wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Wir sind Autor! Die Seniorbook–Community und der Mitmach-Journalismus - hier ...

Wir sind Autor! Die Seniorbook–Community und der Mitmach-Journalismus - hier werden Sie gelesen!

Christine Kammerer
09.04.2014, 13:31 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Fast zwei Jahre Autorentätigkeit auf seniorbook.de sind nicht spurlos an mir vorübergegangen. Ich habe selten innerhalb so kurzer Zeit so viel gelernt – über den Journalismus und das Internet, aber vor allem über Online-Communities.

Denn das Schreiben für eine Community ist definitiv etwas vollkommen anderes, als der Journalismus alter Schule. Hier ein kurzes Zwischenfazit:

  • Journalismus wird endlich demokratisch. Der herkömmliche Journalismus war seiner Natur nach nicht besonders demokratisch. Er schrieb sich zwar die Vielfalt auf die Fahnen, pochte aber gleichzeitig auf die unangefochtene Lufthoheit über den Stammtischen. Man schrieb sozusagen von oben nach unten und unten war da, wo der Leser stand.
  • Journalisten sind der Wahrheit verpflichtet. Aber was ist das eigentlich – die Wahrheit? Hat nicht jeder seine eigene Version davon? Die Leserschaft hat sich glücklicherweise längst vom naiven Glauben verabschiedet, dass der Journalist ein Unparteiischer ist. Denn - machen wir uns nichts vor – hinter jedem Autor steht ein Mensch. Und der hat nun einmal seine eigene, ganz subjektive Weltanschauung. Ich bin zum Beispiel entweder für Atomkraftwerke oder aber dagegen. Es ist eine Illusion, zu glauben, man könne beide Standpunkte wirklich objektiv gegeneinander abwägen. Letztendlich ist es ehrlicher und authentischer, zu seinem Standpunkt auch zu stehen – und die der anderen ebenfalls zuzulassen und ernst zu nehmen.
  • Community ist objektiv – auch, wenn es manchmal weh tut. Der journalistische Beitrag gewinnt erst an Objektivität dadurch, dass in der Community auch Andersdenkende zu Wort kommen und ihre Sicht der Dinge darstellen können. Es ist die Summe der Kommentare, die Intelligenz der Community, die den Beitrag objektiv macht - nicht der Autor. Meine anfängliche Irritation über manche Kritik wich zunehmend der Begeisterung über die beinahe tägliche Bereicherung durch interessante Gedanken, bemerkenswerte Einstellungen, neue Aspekte und Anregungen.
  • Community ist ein gegenseitiger Lernprozess. Durch die ständige Auseinandersetzung mit anderen erweitern wir unseren Horizont, entdecken neue Perspektiven und öffnen uns für andere Standpunkte. Natürlich bleiben immer auch offene Fragen und Ungereimtheiten. Doch in der Seniorbook-Community haben Nutzer - anders als beim Printmedium – die Möglichkeit, diesen Fragen nachzugehen und sie zum Beispiel in eigenen Beiträgen aufzugreifen. Auch ich als Autor kann davon wiederum nur profitieren - indem ich mir zu Herzen nehme, was die Community bewegt, und mich von Kommentaren und Beiträgen einzelner Nutzer inspirieren lasse.
  • Der Autor ist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Zwischen Online- und Print-Lesegewohnheiten liegen Welten: Niemand liest gerne lange Texte am Bildschirm. Ich kann also lediglich Themen anreißen, einige Kernthesen formulieren, den Beitrag zur Diskussion stellen und es dann der Community überlassen, was sie draus macht. Ob Online oder Print – als Autor (und Mensch) kann ich niemals so viele Informationen zusammen tragen, wie die Gesamtheit der Community. Oder wie neulich ein ZEIT-Journalist schrieb: „Irgendwo da draußen gibt es immer jemanden, der mehr weiß...“
  • Wir sind Autor! Die Community bedeutet auch für die Leserschaft eine große Umstellung: Viele Nutzer gehen noch mit alten Gewohnheiten an Beiträge heran und schöpfen nicht die Möglichkeiten aus, die sich aus dem neuen Medium ergeben. Sie konsumieren, anstatt wirklich aktiv mitzumischen – selbst Meinung zu bilden! Für den Fall, dass es sich noch nicht herum gesprochen hat: die Kommentare sind für die Seniorbook-Community mindestens genauso wichtig wie der Beitrag selbst. Auch wenn Sie keine unmittelbare Rückmeldung darauf bekommen – seien Sie versichert: Sie werden gelesen!

Wer gleich loslegen möchte mit dem Schreiben, der kann sich beispielsweise der Schreibwerkstatt anschließen. Jeden Monat wird ein Thema vorgegeben, zu dem dann Geschichten geschrieben werden.

Und wer Fragen zur Diskussion stellen und im Idealfall konkrete Pläne daraus entwickeln möchte, der schließt sich der Demokratiewerkstatt an und erfährt politische Teilhabe, aus der ja eventuell Petitionen oder politische Aktionen entstehen.

5 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Christine, danke für Deinen guten Beitrag!
  • 29.06.2014, 20:25 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
schreib nicht soviel---zeilengeld gibt es nicht bei dem humorlosen verein-S.B.
  • 09.04.2014, 14:18 Uhr
  • 29.06.2014, 20:25 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Mitmachjournalismus -
eine Kernthese formulieren - den Beitrag zur Diskussion stellen und es der Community überlassen, was daraus wird.
Eine wichtige Erkenntnis - nicht nur für Senioren.
  • 04.04.2014, 12:02 Uhr
Christine Kammerer
ist eine echte Bereicherung für alle - wenn man sich drauf einlässt...
  • 04.04.2014, 12:42 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren