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Joseph Beuys sprach‘s: „Ich bin der Hase“

Joseph Beuys sprach‘s: „Ich bin der Hase“

Volker Barth
19.04.2014, 00:17 Uhr
Beitrag von Volker Barth

So bezeichnete sich der Düsseldorfer Aktionskünstler selbst, in vollem Ernst und meinte das keineswegs spaßig - auch nicht zur Osterzeit. Diese Aussage basierte auf seinem religiösen und bibelfesten Wissen.

Nun ist es aber Frühling und Osterzeit, die Gedanken gehen zu farbigen (Oster)eiern, an den (Oster)hasen, ja sogar zu Albrecht Dürer und seine Künstlerkollegen (gemeint ist z.B.: mein Seniorbook-Beitrag von April 2013 „Plagiate früher: Warum der ‚Albrecht-Dürer-Hase‘ gar nicht von Albrecht Dürer ist“). - Sicherlich geht aber nur eine ganz minimale Zahl von österlichen Gedanken zu Joseph Beuys - aber hier!

Der "Rammler" als Fruchtbarkeits-Symbol

Es ist Ostern und die Christenheit feiert die Auferstehung von Jesus Christus - den Sieg des Lebens über den Tod. Viele vor- und außerchristliche Religionen verehren zu dieser Jahreszeit die Sonne als Licht- und Lebensspenderin wie einen Gott und feiern sogenannte Frühlings- bzw. Fruchtbarkeitsfeste. Heutige Osterbräuche lassen sich zurückführen auf germanische und keltische Sonnenkulte, so etwa Osterfeuer und Osterrad. Von der altgermanischen Göttin Ostara ist das Osterfest mit den Symbolen Osterei und Osterhase abgeleitet. Schon seit der Spätantike - auch aus christlichen Quellen (!) Südosteuropas - ist der Hase Oster- und Fruchtbarkeitssymbol, ja sogar die „verrückteste Geylheit“!

Nicht nur in der byzantinischen Kirche gilt der Hase als Symbol für die Auferstehung, denn er schließt beim Schlafen nicht (!) die Augen - ein "Dokument" für die Allgegenwärtigkeit und christlich: Jesus ist eben nicht im Tode geblieben. Sogar in der indischen Mythologie bedeutet der Hase Nächstenliebe und Opferbereitschaft.

Und noch etwas, der Hase gräbt sich ein, er schafft sich eine Mulde und inkarniert sich in der Erde, und das ist sehr wichtig für Joseph Beuys, denn damit ist der Hase für ihn das Symbol für die Inkarnation.

Joseph Beuys wollte eine Tierpartei

Der „entlassene“ Düsseldorfer Kunstprofessor, Bildhauer und Parteigründer der Grünen Joseph Beuys kannte ganz genau die Symbolkraft des Hasen aus christlichen, literarischen und naturwissenschaftlichen Quellen und konnte sich voll mit diesem „Tier“ identifizieren, selbst sein Auto erhielt den Hasen als Kühlerfigur.

Den heutigen „Osterhase“ so aus Zucker und Kakao kennt man erst seit dem 19. Jahrhundert. Selbst der „eierlegende“ Osterhase ist ein neueres Bild, das sich möglicherweise von seiner Fortbewegung herleitet. Der Hase hoppelt und bleibt dann plötzlich sitzen, so als ob er etwas ausbrüten oder etwa ein Ei legen würde.

Beuys-Aktion "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt"

Am Freitag, dem 26. November 1965 fand in der Düsseldorfer Galerie Alfred Schmela die weltberühmte Beuysche Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ statt. Was geschah:

Der Aktionskünstler und „Meister“ Joseph Beuys versperrte die Galerietür von innen und ließ die Galeriegäste einfach draußen. Sie können spärlich durch ein gekipptes „Schau“Fenster mit Vorhang etwas beobachten und hören. Joseph Beuys will damit zum Ausdruck bringen, dass es einfacher ist einem „toten“ Hasen das Geheimnis der Kunst zu erklären als einem „lebendigen“ Menschen!

Joseph Beuys hielt liebevoll und „mütterlich“ einen toten Hasen auf seinem Arm. Er trug ein helles „Piloten“hemd, eine dunkle Stoffhose und Filz- bzw. Kupfersohlen. Sein Gesicht war bedeckt („geschminkt“) mit Goldstaub, Blattgold und Honig. Drei volle Stunden lang „erklärte“ er, während er an seinen Zeichnungen vorbeischritt, dem Tier „die (seine) Kunst“! Während dieser Zeit war das Galeriepublikum ausgeschlossen. Anschließend saß Joseph Beuys dann auf einem Hocker (mit dem Rücken zum Publikum!) und wandte sich weiter seinem toten Hasen „ganz vertraulich“, aber mit einem unverständlichen Gemurmel zu.

Das Tier „Hase“ verfügt (laut ägyptischer Mystik) über das Geheimnis des Lebens. Es symbolisiert den Tod mit der Durchquerung der Materie und stellt dann die Wiedererweckung und die Neugeburt dar. Übrigens: Joseph Beuys verstarb am 23. Januar 1986 im Alter von 65 Jahren.

Honig und Gold

Im Gesicht von Joseph Beuys war Honig (Biene) der symbolische Vermittler (Transformator) von Pflanze zum Tier, aber auch vom Tier hin zum Menschen - während die große Nähe zu Gesellschaften und Völkern (wie auch Bienen und Ameisen) durch das Blattgold und den Goldstaub assoziiert wurden.

Für Joseph Beuys ist nun einmal der Hase, der Statthalter für eine bessere Welt und ein willkommenes „Außenorgan“ des Menschen.

Dazu noch eine sehr oft kolportierte Legende: Als Joseph Beuys am 16. März 1944 mit einem Kampfflugzeug über der Krim abstürzte, retteten Tataren sein Leben, indem sie ihn mit Fett einschmierten und in Filz wickelten. Dazu "gesellten" sich sicherlich auch die brennenden Kerzen in Hasenform (Es gibt sie auch heute zu kaufen), denn die Tataren verehren den Hasen als Bewahrer des Lichts und der Schöpfung.

Weitere Beuys-Aktionen mit Hasen
(Keine Vollständigkeits-Garantie):

DER UNBESIEGBARE
1963 - Plastilinhase und Spielzeugsoldat

DAS HASENGRAB
1964/1980 - Fragmente und unterschiedliche Materialien

DER DDR-HASE
1979 - Farbpostkarte mit handschriftlichem Zusatz

AKTION EURASIA
1966 - 32. Satz der Sibirischen Syn(!)phonie

AKTION „Aus Zarenkrone Iwan des Schrecklichen wird ein kleiner Friedenshase“
Kasseler documenta 1982


Zusätzlich eine seltene religiöse Symbolik - aber nicht von Joseph Beuys: Im Paderborner Dom-Kreuzgang dienen drei Hasen als Darstellung der Dreifaltigkeit. Die Hasen wurden kreisförmig angeordnet, so dass drei Ohren genügen, um jedem Hase zwei Ohren zu verpassen.

"Ich bin ein scharfer Hase"

Und nun zum Schluß noch etwas „Triebhaftes“, etwas für Lust und Laune, also von der Fruchtbarkeit, - über das Kuscheln zum Sex und zur Erotik. Joseph Beuys in einem Gespräch mit Birgit Lahann am 30. April 1981 in Hamburg „Ich bin ein ganz scharfer Hase“. Etwas anders formuliert: Von Joseph Beuys (lautmalerisch: Boys) zu den Girls, oder noch besser vom Hasen zum Häschen und somit zum „Bunny“. Ist dies‘ nicht richtig geil und sexy - also Fröhliche Ostern!

Links:

(Museum Schloss Moyland „Joseph Beuys“)
http://www.moyland.de/


(Galerie Schmela, Düsseldorf)
http://de.wikipedia.org/wiki/Galerie_Schmela


(Spiegel-Artikel „Künstler Beuys“ 45/1979)
http://www.spiegel.de/spiegel/print/...868738.html


(Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen „Joseph Beuys“
http://www.kunstsammlung.de/entdecke...-beuys.html


(„Joseph Beuys Sammlung“ Lenbachhaus, München)
http://www.lenbachhaus.de/sammlung/joseph-beuys/

Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen

2 Kommentare

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Volker Barth
So wenig Kommentare - ist dieser Beitrag so uninteressant?
  • 21.04.2014, 12:25 Uhr
Volker Barth
... dann ist mein Beitrag ja doch lesenswert und interessant - die "stressigen" Osterfeiertage sind dann sicherlich schuld an dem Kommentar-Mangel ... Nochmals Danke für Dein Lob
  • 02.05.2014, 18:08 Uhr
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