhr
Und ich dachte immer die Erde sei eine Scheibe und wir werden alle von Reptiloiden beherrscht.
  • 09.08.2018, 23:02 Uhr
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