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Nofretete - eine Kulturrevolution im alten Ägypten

Nofretete - eine Kulturrevolution im alten Ägypten

Volker Barth
01.05.2014, 11:44 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Das UNESCO-Weltkulturerbe, die Berliner Museumsinsel mit dem Neuen Museum und dem Ägyptischen Museum plus der Papyrussammlung hat eine ganz prominente „Sehenswürdigkeit“, die ägyptische Königin Nofretete. Sie ist eine farbige Büste aus Kalkstein und Gips, die vor etwas mehr als 100 Jahren, am 6. Dezember 1912, in Oberägypten ausgegraben wurde.

Diese Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft fanden unter Leitung des Architekten und Ägyptologen Ludwig Borchardt von 1370 bis 1330 in Tell el-Amarna im Haus P 47,2 statt. Es war die Werkstatt des damals sehr bedeutenden Bildhauers Thutmosis und ihm diente die Nofretete-Büste als Modell für viele weitere Nachbildungen. Bis heute existieren noch etwa zehn „Köpfe“ aus verschiedenen Materialien .

Nofretete ist eine der schönsten Frauen der Welt

Diese 50 Zentimeter hohe Statue gehört neben der Mona Lisa, der Venus von Milo und der Cleopatra zu den berühmtesten Frauen der Welt, die ja fast jeder kennt. Sie ist ein sehr kostbare Schatz aus einer kunsthistorisch überaus spannenden ägyptischen Epoche, der Amarna-Zeit, in die auch die Regierungszeit von Pharao Echnaton (18. Dynastie, Neues Reich) von 1353 bis 1336 v. Chr. fiel.

Nofretete war die Hauptgemahlin, auch „Große königliche Gemahlin“ genannt, des Pharao Echnaton (Amenophis IV.) und sie lebte von 1370 bis 1330 n. Chr. Ihre Büste zieht heute jährlich mehr als eine Million Berlin-Besucher in ihren Bann.

Nofretete und Echnaton waren das erste Königspaar, das sein Privatleben in aller Öffentlichkeit abbilden ließ, dokumentiert in zahlreichen Familien-Reliefs. Die Königsfamilie (mit sechs Töchtern) wird stets im Strahlen-Schutz der Sonnenscheibe des Aton dargestellt.

Die Kulturrevolution beginnt

Nach dem vierten Regierungsjahr Amenophis IV. kommt es zum Bruch mit der alten Amun-Religion. Er erhob den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe zum Gott über alle Götter Ägyptens und weihte ihm seine neue Hauptstadt Achet-Aton. Einen neuen Thronnamen „Echnaton“ nahm er an. Der Pharao setzte auf eine streng nach innen gerichtete Politik und reformierte die Kunst. Auch Nofretete erhält ihren Namenszusatz „Der Vollkommenste ist Aton“ und stellt ihre Persönlichkeit unter diesem neuen Aton-Kult. Zeitgleich wird in die neue Regierungsstadt „Achet-Aton“ umgezogen.br

Seit Nofretetes Büstenfund beschäftigte sich die Ägyptologie intensiv auch mit ihrem Ehegatten „Echnaton“. Er gilt als Revolutionär, sogar als „Ketzerpharao“ und Schöpfer einer monoatheistischen Religion, einer neuen Hauptstadt und war auch Erneuerer von Sprache, Kunst und Lebensphilosophie.

Wenn die Historiker auf das Reich von Tell Amarna blicken, so sind sie euphorisch und geneigt darin eine total heitere Welt voller Sonnenschein zu sehen. Ein junges Königspaar mit niedlichen Töchtern, eine glänzende Stadt mit heiteren Tempeln, mit Palästen und Villen, mit Gärten und Teichen, und das ganze überstrahlt von einem fröhlichen Sonnen-Glauben.

Der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchardt bezeichnet die Skulptur „Nofretete“ als Vollendung und als „eine Aura des Friedens“, ebenfalls ist sie der „Inbegriff von Ruhe und Ebenmaß“. Thomas Mann, der deutsche Literatur-Nobelpreisträger sprach von der „ängstlichen Lieblichkeit“.

Die Faszination der Berliner Nofretete-Büste

Die Königin Nofretete wirkt durch ihre Anmut streng und unnahbar. Sie gilt als zeitlose Schönheit. Ihre Gesichtszüge sind von exquisiter Form und Feinheit mit einer Präsenz von Sanftheit, auch mit einem Hauch Traurigkeit. Trotz Ausstrahlung von Stärke umgibt sie das „Geheimnis ihrer wahren Persönlichkeit“.

Das Antlitz erscheint majestätisch und streng. Ihre Nase bildet eine klare Linie, ihre Haut ist hell und frisch, aber leider ist nur ihr rechtes Auge in Ordnung. Der lange schmale anmutige Hals „trägt“ ein edles Haupt mit einer sehr kompaktwirkenden „schweren?“ Krone - ist diese aus leichtem Leder oder sogar Metall?

In einem vollkommenden Ebenmaß präsentieren sich zwei gleichmäßige Gesichtshälften. Die Augen sind groß und mandelförmig, eingerahmt mit einem schwarzen massiven Strich (Kajal-Strich) und breitgeschwungene Augenbrauen. Hohe Wangenknochen betonen ein markantes Gesicht, so machen es auch die kleinen feinen Ohren. Ebenmäßige Lippen, weder schmal noch voll, sind wie frischgeschminkt und ein ganz leichter Hauch von Lächeln umspielt ihre Mundwinkel.

Nofretetes Haare sind unter der „Krone“ verborgen. Aus einem goldenen Stirnband „wächst“ ein trapezförmiger dunkelblauer zylindrischer Körper, in dessen Mitte sich eine Uräus-Schlange mit aufgerichtetem Kopf (ein Symbol der Könige) befand und die leider abbrach. Ein buntes kostbares Schmuckband betont die Waagerechte der sogenannten „Helmkrone“. Ein dezentes und spärliches Dekollete mit einem prachtvollen farbigen und ornamentreichen Gewand schließen die Büste ab.

Nofretete ist über 3500 Jahre alt

Es ist schon ein Wunder und ein großes Kulturglück, dass diese bezaubernde altägyptische Büste „Nofretete“ über 3500 Jahre lang, von der Kulturrevolution bis zum heutigen Touristen-Boom, alles so prächtig „überlebt“ hat.

Links

(Amarna-Zeit)
http://de.wikipedia.org/wiki/Amarna-Zeit

(Echnaton - Amenophis IV.)
http://www.judithmathes.de/aegypten/...chnaton.htm

(Nofretete - Ägyptisches Museum)
http://www.aegyptisches-museum-berli....de/c53.php

(Thutmosis - Bildhauer)
http://de.wikipedia.org/wiki/Thutmosis_(Bildhauer)

(Neues Museum, Berlin)
http://www.neues-museum.de/

6 Kommentare

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Teil 2: Waltari sieht (fiktional) die Rolle der schönen Nofrete zwiegespalten. In den friedlichen ersten Regierungsjahren wird sie als liebende Gattin u Mutter dargestellt. Am Schluss verlässt sie ihren Mann, um sich u die Kinder zu retten u wirft sich sogar Haremhab - dem ärgsten Widersacher des Pharaos - an den Hals. Von daher beschleicht mich beim Betrachten ihrer Büste immer der Eindruck, nicht nur eine hübsche, sondern ebenfalls kluge u skrupellose Frau vor mir zu sehen. Dass die Kunst - dank Sinuhes saufendem Kumpel Thutmosis - in der Amarna-Zeit einen Quantensprung machte, ist unbestreitbar. Endlich "lebendige" Statuen u Zeichnungen. Wenngleich diese künstlerische Epoche nicht lange anhielt u die Ramessiden zur alten Monumentalplastik zurückkehrten. Nofretete war sicherlich eine Schönheit. Ob ich sie als Freundin haben möchte, ist ein anderes Thema.
  • 03.11.2013, 22:58 Uhr
Volker Barth
Danke für die reichhaltigen Kommentare für Teil 1 und 2
  • 04.11.2013, 01:36 Uhr
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Teil 1: "Sinuhe der Ägypter" von Mika Waltari ist (neben "Pharao" von Prus) sicher der beste Roman, der jemals über das alte Ägypten geschrieben wurde. Hier wird die kurze Amarna-Epoche jedoch nicht glorifiziert, sondern in all ihrer Tragik geschildert. Ein religiös verblendeter Herrscher, der seinem Volk zu schnell zu viel abverlangte. Nämlich den sofortigen Verzicht auf das Jahrtausende alte, riesige Götter-Pantheon. Echnatons Politik funktionierte weder nach innen, denn hier kam es zu Hungersnöten u zahlreichen Revolten. Nach außen versagte er gegenüber Hethitern u Nubiern vollständig. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, bis sich Adel u Generalität von ihm abwandten u sich mit der im Untergrund agierenden Amun-Priesterschaft verbündeten. Das grausame Finale des religiösen Experiments war eingeläutet. Echnaton besaß am Ende keinen Freund mehr außer seinem Leibarzt Sinuhe, den er dazu aufforderte, ihm den Giftbecher zu reichen.
  • 03.11.2013, 22:47 Uhr
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Vielen Dank für diesen Beitrag. Sehr lesenswert, ich interessiere mich für dieses Thema seit ich Sinuhe der Ägypter vor kurzem gelesen habe, in diesem Buch erfährt man schon sehr viel über die Protagonisten dieser Zeit (Aton) ..ich habe die Nofretete auch vor vielen Jahren in Charlottenburg gesehen. Sobald es die Umstände wieder zulassen, werde ich nach Kairo fliegen.

Herzliche Grüße
Gisela Knapp
  • 01.10.2013, 13:28 Uhr
Volker Barth
Danke, aber das Buch habe ich in der Jugend gelesen ...
  • 02.05.2014, 17:57 Uhr
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Nofretete habe ich mal in den 70igern besucht in Berlin in Schloß Charlottenburg, kann das sein. Da war sie doch bevor sie in die Museumsinsel kam.... Lg von Maja
  • 01.10.2013, 12:20 Uhr
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