Eine bessere Welt - von Ureinwohnern lernen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Liebe Seniorinnen und Senioren,
Ihr habt immer wieder einmal etwas von unserer kleinen Organisation Zukunft Irular e.V. gehört. Ausführlich stellen wir uns in Wort und Bild und auch in Video auf unserer Website www.zukunft-irular.de vor. Es geht darum Menschen aus einem bedrohten Volk und ihre Kultur vor dem Untergang zu bewahren.
Aber das ist nicht alles. Es geht auch um uns. Denn bei uns muss sich auch vieles, wenn nicht alles stark ändern. Und in dieser Hinsicht kommen uns ganz unerwartet die naturliebenden Ureinwohnern, Irular Adivasi aus dem fernen Südindien, ganz nahe. Überzeugen Sie sich selbst, dass Probleme, Chancen und Hoffnungen sich gar nicht so sehr voneinander unterscheiden!
Übrigens: Wollen Sie mit uns ins Gespräch kommen? Dann halte sich bitte an spitzinggu@aol.com!
+ Es geht uns um Frauen.
Wir müssen den Irularfrauen, damit sie und ihre Familien leben können, eine gute Ausbildung in handwerklichen Fertigkeiten ermöglichen. Das läuft auch schon! Wir ermöglichen den Frauen mit Sisal und Palmblättern zu arbeiten und sich auch andere handwerkliche Fertigkeiten anzueignen. So ist es gelungen einige Familien von Hunger, Mangelernährung und Armut zu befreien. Dieser gute Ansatz muss weiter ausgebaut und auch auf möglichst viele weitere Not leidende Irular Frauen ausgedehnt werden.
In vielen Ländern sind Frauen immer noch extrem unterdrückt. Das gilt auch in schwerwiegendem Ausmaß für Indiens Mainstreamgesellschaften aus Hindus, Moslems und auch für die Gemeinden der Evangelikalen.
Im Gegensatz dazu sind die Frauen der Irular frei und mit den Männern gleichberechtigt. Das ist in der traditionellen Kultur der Irular, wie auch der anderer Adivasi, seit Jahrtausenden angelegt. Unser Anliegen ist es daher, dass die Kultur der Irular erhalten bleibt und die Gefährdung durch einige militante Hindu-Gruppen und evangelikale erpresserische Missionare unterbunden wird.
Es ist auch gelungen als unsere Partnerorganisation eine Irular Frauen Selbsthilfe-Organisation zu gründen, die Irular Varungalam Welfare Society. Das führte zu einem in kürzester Zeit stark gestiegenen Selbstbewusstsein der Irular. Sie haben sehr schnell gelernt, wie so eine Organisation arbeitet und was man mit ihr machen kann. Jetzt setzen sie sich selbst aktiv für ihre eigenen Interessen ein. Die Irular werden dadurch jetzt endlich von der Administration ernst genommen. Da gibt’s nur ein: Mit Elan weitermachen!
+ Es geht uns um Kinder.
Bisher hatten die Irular keinerlei Möglichkeit eine schulische und berufliche Ausbildung zu absolvieren. Deshalb hatten sie keinerlei Chance Berufe zu ergreifen, die ihnen ein Leben ohe Not und Hunger ermöglichen. Wir schicken die Kindern zur Schule, bekämpfen ihre Unterernährung mit Schulspeisung und sorgen für Nachhilfe, (denn ohne Nachhilfe kann in Indien keine Kind eine erfolgreiche Schulkarriere durchlaufen).
Wir wollen, dass die Kinder später einmal in der indischen Gesellschaft von heute ihren Reis erwerben können, gleichzeitig aber sich in ihrer geistigen Heimat in ihre eigenen mit den Menschenrechten durchaus kompatiblen Kultur weiterhin wohl fühlen können. Besonders für die Kinder ist diese Kultur von Bedeutung: Sie werden von ihren Eltern liebevoll behandelt, wachsen ohne Schläge auf. (Ansonsten ist das in Indien leider ganz anders.)
Dazu brauchen die Kinder, die die Schule durchlaufen haben, in naher Zukunft noch Berufsausbildung, und es müssten auch andere Dörfer, mit denen "unserer Irular" Kontakt haben, in das Programm einbezogen werden.
Hier könnte man ein wenden,. dass Schulbesuch doch eher die Gefahr mit sich bringt, dass die Kinder ihrer traditionellen Kultur entfremdet werden. Der Einwand ist durchaus berechtigt. Aber wir haben Maßnahmen erarbeitet, die geeignet sind die Problem zu lösen. Wir suchen noch mehr Mitglieder und Unterstützer, die uns gestatten, die laufenden Kosten dafür, zu tragen. Wenn es so weit ist werden wir es sofort in Angriff nehmen.
+ Es geht uns um Naturverbundenheit und Umweltschutz.
Die Irular haben Jahrtausende hindurch die Wälder und Savannen als Jäger und Sammler durchstreift. Männer, Frauen und Kinder haben zusammen Pflanzen gesammelt. Wenn ihnen die Arbeitslosigkeit Zeit lässt und an freien Tagen versuchen Sie das heute noch. Ich habe sie dabei begleite und bewundernd festgestellt, wie sie jede Pflanze und die Verwendung von deren Stengel, Blättern und Früchten kennen. Sie gehen durchaus schonend mit de Ressourcen um. Früher fühlten sie sich als Beschützer der Wildnis.
Die Irular haben ein eigenes Heilsystem. Es nutzt Kräuter aber auch Diäten, Rituale und sogar Trance. Leider drohen die Kenntnisse davon verloren zu gehen. Wir haben vor einem kenntnisreichen Heiler und einer Hebamme die Möglichkeit einzuräumen ihre Kenntnisse an Jüngere weiterzugeben. Gleichzeitig wird der Anbau von Heilkräutern gefördert. Der Verkauf der Kräuter wird wieder neue einträglichere Verdienstmöglichkeiten erschließen.
Es steckt aber noch viel mehr dahinter - hinter der Freundschaft mit den Ureinwohnern! Es geht auch direkt um uns!
In unserer westlichen Zivilisation ist man heute nicht mehr so einseitig technisch-rational orientiert, wie das noch bis vor kurzem der Fall war. Eine steigende Zahl von Menschen tritt für ein Gleichgewicht von rational technischem Denken und naturverbundenem Empfinden ein. Dem Dominanz-Denken, das mehr und mehr zerstört und uns deshalb in ernsthafte Schwierigkeiten bringt, wird die Hingabe an die Natur gegenübergestellt. Beides soll zumindest ausgewogen sein. Im Internet finden wir zahlreiche sehr entschiedene Bewegungen, die sich Weise dafür einsetzen.
Soweit, wie auch wir die Dominanz-Zivilisation, wie sie weithin noch praktiziert wird, nicht hinnehmen wollen, kommen wir zu dem Schluss, dass wir den Ureinwohnern überraschend nahe stehen - trotz vieler Unterschiede, die wir als exotisch verstehen mögen. Die Irular leben auch jetzt noch die Hingabe an die Natur. Und damit sind sie doch ein wunderbares Vorbild für alle. Sie könnten uns vorangehen und aufzeigen, wie unser momentan noch etwas unsicherer Weg in die Zukunft aussehen muss, wenn die Natur, die Pflanzen und Tiere, aber letztlich auch die Ethnokulturen und wir selbst überleben sollen. Und sie können uns auch zeigen, das wir glücklicher leben, wenn wir der Welt der Empfindungen mehr Raum ins unseren Inneren zugestehen.
Die Irular Adivasi sind mit uns engste verbunden bei der Suche nach einer neuen Lebensform, die mit der Natur im Einklang ist. Sie, die sehr emotional sind, zeigen uns, wie der rationalem Welt die Gefühlswelt gleichwertig zur Seite stehen kann. Entwicklungszusammenarbeit einmal andersherum!
Wir wünschen eine schönen Sommer und alles Gute
Günter Spitzing
Zukunft Irular e.V.