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„Harte Arbeit bei Hitze, Lärm & Qualm“ gemalt von Adolph von Menzel

„Harte Arbeit bei Hitze, Lärm & Qualm“ gemalt von Adolph von Menzel

Volker Barth
01.05.2014, 18:59 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Der Erste Mai ist in der Bundesrepublik Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, eben nicht nur so ein Maifeiertag, er ist der „Tag der Arbeit“ oder sogar der „Kampftag der Arbeiterbewegung“! Zu diesem Themenkreis schuf der Maler, Zeichner und Illustrator Adolph Friedrich Erdmann von Menzel eine „Ikone“.

Dieser wurde am 8. Dezember 1815 im damals preußischen Breslau geboren, hatte eine Körpergröße von nur 140 Zentimetern und wurde im Jahre 1898 geadelt. Er hat den Ruf einer der bedeutendsten deutschen Realisten des 19. Jahrhunderts zu sein. Sein vielfältiges Werk wurde durch seine historisierenden Darstellungen aus dem Leben Friedrichs des Großen schon zu Lebzeiten sehr berühmt.

Aber etwas anderes „Preußisch-Königliches“ soll jetzt vorgestellt werden: „Das Eisenwalzwerk“. Es ist ein Ölgemälde in der Größe von 158 mal 254 Zentimeter und entstand in den Jahren zwischen 1772 und 1775. Ob es sich um eine Auftragsarbeit zum 50jährige Firmenjubiläum der Heckmannschen Fabriken, Berlin-Kreuzberg, handelt ist nicht eindeutig geklärt. Das Motiv wählte aber Adolph von Menzel selbst. Zu intensiven Mal- und Zeichenstudien reiste er ins schlesische Königshütte (heute Chorzów, eine kreisfreie polnische Großstadt), einer damals nach dem Ruhrgebiet modernste Industrieregion Deutschlands. Im dortigen Walzwerk schuf er über hundert Detailzeichnungen, die in die Komposition des inzwischen berühmten Industrie-Gemäldes einflossen - laut Kunstgeschichte ist es Deutschlands erstes dieser Art.

Hochachtung vor Arbeitern und Handwerkern

Damals (1830) zog die Familie Menzel mit dem 15jährigen Adolph in die aufstrebende deutsche Hauptstadt Berlin und war fasziniert von der „neuen“ Technik der Zukunft. Die Anfänge der Industrialisierung mit dem Eisenbahnbau, dem Maschinenbau, den bizarren Stahlkonstruktionen usw. fanden überall große Zustimmung. Adolph von Menzel hatte vollsten Respekt und größte Hochachtung für Maschinenarbeiter und Handwerker, aber auch für Künstler bzw. Maler.

Und nun etwas genauer zum Dargestellten:

Gemalt wurde das Innere einer riesigen Fabrikhalle im damaligen Königshütte/Oberschlesien, wo aus glühender Eisenmasse Eisenbahnschienen gewalzt wurden. Das Werk mit ca. 3000 Beschäftigten war eines der größten in Deutschland und in den Jahren 1871 und 1873 kam es hier sogar zu sozialen Unruhen. Im Gemälde herrscht eine arbeitsintensive Hektik unter sehr anstrengenden Voraussetzungen mit großer Hitze, Lärm, Staub und sicherlich auch viel Gestank. Adolf von Menzel besuchte die Fabrik und zeigt sehr realistisch in seinem Gemälde diese „harten“ Arbeitssituationen von Arbeitern in einem damals als "sehr modern" empfundenen schlesischen Unternehmen.

Ein "Vulkan", Menschen und Maschinen

Das weißglühende Eisen dient wie ein Spot als einzige Lichtquelle im Mittelpunkt des Bildes und verbreitet von da aus einen hellen Feuerschein. Ansonsten unterstreicht der Hell-Dunkel-Kontrast zusätzlich die schmutzig-ungesunde Atmosphäre dieser Arbeitswelt und die Schwere der Arbeit.

Adolph von Menzels Gemälde „Das Eisenwalzwerk“ illustriert überzeugend den Kontrast zwischen Maschine und Mensch - es zeigt aber keine Versklavung, sondern rückt das Monumentale, das Heiße, das Glühende in den Mittelpunkt und erzielt so eine enorme optische Spannung.

Eine junge Frau schaut aus dem Bild

Auch sehr Menschliches dokumentiert das Bild. Vorne rechts, hinter einem dürftigen Hitzeschild essen, trinken, machen Arbeiter Pause und eine junge Frau mit einem großen Korb betreut sie. (Übrigens: Sie ist die einzigste Person, die den Gemäldebetrachter ansieht). Am Bildrand ganz links „befreien“ sich mehrere Männer vom Arbeitsdreck durch einfaches Waschen. Im hinteren linken Bildteil befindet sich "ein Mann mit Hut". Er scheint durch Haltung und Kleidung wohl eine Art „leitender Angestellte“ zu sein - also er „packt“ nichts an - er blickt nach oben, kontrolliert und beobachtet. Trotz der Vielzahl von Motivelementen im Gemälde ist dieser „Chef“ aber nicht zu übersehen.

In diesem Gemälde zeigt Adolph von Menzel seine Hochachtung „vor dem fleißigen, arbeitenden Menschen“, denn auch er kam durch viele Entbehrungen, Mühen und ganz intensives Arbeiten zu seinem „meisterlichen“ Können.

Zum Gemälde gehört noch ein Zweittitel

Kurz nach der Fertigstellung erhielt dieses Gemälde auch mit Zustimmung des Malers seinen Beinamen „Moderne Cyclopen“. ("Cyclopen oder Kyklopen" so geschrieben sind in der griechischen Sagenwelt die Gehilfen des Schmiedegottes, die im Inneren der Vulkane Blitze sowie die Waffen der Götter schmieden). Mit dieser "mythologischen Überhöhung" wollte man dem Kunst-Publikum das neuartige Bildthema schmackhaft machen.

1797 wurde die Stadt und das Werk Königshütte als preußisches Staatsunternehmen gegründet. Sie war eines der ersten mit Dampfkraft betriebenen Hüttenwerke in Europa und der 1802 angestochene Hochofen war damals Europas größter. 1871 entstand dann die "Vereinigte Königs- und Laurahütte". Der Maler Adolph von Menzel reiste schließlich nach Königshütte/Oberschlesien, um hier viele intensive Studien für sein Gemälde „Das Eisenwalzwerk“ anzufertigen.

Ohne "soziale Gedanken"

Das Bild „Das Eisenwalzwerk“ erfuhr bis heute unterschiedliche Deutungen. Einerseits sah man eine neutrale Dokumentation über die „Welt der Arbeit“, andererseits soll das Bild eine Hommage an die Macht der Maschinen und die Fortschrittsgläubigkeit sein. Auch als Anklage gegen die Ausbeutung der Arbeiter und die zunehmende Mechanisierung der Produktion galt dieses Gemälde.

Aber als dieses Gemälde entstand, steckte der "soziale Gedanke" noch in den Anfängen, so war erst 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, ein Vorläufer der SPD, gegründet worden und erst 1883 sollte die Sozialversicherung eingeführt werden. Es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass Adolph von Menzel die Ideen der gerade entstehenden Arbeiterbewegung umsetzte, vielmehr so glaube ich, malte er einfach das, was er sah und das war eben die "harte Arbeit"!

Links:

(Adolph von Menzel - Biografie)
http://www.adolph-von-menzel.de/

(Alte Nationalgalerie, Berlin)
http://www.museumsportal-berlin.de/d...nalgalerie/

(Industrielle Revolution in Deutschland)
http://de.wikipedia.org/wiki/Industr...Deutschland

(Königshütte - Oberschlesien)
http://www.deutsche-schutzgebiete.de...shuette.htm

(Über den Film „Moderne Zeiten“)
http://de.wikipedia.org/wiki/Moderne_Zeiten

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5 Kommentare

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Volker Barth
Lieber Manfred, danke für Deine Mitteilung - Ich hätte noch eine Frage, hast Du meinen Beitrag über Joseph Beuys und den Hasen gelesen? Mich würde Deine Meinung interessieren ...
  • 01.05.2014, 12:04 Uhr
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Ein sehr ähnliches Bild (etwa 200x120cm) hängt im Casino von Eumuco, dem Pressenhersteller, in Leverkusen.
  • 30.04.2014, 21:26 Uhr
Volker Barth
Lieber Manfred, herzlichen Dank für Deinen Tipp - aber noch eine Frage von mir, da Du ein Fan von meinen Beiträgen bist, wie beurteilst Du denn meinen Joseph Beuys Hasen Artikel? - Ein kritisches Urteil würde mich freuen. Mit künstlerischen Grüßen Volker
  • 01.05.2014, 19:15 Uhr
Lieber Volker,
ich werde mir Deinen Artikel wieder kopieren und meinem Enkel in sein"Lebensbuch" kleben.
Nur bin ich mir noch nicht sicher, ob er ihn im Bereich Kunst oder im Bereich Philosophie/Mystik lesen soll.
Da das gemalte Bild den Aktionskünstlern eh´ suspekt ist, wird die Deutung der Werke schleierhaft.
Ich möchte Edith Zeile bitten, Deinen Text zu lesen und melde mich wieder.
Servus Manfred
  • 02.05.2014, 10:32 Uhr
Volker Barth
Vielen Dank für Deine liebe und prompte Antwort - nun zum Begriff "gemaltes Bild": Joseph Beuys zeigte dem Hasen, ohne Galerie-Publikum, seine Zeichnungen und berührte sie mit dessen Pfoten - ... soweit aus dem Aktions-Protokoll ...
  • 02.05.2014, 17:50 Uhr
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