Piet Mondrian, Komposition  No.II, 1930
Piet Mondrian, Komposition No.II, 1930Foto-Quelle: © Sammlung Gemeentemuseum. Den Haag

Piet Mondrian designed by YSL

Volker Barth
Beitrag von Volker Barth

YSL = Yves Saint Laurent, einer der anerkanntesten und berühmtesten Modeschöpfer der Welt geboren am 1. August 1936 in Oran/Algerien. Er würde heute achtundsiebzig Jahre. Aus diesem Grunde schreibe ich diesen Beitrag und verknüpfe ihn mit Piet Mondrian, der Mode, der Kunst und „dem“ Kleid, - Mondrian“-Kleid genannt.

Es ist schon faszinierend wie die Kunst und die Mode sich gegenseitig „befruchten“. Modeschöpfer sind eben auch Künstler und so muss ich einfach an meinen Sb-Beitrag vom 17. Mai 2014 „Anna Risi (Nanna) - Exklusiv Modell bei Anselm Feuerbach und Karl Lagerfeld“ erinnern. Dank und Huldigung an YSL, dass er Piet Mondrian so ehrte und herausstellte und seine Kollektion nach ihm ausrichtete.

Yves Saint Laurent abgekürzt YSL

Ganz besonders liebte YSL die Kunst, umgab sich mit ihr, hatte sogar eine legendäre private Kunstsammlung und gliederte schließlich die „Kunst“ eines Piet Mondrian, Henri Matisse und Pablo Picasso in die jeweiligen Kollektionen mit ein. Dazu passend sein Ausspruch „Die Mode hat nicht ganz den Rang von Kunst. Aber sie braucht für ihren Fortbestand einen Künstler“. Sein richtiger Name lautete: Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent und er lebte von 1936 bis 2008.

YSL schon zu Lebzeiten von der Fachwelt als „Revolutionär“ des Modedesigns bezeichnet, wirkte in der Modewelt stilbildend und wird auch heute noch „als Koryphäe auf dem Gebiet der gehobenen, eleganten Damenmode gewürdigt“. Er begann seine Karriere als Christian Diors Assistent und verkörperte schlecht hin die französische Haute Couture Mode.

Im Jahr 1965 folgten zur Freude der internationalen Modepresse farbenfrohe, geometrisch gemusterte Kostüme im Stil von Piet Mondrian.

Piet Mondrian

Einer der genialsten Pioniere der abstrakten Kunst war der Niederländer Piet Mondrian (genauer Pieter Cornelis Mondriaan), 1872 in Amersfoort geboren.

Er studierte an der Reichsakademie der Bildenden Künste in Amsterdam. Nach seinem Studium experimentierte Piet Mondrian mit Licht, Farbe und Form und begann um 1909 in einem abstrakteren Stil zu malen.

Im Jahre 1911 zog es ihn nach Paris, wo ihn die kubistischen Künstlern Pablo Picasso und Georges Braque stark inspirierten, aber während des Ersten Weltkriegs arbeitete Piet Mondrian in den Niederlanden. Er wurde Mitbegründer von „De Stijl“, einer Kunstbewegung die Malerei, Architektur und Design in Europa sehr stark beeinflusste. Er begann seine eigenen ästhetischen Theorien zu formulieren und benannte seinen Stil und die dazugehörenden Prinzipien „Neoplastizismus“.

Arbeiten von Piet Mondrian aus seiner abstrakten Zeit sind weltberühmt. Abstrakte Künstler - Maler, Bildhauer und Architekten sollten zusammenarbeiten, um eine „neue Welt“ zu schaffen, in der die Menschen in Einklang mit den Gesetzen des Universums leben. Die Formen, die geraden Linien und die Kanten, die zu dieser Philosophie gehören, müssen ganz klar und sauber sein. Die Oberflächen werden in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb und in den Nichtfarben Weiß, Grau und Schwarz gemalt.

Piet Mondrian genauer betrachtet

Alle unnötigen Formen und Farben wurden verbannt, und die Werke waren reduziert auf Flächen von Grundfarben, die durch horizontale und vertikale Linien unterteilt werden. So wird eine ordentliche und ausgewogene „Schönheit“ geschaffen.

Mondrians perfekte Rasterkompositionen mit roten, gelben, blauen und weißen Flächen sind berühmt. Seine strengen Farbkompositionen gehören zu den Ikonen der modernen Kunst. Mondrian reduzierte seine Palette radikal und arbeitete nur noch mit den Primärfarben sowie mit Schwarz und Weiß. Er nennt seine Bilder schlicht Komposition und nummeriert sie fortlaufend. Die Abstraktion war für Mondrian das Überwinden des Matriellen und das Vordringen in eine ideelle Dimension. Entscheidend ist bei Mondrian das Weiß. Die weißen Flächen sind es, die Spannung entstehen lassen. Das scheinbare Nichts und die Leere geben Ruhe und Stille sowie Kraft und Energie. Für Mondrian bedeutet Weiß die Sehnsucht nach einer universellen Harmonie. Weiß, das ist die Gegenstandslosigkeit in Vollkommenheit - eine Unendlichkeit voller Möglichkeiten.

Von Mondrians Kunst geht eine radikale Aussage aus, die jeder versteht: Weniger ist mehr. Gemeint ist damit, dass die Reduktion auf das Wesentliche zu besseren Ergebnissen führt als die Überfrachtung mit „überflüssiger“ Ausstattung.

Während des Zweiten Weltkriegs flüchtete Mondrian nach New York, wo er sich von der Jazzmusik und der dortigen „modernen“ Kunst inspirieren ließ. 1944 musste Piet Mondrian mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus, wo er wenige Tage später verstarb.

De Stijl

Unter diesem Namen gründete sich 1917 in Leiden eine niederländische Künstlervereinigung von Malern, Architekten und Designern und einer Zeitschrift. Wichtige Gründungsmitglieder waren der Maler und Kunsttheoretiker Theo van Doesburg, die Maler Piet Mondrian und Georges Vantongerloo. „Die Gruppe bekannte sich zu einer geometrisch-abstrakten, „asketischen“ Darstellungsform in Kunst und Architektur und einem auf Funktionalität beschränkten Purismus, der ähnlich wie das deutsche Bauhaus, zu dem ideen- und kunstgeschichtlich eine enge Beziehung besteht, Grundsätze für eine auf alle Gestaltungsbereiche anwendbare Ästhetik aufstellte.“ laut Wikipedia.

Yves Saint Laurent

Saint Laurents Kollektionen, die unter seinem Namen präsentiert wurden, galten in den 1960er Jahren als skandalös. So war er einer der ersten Modeschöpfer, der transparente Stoffe (Nude-Look) verwendete. Seine erste, konservativ gehaltene Couture-Präsentation im Jahr 1962 stieß hingegen auf ein gemischtes Echo. Seine konsequente Verwendung von schwarzen Stoffen und die Verwendung des Materials „Jersey“ fand in den frühen 1960er Jahren kaum Gefallen, bis sich auch dieses plötzlich als Trend durchsetzte. Und dann im Jahr 1965 folgten - zur Freude der internationalen Modepresse - farbenfrohe, geometrisch gemusterte Kostüme im Stile von Piet Mondrians Gemälden.

Einen riesigen Einfluss hinterließ 1967 Saint Laurents Kreation des „Hosenanzuges für Frauen“ (Le Smoking), der die weibliche Form zugleich elegant und sachlich zur Geltung brachte und somit total „emanzipatorisch“ wirkte.

In einem Film berichtet Pierre Berge, Yves Lebensgefährte: „Es waren Etui-Kleider aus Jersey, auf die Farbe aufgetragen wurde und millimetergenau fixiert. Nicht eine Naht, kein Zuschnitt, kein Abnäher für die Brust - nichts was hilft, dass das Kleid gut sitzt. Das Kleid schmiegt sich an die Hüften, an die Brust und sehen sie sich die Frauen in den Kleidern an, es sitzt perfekt. Drei Löcher für die Arme und den Kopf, das ist alles ... und ... da habe ich es verstanden, das es funktioniert, denn das Problem in der Mode, das sind die Ideen, vor denen muß man sich in Acht nehmen, davon gibt es immer zu viele. Die Idee alleine ist komplett unwichtig, sie muß eine Entsprechung haben, sie muß der Zeit entsprechen, der Ära, den Frauen und ihren Körpern“.

... und noch etwas Interessantes

Die größte „Mondrian-Kollektion“ der Welt befindet sich im Städtischen Museum Den Haag. Die Entwicklung Piet Mondrians von seinen frühen Jahren in Amsterdam bis zu seinen letzten Jahren in New York ist hier dokumentiert.

„Victory Boogie Woogie“, Mondrians letztes Gemälde (leider unvollendet), ist hier zu sehen. Wie „perfekt“ wäre es nur, wenn auf unserem gezeigten Foto ein Mannequin in einem YSL-Mondrian-Kleid - „Boogie-Woogie“ tanzen würde ...

Links:

(Piet Mondrian - Biografisches)
http://www.kunst-zeiten.de/Piet_Mondrian-Leben

(Gemeentemuseum Den Haag)
http://www.holland.com/de/tourist/ar...haag-10.htm

(De Stijl)
http://www.kunst-zeiten.de/De_Stijl

(Modedesign)
http://de.wikipedia.org/wiki/Modedesign

(Haute Couture)
http://de.wikipedia.org/wiki/Haute_Couture

(Yves Saint Laurent, die letzte Show)

(YSL - Filmclip)
http://www.ysl-film.de/