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Winterschäden: Alles kaputt

Winterschäden: Alles kaputt

Gerd Spiegel
07.03.2012, 21:43 Uhr
Beitrag von Gerd Spiegel

Deprimiert blickt Hobbygärtner Rainer Engel aus Offenburg auf die braunen Blätter in seinen Händen. Er schließt die Hand zur Faust - die Blätter zerfallen knisternd in kleine Schnipsel. „Der Kirschlorbeer ist wohl nicht mehr zu retten", stellt Engel schulterzuckend fest und zeigt auf die Einfriedung seines Gartengrundstücks: Auf ganzer Front, immerhin zehn Meter lang, ist nichts mehr grün. Kirschlorbeer, woraus die Hecke besteht, gilt eigentlich als frosthart, wie es im gärtnerischen Sprachgebrauch heißt. Bis zehn oder 15 Grad unter Null bleiben diese Immergrünen auch immer grün.

Aber die Minustemperaturen fielen im Februar nicht nur für den Kirschlorbeer zu krass in den Keller. Besonders gelitten haben auch Bambus, Mahonie, Liguster und etliche andere Gehölze, deren Blätterkleid die üblichen Wintertemperaturen nichts antun können. Dieses Jahr trafen unglückliche Umstände aufeinander: nahezu warme Wochen im Dezember und Januar, weshalb die Pflanzen sich mit einsetzendem Saftfluss schon in Richtung Frühling orientierten. Dann der brutale Frosteinfall! Extreme Temperaturkapriolen führen unweigerlich dazu, dass Zellwasser gefriert und Zellwände zerreißen.

Geduldig abwarten
Aber auch Trockenschäden spielen eine verheerende Rolle. Bei wochenlang durchgefrorenem Boden können Gehölze kein Wasser über die Wurzeln aufnehmen, es kommt zur so genannten Frosttrocknis mit den gleichen Auswirkungen wie bei den oberirdischen Kahlfrösten.

Für Rainer Engel und andere Gartenfreunde stellt sich die Frage, wie mit den geschädigten Pflanzen zu verfahren ist. Wer jetzt zur Schere greift und die Gehölze rigoros zurückschneidet oder gar rodet, verspielt die Chance, dass sie sich vielleicht doch noch erholen. Ob Leben in der Pflanze ist, lässt sich feststellen, indem man mit dem Daumennagel ein wenig Rinde abkratzt. Wird darunter grünes Gewebe sichtbar, besteht Hoffnung.

Der Expertenrat heißt deshalb: Erst mal abwarten und bei frostfreiem Boden alle Pflanzen durchdringend wässern. Grüne Partien in Südrichtung mit Vlies oder Jute gegen starke Sonneneinstrahlung schützen, solange Frostgefahr besteht. Erst im „richtigen" Frühling, wenn die Pflanzen ausschlagen, zeigen sich die wahren Schäden. Es kann durchaus sein, dass genügend vitales Material für den Austrieb übrig geblieben ist. Was tot bleibt, ist wirklich erfroren und kann gezielt ausgeschnitten werden. Gezielte Düngung unterstützt den Pflanzen-Neuaufbau.

Im nächsten Winter nicht vergessen
Aus den verheerenden Schäden 2012 sind natürlich Schlussfolgerungen zu ziehen. Viele Gartenfreunde vertrauten in den letzten Jahren auf milde Winter und unterließen die sonst in Mitteleuropa üblichen Schutzmassnahmen. Sie sollten routinemäßig wieder


•     Rosen mindestens zehn Zentimeter dick mit Erde und Laub abdecken
•     Empfindliche Schmuckstauden ebenfalls bedecken
•     Gehölze an frostfreien Tagen gießen - notfalls mit lauwarmem Wasser
•     Herbstlaub dick unter Hecken verteilen 
•     Südliche Heckenpartien mit Vlies etc. vor starker Wintersonne schützen
•     Kübelpflanzen auf Styropor stellen und mit Dämm-Material umhüllen

Foto: Mahonie mit Frostschäden

Was hat der Winter in Ihrem Garten angerichtet? Welche Pflanzen wurden am meisten geschädigt? Womit schützen Sie Ihre Pflanzen im Winter? Schreiben Sie an seniorbook.de

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1 Kommentar

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"Totalschäden" gab es an hauptsächlich an Rosen, vor allem überstand kein einziges Rosenstämmchen den Winter. Einige Strauchrosen trieben dann glücklicherweise noch neu aus und haben inzwischen wieder eine Höhe von etwa 40-50 cm erreicht.Ich muss aber auch gestehen, dass ich den Winterschutz in den letzten Jahren sehr vernachlässigt habe. Seltsam nur, dass einige Rosen, z.B. eine riesige (etwa 3 m hohe und 4 m breite) Constance Spry auch ohne Winterschutz die Kälte unbeschadet überstanden haben. Der Kirschlorbeer hat sich wieder bestens erholt und die braunen Blätter werden inzwischen vom Neuaustrieb überdeckt.Schade nur, dass der Giersch sich von den ungünstigen Temperaturverhältnissen nicht im geringsten beeindrucken ließ.
  • 05.06.2012, 00:02 Uhr
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