Der Umzug
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Der Umzug

Beitrag von wize.life-Nutzer

Na endlich sind wia Jottseidank mit Ach und Krach hier anjelangt in unsre neue Wohnung.
Det war ein dollet Ziehen müssen mit Kummer und mit Hindernissen.
Doch schuld daran war nur mein Mann, wat ick ihm nie verzeihen kann.
Schon Wochen vorher det Jeplacke, det In- und wieder Ausjepacke, wat allet mir alleen zukam.
Denn mein Herr Jatte nun der nahm , ein Mann wie eben alle Männer, een Arbeitsfeind, weil Arbeitskenner, sich niemals einer Sache an.
Erst als der Umzuch nun bejann, da hatter denn zu unserm Schaden die Sachen selber uffjeladen.
In seinem ewjen Schlaf und Dusel, ne Folge von dem ollen Fusel stellt er die Sachen schief und krumm, sie hingen bloss im Wagen rum.
Und als ick ängstlich zu ihm rief:“Du Mann, , da steht ja allet schief!“ da hatter
mir noch anjeranzt und mir ne dumme Jans jennant. Ick soll man nicht so ville schwätzen und mir schnell uffen Wagen setzen.
Und wie ick von de Deichselstange nach oben hin behende klimme, da ahnte ick schon allet Schlimme. Dat wackelte so hin und her, als ob uff hoher See ick wär.
Die Sache wurde nun noch doller, als mir denn jleich daruff mein Oller die Ampel und den Fritz ruffjab, damit ick wat zu halten hab.
Die Jöre schlug mit Mordsjestrampel bald mir, bald uffde Hängeampel. Und eh im Jange noch der Wagen, war och die Jlocke schon zerschlagen. Na, endlich jing die Fuhre los, doch ach een kleenet Stückchen bloss. Da schwankt det wie uff Meereswogen, mir schwindelte et vor die Oogen. Mir wars, als ob im Jondelkahn wir fuhren übern Ozean. Ick rufe hin zu meinem Alten, der soll doch schnell mal stille halten, der Krempel fängt zu rutschen an! Doch weil ers nich vastehen kann, so haut der dumme Kerl und Flegeln nich achtend, dass mit Kind und Kegel ick oben aufen Wagen sitze und schon vor Angst und Bange schwitze, erst recht uff seinen Schimmel ein, als müsste det man bloss so sein.
Da plötzlich wie im Handumdrehn, war och det Unjlück schon jeschehn. Mein Mann , der fuhr uff seine Weise direkt uffs Pferdebahnjeleise. --- Und da, inmitten det Be drängnis erreicht det Fuhrwerk det Verhängnis. Een kurzer Ruck, daruff een Krachen, und ick und meine janzen Sachen, mein Mann, det Kind, der janze Schramm. Wir lagen uffn Straßendamm. Ach Jotte doch, det jab en Knall , als wär jeplatzt der Erdenball. Mir tanzten vor de Oogen Funken, in Ohnmacht bin ick druff jesunken. Als ick aus der Betäubung Nacht denn endlich wieder uffjewacht, da wurde mir erst glücklich klar, wat eijentlich jeschehen war. Die Ampel war in tausend Stücke und ick fiel jrade mits Jenicke uff mein bemaltes Küchenspind. Und unter mir da lag mein Kind. ----Det arme Jör war janz zerschunden und blutete aus vielen Wunden und schrie janz jämmerlich und krähte, als ob es einer fressen täte.
Mein Mann, durch den det wat jeschehn, wat er ja nu och injesehn, der hat denn noch zu seinem Frommen sein jutes Teilchen abbekommen. Ihm war von unsern Sachen allen det Plättbrett uffn Kopp jefallen, und hinterher een schwerer Topp. Det war ja nu een bisschen jrob.
Doch det jeschah ihm recht, denn er--------war ja nun schuld an dem Mallör.
Da laach nun allet kurz und kleene, zerbrochner Stuhl und Schemmelbeene,
Betten, Tücher Sofakissen, allet hin und herjeschmissen.
Und dazwischen Blumentöppe, Kochjeschirr, zerbrochne Näppe, mittenmang diverse Schohsen, olle Hemden und Unterhosen. Zöppe ooch von meinen Haar. Wat mir sehr jenierlich war.
Nu stockte noch durch det Mallör der janze Pferdebahnverkehr. Und durch die jroße Wagenmenge entstand en furchtbares Jedränge. Und von woher der janze Haufen von Menschen bloss kam anjelaufen.??
Auch die verdammten Straßenrangen die schrien und jubelten und sprangen, wie doll herum uffmeine Sachen, uns wälzten sich beinah vor Lachen. Und trampelten uff meine Betten, als ob se nischt jekostet hätten.
Ein Weileken sah sich mein Mann det ruhich und jelassen an. Denn aber wards ihm doch zu viel . Er jriff nach einem Besenstiel und schlug damit voll Zorn und Wut uff die verdammte Straßenbrut. Da jabs ein Brüllen und ein Keifen, ein Durcheinanderschrein und Pfeifen, det schließlich von dem Lärme der Leute sich unser Schimmel ooch noch scheute. Det Tier det schlug voll Angst und Graus nach vorne und nach hinten aus, und wäre sicher durchjebrannt, hätt ick als Weib mir nich ermannt es festzuhalten an der Mähne. Bei sowatt hab ick Mut vor Zehne.
Nu endlich kam de Polizei zu unserm Jlück denn herbei, und hat vermöjens ihrer Kraft die Ordnung wieder herjeschafft. Dann jeng et aber druff und dran, ein jeder lechte Hand mit an, det blooss der janze Plunderkram erst wieder uffen Wagen kam.
Nachdem denn allet festjeschnürt, mein Mann vom Schutzmann uffnotiert, so kamen wir noch endlich dann in unsre neue Wohnung an.
Ick fühle überall noch Schmerzen und pfleg mit angsterfülltem Herzen mein armes Jör und seine Wunden. Mein Mann hat ooch den Kopf verbunden.
Und wir sind übereinjekommen und haben et uns vorjenommen, een Umzug findet nich mehr statt !! Denn wir sind jetzt det Ziehen satt.

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