"Die Anstalt" mit neuen Chefs: Max Uthoff (li.) und Claus von Wagner.
"Die Anstalt" mit neuen Chefs: Max Uthoff (li.) und Claus von Wagner.Foto-Quelle: © ZDF/Jürgen Nobel

'Die Anstalt' unter neuer Leitung: Harte Arbeit an der ZDF-Satire

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Es sieht ganz so aus, als wollten sie in der 'Anstalt' nicht mehr in erster Linie komisch sein, sondern vor allem (ge)wichtig. In der Sendung attackieren sie frontal die Deutsche Bank, sie zeigen gar deutliche Sympathien für Positionen der Linkspartei, als wollten sie die leitenden Herrschaften beim ZDF mal so richtig ärgern. Doch in der 'Anstalt' spielen sie auch schon die Illusion mit, die sich darin verbirgt.

Sie, das sind Max Uthoff und Claus von Wagner, die jetzt von Urban Priol und Frank-Markus Barwasser (Pelzig) die 'Anstalt' übernommen haben. Die Sendung heißt nicht mehr 'Neues aus der Anstalt', sondern schlichtweg 'Die Anstalt' und hatte nun ihre Premiere.

Die prominente Leitfigur fehlt

Ersichtlich fahrig und hektisch strampelt man sich in der 'Anstalt' ab, um den mangelnden Bekanntheitsgrad wettzumachen. Was der Sendung leider fehlt, ist eine wirklich prominente und zugkräftige Leitfigur. Max Uthoff und Claus von Wagner kokettieren mit der mutmaßlich durchschlagenden Wirkungslosigkeit von Kabarett, erklären 'Die Anstalt' aber vollmundig für 'besetzt', rufen ironisch eine 'Revolution' aus und träumen nicht nur insgeheim davon, dass das ZDF ihnen 'den Saft abdreht'. Der 'Anstalt' wird man aber nicht gleich den Saft abdrehen, dazu besteht vorerst denn doch wenig Anlass.

Thematisch ist 'Die Anstalt' noch etwas wahllos gesteuert

Sicherlich. Man arbeitet sich in der 'Anstalt' nicht mehr so sehr parodierend an einzelnen Figuren des Politikbetriebs ab, wie es Urban Priol kräftezehrend vollführt hat. Doch so mancher personalisierende Kalauer (Gauck als 'moralische Knautschzone' usw.) rutscht in der Sendung auch jetzt noch durch. Sei’s drum.

Sicherlich. In der 'Anstalt' ist schäumende Wut über so manche Verhältnisse (Fernsehprogramm-Elend, Schwulen-Diskriminierung, irrwitzige Banken-Macht, unbarmherziger Umgang mit Flüchtlingen) spürbar. Doch das wirkt zum Auftakt thematisch noch etwas wahllos gestreut, ja mitunter geradezu diffus – und gelegentlich auch flau und undifferenziert.

Sicherlich. Da gibt es den einen oder anderen erhellenden, aufklärerischen Moment. Doch vieles kommt noch herzlich unkomisch und somit flügellahm daher. Der depressive Gestus von Nico Semsrott und der dampfende Zorn von Matthias Egersdörfer setzen immerhin gegenläufige Akzente mit etwas Kontur. Simone Solga steht freilich ein wenig hilflos dazwischen.

'Die Anstalt' kann sich noch entwickeln, wenn man nach und nach die richtigen Mitstreiter an Land zieht und für die Sendung einen wirklich eigenen Stil entwickelt. Wahrlich keine leichte Aufgabe für Max Uthoff und Claus von Wagner, diese Kärrnerarbeit an der ZDF-Satire …

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