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"Stahlnetz": Krimi-Straßenfeger von damals

"Stahlnetz": Krimi-Straßenfeger von damals

Bernd Berke
11.04.2014, 16:08 Uhr
Beitrag von Bernd Berke

Ganz tiefer Griff in die Nostalgie-Kiste: Wer erinnert sich noch an Jürgen Rolands Krimiserie „Stahlnetz“, die von 1958 bis 1968 lief?

Und wer weiß noch, wer die Drehbücher dazu geschrieben hat? Richtig, es war Wolfgang Menge, der uns später historische TV-Stücke wie „Das Millionenspiel“ oder „Ein Herz und eine Seele“ („Ekel Alfred“) beschert hat.

"Dieser Fall ist wahr"

Die „Stahlnetz“-Macher betrieben geradezu einen Kult der Wirklichkeitsnähe. Hier wurden wahre Kriminalfälle nachgespielt und es sollte die echte Polizeiarbeit im Vordergrund stehen. Um die Präzision zu unterstreichen, nannte eine Erzählerstimme zwischendurch immer wieder die minutengenaue Uhrzeit. Im Vorspann der allerersten Folge stand „Dieser Fall ist wahr!... Er hat sich so zugetragen, wie wir es zeigen.“ Nun ja.

Doch bei allem Bemühen um Realitätstreue: Das war natürlich arg geflunkert. Selbstverständlich wurde hier zugespitzt und dramatisiert - anfangs noch ziemlich unbedarft, später deutlich geschickter und routinierter. Das „Tam-Tataaa-Tamm“ der Titelmusik wurde alsbald berühmt, die „Stahlnetz“-Reihe entwickelte seinerzeit „Straßenfeger“-Qualitäten.

Gesucht wird ein "Schlägertyp"

Im ersten Fall (ARD-Ausstrahlung am 14. März 1958) geht es um mörderische Schüsse in einer Karlsruher Kneipe. Der smarte, aber ruppig-ungeduldige Kommissar (im klischeegerechten Trenchcoat: Hellmut Lange) ist ratlos, denn jeder der zahlreichen Zeugen will etwas anderes gesehen haben.

Die Spur führt dann ins Ruhrgebiet: In Oberhausen verdingt sich ein Kumpan des Mörders als betrügerischer Teppichhändler. Ein solcher „Schlägertyp“, wie es geradezu rührend naiv heißt, muss damals wohl etwas derart Besonderes gewesen sein, dass er unter Tausenden auffiel. Als die beiden bösen Buben sich dann noch neue Passbilder machen lassen und der Fotograf Verdacht schöpft, zieht sich das Stahlnetz zu.

Einübung in den Rechtsstaat

Nebenher werden Grundbegriffe der Polizeiarbeit, die uns allen längst geläufig sind, noch wie nach dem Lehrbuch erklärt, beispielsweise: Was ist überhaupt Spurensicherung? Was sind V-Leute? Gibt es einen Unterschied zwischen Fundort der Leiche und Tatort? Oft werden ganze Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch vorgelesen. Vielfach klingt das – nicht allzu lange nach der Nazizeit – auch wie eine Einübung in den Rechtsstaat, in dem eben stichhaltige Beweise beigebracht werden müssen.

Einfach einen Klaps auf den Po

Wie lange das alles her ist, zeigt sich auch an Details: Da fallen altbackene Sätze wie „Der Lümmel hat sich verkrümelt“. Da wird in jeder Lebenslage kräftig geraucht. In einem "Stahlnetz"-Fall von 1961 darf der Kommissar („Overstolz“-Werbeikone Heinz Engelmann) einer soeben festgenommenen Prostituierten ganz selbstverständlich und breit grinsend einen Klaps auf den Po geben.

Und noch eine bemerkenswerte Einzelheit: In den beiden Folgen von 1958 und 1961, die ich mir jetzt angesehen habe, taucht – ausgesprochen aufdringlich - nur eine einzige Automarke auf, nämlich Opel. Sollte es damals schon vereinbarte Schleichwerbung gegeben haben, womöglich noch für die eine oder andere Gegenleistung?

1 Kommentar

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Ich erinnere mich auch noch an diese alte Krimiserie . Ein Vorläufer der Tatort - Reihe .
Manchmal , so meine ich , täte dem Tatort ein wenig Nostalgie gut.
Die Polizei verkommt in den letzten Jahren immer mehr zu Statisten , zu Stichwortgebern .
Daher war die Nähe der Stahlnetz Folgen zur Realität mitunter spannender als die heutigen Krimis.
Meines Wissens nach stammt die Idee Kriminalfälle so zu verfilmen aus den USA und lief dort Anfang der 50er Jahre . Bei der Titelmelodie bin ich mir nicht ganz sicher .
Ein später Nachfahre dieser Art zu erzählen war nach meiner Meinung
"Der Schattenmann " in der 90er Jahren.
Dieter Schwohnke
  • 11.04.2014, 18:34 Uhr
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