Die kleine Pfeife
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Die kleine Pfeife

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es ist noch gar nicht lange her, da zog ein Pfeiflein in die Welt, um Gutes zu tun.
Eines Tages kam es an einen Platz, an welchem großer Aufruhr herrschte. Gar viele Pfeifen grölten und tobten, schlugen und stritten. Hilflos stand das Pfeiflein und erblickte am Rande einige Artgenossen, welche mit offenen Mündern und entsetzten Blicken das Treiben verfolgten. Der eine oder andere rief wohl auch ein paar Beschwichtigungen, doch ungehört verhallten diese. 'So geht das nicht!', dachte die kleine Pfeife und beschloss, die kriegerischen Pfeifen zur Vernunft zu bringen. Es lief in die aufgebrachte Menge, schlug beschwichtigend auf Schultern ... was im Wutrausch keiner spürte, rief freundliche Mahnungen ... die keiner hörte, schenkte allen ein freundliches Lächeln ... was keiner sah.

Traurig hielt das kleine Pfeiflein inne. Doch da Pfeifen im Allgemeinen recht pfiffig sind, ersann es einen Plan. Flink lief es in ein nahe gelegenes Dorf und ging von Tür zu Tür. Vom ersten Bewohner erbat sich der Pfiffikus ein Stückchen Schnur, vom zweiten einen Pinsel, vom dritten ein sauberes Stück Karton und im letzten Haus bat er um ein wenig rote Farbe. Durch den Gedanken beschwingt, etwas Gutes zu tun, ging das Pfeiflein rasch ans Werk. Es tauchte den Pinsel in die rote Farbe und malte sieben große Buchstaben auf den Karton. Dann stieß es zwei Löchlein hinein und band die Schnur daran. Nun hatte die kleine Pfeife ein gar prächtiges Schild. Dieses hing sie sich um den Hals und eilte zurück zu den garstig Streitenden.

Dort angekommen schnappte sich das Pfeiflein einen großen Steinbrocken, wuchtete ihn durch die rasende Menge und platzierte ihn genau in der Mitte. Jetzt hatte die kleine Pfeife ein Podest und alle konnten sie sehen. Das heißt, alle hätten sie sehen können, doch wenn man streitet, sieht man bekanntlich nicht über die eigenen Schuhspitzen. Die Pfeife tat, was sie am besten konnte ... sie pfiff. Laut und gellend. Da verstummten die Schreienden, blickten benommen und kamen allmählich zu sich. Sie stupsten einander, rempelten sich die Ellenbogen in die Seiten und einer rief:
"Seht doch ... das Schild!"
Und die ganz hinten standen, reckten die Hälse, was für ein Schild denn das sei und sahen sieben große rote Buchstaben:

F R I E D E N

Sie staunten und raunten und plötzlich schrie einer aus der Menge:

"Das ist ja eine Friedenspfeife!"

Und einer nach dem anderen ... begannen sie zu verstehen. Doch auch mit dem Verstehen ist es so eine Sache. Nicht jeder, der versteht, wird auch klug aus dem Verstandenen. Das sollte auch bald die kleine Friedenspfeife erkennen. Noch blitzten ihre Äuglein vor Freude und Vergnügen und sie genoss das friedfertige Stillschweigen. Lächelnd wanderte ihr Blick über die Menge und siehe da, es tat sich einiges. Sie sah ein paar Pfeifen, welche betreten zur Seite schauten, einige senkten den Blick gar sehr beschämt. Andere wiederum lächelten und nickten froh ihre Zustimmung. Manch einer (gerade noch streitlustigen Pfeife) stand auch ein Grübeln ins Gesicht geschrieben, oder auch ein wenig Fassungslosigkeit, wie sie da wohl hineingeraten war.

Doch was war das? Direkt vor ihrem Podest standen die zwei Oberpfeifen und schienen sich nicht einig zu werden. Während die eine versöhnlich die Hand ausstreckte, kehrte ihr die andere abrupt und bockig den Rücken. Und nicht nur die Friedenspfeife bemerkte es. Schon fingen die ersten Sympathisanten der friedlichen Oberpfeife an zu murren und auch auf der anderen Seite erlosch so manches Lächeln. "Was nützt die ausgestreckte Hand" rief ein keckes Pfeiflein, "wenn Hinterlist im Blick, die Handlung Lügen straft!" "Unverschämtheit!" gellte es von der Gegenseite zurück. Hinüber und herüber flogen der aufgebrachten Worte viele und hast du dich nicht versehen, war der Tumult in vollem Gange.
Flugs sprang die kleine Friedenspfeife vom Podest zwischen die Streitpfeifen, reckte und streckte die Brust, auf das ein Jeder das Schild mit den sieben großen, roten Buchstaben sehe und noch einmal zur Besinnung käme. Vergeblich war das Bemühen. Das Pfeiflein wurde geschubst und gestoßen und wer weiß, was noch geschehen wäre, hätte es sich nicht flink in Sicherheit gebracht.
Da stand es nun ... und das Schild mit dem wundervollen Wort war in Fetzen gerissen.

Einen letzten Blick warf der kleine Friedensbringer auf die Unverbesserlichen und arg enttäuscht, aber mit einer neuen Erkenntnis, ging er davon:


"Wo viele Pfeifen aufeinander treffen, da kann der Frieden keine Bleibe finden!"

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