Plakat "The Hu Show"
Plakat "The Hu Show"Foto-Quelle: © Hurzlmeier

Die Hurzlmeiers hoch 3

Volker Barth
Beitrag von Volker Barth

Hurzlmeier, so nennt sich eine bayerische Familie, die fern aller politischen Machtgelüste sich rein auf ihrer künstlerischen Ebene bewegt.

Von traditionellen Künstlerdynastien oder -familien wie den Fugger, den Wittelsbacher, den Sachs, den von Thurn und Taxis oder aber den Brueghels, Cranachs und Holbeins hat man schon vieles gehört und gesehen - aber von den Hurzlmeiers?

Bei den Brueghels, den Cranachs und den Holbeins warens nur zwei Personen, der Ältere und der Jüngere. Weiter gibt es die Unterschiede alt noch jung, groß noch klein, dumm noch schlau, reich noch arm, lustig noch traurig - und was gabs dazwischen?

Nun gibt es drei - der Ältere, der Mittlere und der Jüngere oder anders aufgeschlüsselt: der Komische, der Naive und der Abstrakte - mit Vornamen Rudi, Julian und Leonard. Dies ist einmalig!

Sie sind zu dritt, männlich, und bilden ein „Gesamtkunstwerk“, sie treten gemeinsam auf wie bei einer Musikergruppe, jeder spielt das, was er kann und trägt vielfältiges zum Gesamtkunstwerk bei. Und das unter dem Logo „The HU“. Ausgesprochen, aber nicht so geschrieben, wie die weltberühmte vierköpfige englische Rockband „THE WHO“ aus den 1960er und 1970er Jahren.

„The HU“ sind aber ein bayerisches Trio der Kunst und der Malerei. Trotzdem vertritt jeder sehr individuell und mit seinem eigenen Gestaltungsstil seine Persönlichkeit. Als eingespieltes Team präsentieren sie sich zur Zeit in einer attraktiven Art-Show. Es ist ein Festival mit Gags, Satire und viel Humor. Ich empfinde das alles wie eine Revue, wie einen Circus mit Manege oder ganz einfach bayrisch-münchnerisch gedacht hier ist „Circus Krone“. Ich glaube, ich habe Recht.

Hurzlmeier der Naive
Der zweitälteste Künstler der Dynastie mit dem Namen Julian, 1980 mit Down-Syndrom geboren, nennt sich aber seit der Jahrtausendwende Julina Babara Rosa und lebt in der antroposophischen Lebensgemeinschaft Höhenberg/Niederbayern. Seit 2010 gibt es die Mitgliedschaft im orientalischen Bauchtanztrio Orient Express. Die malerisch und zeichnerischen Arbeiten sind der Kunstrichtung Art Brut sehr verwandt und 2014 entstand, passend zu meiner Aussage, eine farbige phantasievolle Zeichnung mit Filzstift - sie hat einfach den Titel „Christel Sembach Krone“.

Hurzlmeier der Komische
Vorname Rudi oder der Ältere oder der Klassische, geboren 1952, malte 2010 in Acryl auf Leinwand ein Selbstbildnis. Aus zirzensischer Pferdetradition heraus ist es „Andalusier“ benannt. Dieses Meisterwerk dokumentiert wie er ganz nah beim Pferd ist, Kopf an Kopf - eine totale Tierliebe. Neben einem spanischen Schnautzer und einem feurigen Blick, bildet eine pechschwarze Katze, die sich an seinem Ohr blutig festbeißt, eine markante „schmucke“ Frisur - dieses Gemälde ist schon eine ART-istische Komposition.
Weiter über Rudi: zweimaliger Gewinner des Deutschen Karikaturenpreises, bekannt durch die Satiremagazine Titanic, Eulenspiegel und Pardon. Hintersinnige Illustrationen in Zeitschriften (Stern) und Zeitungen (Zeit, Süddeutsche usw.). Bisher veröffentlichte Rudi der Komische über 40 Bücher.

Hurzlmeier der Abstrakte
Der dritte Künstler, Hurzlmeier der Jüngere, mit dem Vorname Leonard ist 1983 geboren. Er studierte von 2004 bis 2011 an der Akademie der Bildenden Künste in München und erhielt für seine Diplomarbeit den EOn Kulturpreis Bayern als bester Absolvent. Er schaffte 2013 in Öl auf Leinwand, eine „akrobatische“ Figur unter dem Motto „Zyklopin befühlt Furunkel“. Das Bild ist ein ausbalanciertes „Kunststück“, sehr kompakt, göttlich, sagenhaft, ja sogar igendwie poetisch.

Und was noch berichtet werden muß:

In einem kleinen, fast intimen Kabinett, wo man laut Außenschild nicht husten(!) soll, stehen auf Staffeleien frisch produzierte Werke von Rudi Hurzlmeier der Klassische. Speziell beeindruckt mich „Lurchi überquert die Isar unbemerkt bei Oberföhring.

Weiter gibt es in den Räumlichkeiten ganz locker plazierte, witzige Objekte (DADA like) zu bewundern. Einen Höhepunkt bildet die Vitrine. In ihr findet man gelungene Top-Objekte z.B.: Magritte-Devotionalie, Versteinerte Glühbirne, Zahnbürste, Ruhende Gurken, Frühstück des Friseurs usw. Mein Urteil: Dieses Kreativität darf nicht eingestellt werden!

Zur Zeit läuft nun die vierte Ausstellung „The HU“, es ist eine großartige Schau mit drei ART-isten. Ihre Vorgängerausstellungen waren im Romantikerhaus Jena 2009, Valentin-Karlstadt Musäum, München 2011 und Weltraum München 2012 zu sehen.

Mein hier Gesagtes ist nur eine Kurz-Präsentation und zwar aus der Manege „Galerie Bezirk Oberbayern“, Prinzregentenstraße 14, 80538 München (gegenüber vom Haus der Kunst).

ACHTUNG!
besondere Besuchszeiten - Mo. bis Do. 8 bis 17 Uhr und Fr. 8 bis 13 Uhr - feiertags ist geschlossen.
Der Eintritt ist frei! Der Katalog kostet nur 10,- Euro!

Links:

(The Who)
http://www.thewho.de/index.php/who-live

(Circus Krone)
http://de.wikipedia.org/wiki/Circus_Krone

(Künstlerfamilie)
http://de.wikipedia.org/wiki/Künstlerfamilie

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