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König Ludwig II. „ ... und nun ab nach Schloss Linderhof!“

König Ludwig II. „ ... und nun ab nach Schloss Linderhof!“

Volker Barth
20.02.2014, 16:27 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Ein beliebter Traum im „Winter“, aber auch diesjährig: Eine Pferde-Schlittenfahrt! Viele träumen davon, weil sie eben sooo romantisch ist. König Ludwig II. von Bayern machte schon damals, um 1885 (!), aus einem stimmungsvollen Romantik-Event eine sehr gefährliche Abenteuer-Fahrt.

Er „rauschte“ bei Mondlicht und dunkler Nacht einsam, ohne Zuschauer, durch die Ammergauer Alpen (Ammergebirge). Oftmals ging es von Schloss Hohenschwangau bzw. Neuschwanstein über den Säuling (Schützensteig) nach Schloss Linderhof oder umgekehrt. Diese gebirgige Strecke hat ungefähr eine Länge von sechzig Kilometern und wird bei einer durchschnittlichen, geschätzten, Pferde-Galopp-Geschwindigkeit, im Schnee, höchstens 15 km/h betragen - so ergibt sich etwa eine Reisezeit von sechs Stunden. Alles dies ist für die damalige Zeit (um 1880) fast unvorstellbar und deshalb dokumentierte P.J.R. Wenig diese einzigartige, dynamische Szene in einem grandiosen und inzwischen sehr bekannten Ölgemälde. Viele Filmregisseure sind speziell von diese Szene beeindruckt. Starregisseur Luchino Visconti z.B. celebrierte diese Schlitten-Passage ganz detailgenau in seinem grandiosen Ludwig II. Filmdrama. Die Filme „Krieg und Frieden (Regie: King Vidor)“ und „Doktor Schiwago (Regie: David Lean)“ zeigen eine Art „Petersburger Schlittenfahrt“ in romantischer Winterstimmung nach dem Muster des Salon- und Unterhaltungsmusikstückes und dem Wenig-Gemälde.

Ein königliches Motiv

Aber nun zu dem Gemälde: „Nächtliche Schlittenfahrt König Ludwig II. im Ammergebirge - R. Wenig um 1885“ (Textschild) im Marstallmuseum, Schloss Nymphenburg in München. Das Gemälde wurde in Öl auf Leinwand gemalt und hat ein Format von 80 mal 125 Zentimeter. (Übrigens, in Schloss Nymphenburg kann auch das Geburtszimmer von König Ludwig II. besichtigt werden.)

Von Burg Hohenschwangau nach Schloss Linderhof

König Ludwigs Schlittenfahrt begann voraussichtlich ab Schloss Hohenschwangau. Es ist eine von der Theaterkunst geprägte neugotische Burg mit Wandbildern, die Kronprinz Max (Vater von Ludwig II.) bestimmte. Sie illustrieren die Geschichte der Wittelsbacher, Welfen und Hohenstaufen von Karl dem Großen bis hin zum Schwanenritter Lohengrin (Ludwig II. verbrachte hier einen Teil seiner Jugend). Und daraus erwächst eben die Vorraussetzung zum Verständnis für die „überdimensionierten Baupläne von Ludwig II.“ - also ohne Hohenschwangau kein Neuschwanstein.

Ludwigs Schlittenziel war Schloss Linderhof, das sein ideales Königs- und Weltbild verwirklichte, hier fühlte er sich zuhause. Orient und Okzident trafen sich in Harmonie von Kunst und Landschaft so, wie beim absolutistischen französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. und auch beim „Gralskönig“ Parsifal (Neuschwanstein). Ludwig II. der „Märchenkönig“ verlor jegliches Maß - allein die Baukosten von etwa 8,5 Millionen Gulden für Schloss Linderhof übertrafen um zwei Millionen Gulden die Kosten seiner „Gralsburg“ Neuschwanstein.

Ein bekanntes Gemälde, aber ein fast unbekannter Künstler

Das Schlittengemälde wurde gemalt vom Zeichner, Maler und Bildhauer Peter Jakob Richard Wenig, geboren am 3. November 1849 in St. Petersburg (!), mit ein Grund für diese spezielle Motivwahl? und gestorben am 24. März 1888 (durch Selbstmord) in Salzburg. Seit dem Jahre 1878 war er in München beschäftigt und zeichnete unter anderem Theaterkostüme für die Hofschauspielerin Carla Ziegler. „Eine Schlittenfahrt König Ludwigs II.“ (Vielleicht eine zweite Fassung?) wurde von ihm nach Wien verkauft. Alle diese Angaben stellte mir freundlicher Weise Frau Dr. G. Szczepanek aus der Museumsabteilung Nymphenburg zur Verfügung - dafür nochmals meinen ganz herzlichen Dank!

Sollte es unter Seniorbook Kulturfreunden möglich sein noch Ausführlicheres über den Künstler P.J.R. Wenig herauszufinden, so bitte ich um Benachrichtigung. Aus dem Internet kam sehr „wenig“ und auch Bibliotheken konnten nicht helfen, so variierte z.B. der Vorname des Künstlers von „R., über Rudolf und Peter bis hin zu Richard“.

Filmregisseure sind von dem Gemälde fasziniert

Das Gemälde von P.J.R. Wenig ist eine prachtvolle Öl-Illustration eines bayerischen Wintermärchens aus dem Winter 1885, entstanden etwa ein halbes Jahr vor dem „tragischen“ Tod von König Ludwig. Der „Märchenkönig“ reist in seinem dunklen fellbesetzten Tuchmantel, seinem Hut und in einem kostbaren Hermelin-Fußsack in seinem goldenen offenen, zweisitzigen Galaschlitten mit Putten. Der König bestimmte in welcher „Farbstimmung“ Pferde und Uniformträger die Reise antreten mussten. Unser Gemälde zeigt Schimmel und blaue Rokokouniformen, als Alternative gab es Rappen und die rote Kleiderordnung. Der Schlittenzug, eigentlich ein Rennschlitten, wird von vier Pferden gezogen, wobei sich auf zwei Sattelpferden je ein Reiter befindet, hinzu kommen noch der Vorreiter und ein uniformierter Lakai, der hinter dem Rücken des Königs steht. Durch eine tiefverschneite Berglandschaft und durch vom König gezielt angelegten „Privat“-Straßen und -Wegen, geht es bei Mondlicht - oftmals Vollmond - durchs Ammergebirge nach Schloss Linderhof.

Der Schlitten ist kunstvoll aus Holz geschnitzt und wird Puttenschlitten genannt, weil sie die Herrschafts-und Ruhmessymbole: Schwert, Zepter, Lorbeerkranz und darüber die Krone tragen. An den Seiten befinden sich zwei Gemälde: „Venus und Vulkan“ und „Venus und Adonis“, während die Schlittenrückseite ein überarbeitetes Majestätswappen zeigt.

Der Prunkschlitten mit Putten besitzt ein Messingschild mit der Inschrift „auf allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Königs Ludwig II. von Bayern von dem kgl. Hofsattler und Wagenfabrikant Johann Michael Mayer, nach dem Entwurfe des kgl. Directors Franz Seitz erbaut“.

Eine technische Sensation

Aber über eines, eine Sensation (!), muß noch berichtet werden: Dieser Ludwig II. Gala- bzw. Puttenschlitten ist veraussichtlich das erste elektrisch beleutete Fahrzeug der Welt. Im Vorderteil des Schlittens, in der gläsernen Krone, brannte die erste Glühbirne gespeist von einer Chromschwefelsäure-Batterie, die sich in einem Behälter unter dem Sitzkasten des Königs befand, ferner war an der Kastenrückwand noch ein Strom-Regulator und eine Bremskurbel angebracht.

König Ludwig II. war eben ein Technik-Freak, er rüstete seine Bauten mit den aller neuesten technischen Errungenschaften aus, wie elektrisches Licht, Warmluftheizungen, Wellenmaschinen und Tischlein deck dichs. Er ließ sich über technische Neuheiten stets informieren, besuchte 1867 sogar die Pariser Weltausstellung und weihte ein Jahr später die Münchener Technische Universität ein.


Links:

(Marstallmuseum - Schloss Nymphenburg)
http://www.schloss-nymphenburg.de/de...l/index.htm

(Ammergauer Alpen)
http://www.google.de/#q=Pogramminfor...+Alpen+2013

(Rene Claus - Ludwig II. Gemälde)
http://www.claus-atelier.de/koenigstraum/index.htm

Schloss Nymphenburg (Marstallmuseum), 80638 München auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen

9 Kommentare

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Wie immer ist dieser Beitrag informativ, interessant und für den Laien verständlich.:thumbsup
Schade, dass man von Wenig so wenig weiß. (Entschuldige das kleine Wortspiel)
Auch ist es traurig, dass zwei Menschen die so grandioses geschaffen haben durch Selbstmord endeten.
  • 20.02.2014, 04:11 Uhr
Volker Barth
Das Wortspiel "Wenig" habe ich auch benutzt. Der interessante Hinweis auf den "Doppelselbstmord" löst in Bayern Zweifel aus, man spricht sogar von Mord.- Danke für die Zeilen.
  • 20.02.2014, 09:30 Uhr
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Helmut Dietl hat die Schlittenfahrt auch in Kir Royal sehr amüsant in Szene gesetzt: Baby Schimmerlos und Herbie warten hinter abgesägten Nadelbäumen, um die nächtliche Schlittenfahrt des Industriellen Banz zu fotografieren. Dieser gleitet im Pferdeschlitten als Kini kostümiert und von einem Tross knackiger Bauernburschen begleitet, an ihnen vorbei …
  • 19.02.2014, 22:52 Uhr
Volker Barth
Das ist ja toller Tipp, danke! - Ich werde versuchen mir ein Video von Kir Royal zu besorgen.
  • 20.02.2014, 09:15 Uhr
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Volker Barth
Danke für den umfangreichen reichhaltigen Kommentar
  • 19.02.2014, 20:25 Uhr
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Dieses Bild hat mich, den Berliner, schon als Schulbub gebeistert.
Volker, danke
  • 19.02.2014, 18:53 Uhr
Volker Barth
Ja, ja mich auch, aber die Umstände (Maler-Biografie und Bibliotheksenthaltung) haben es mir schwer gemacht - aber eine Macher-Motivation erhielt ich heute durch "leichten Schneefall" in den Ammergauer Alpen . . . Volker
  • 19.02.2014, 19:30 Uhr
Der Kini hat uns Bayern Wunderschönes hinterlassen.
  • 20.02.2014, 08:23 Uhr
Volker Barth
. . . auch dieses wunderbare Gemälde!
  • 20.02.2014, 09:33 Uhr
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