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Schreibwerkstatt ---  Licht
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Schreibwerkstatt --- Licht

Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Schmetterling.
Es war ein langer Winter. Nun naht der Frühling. Zaghaft entfalten sich die ersten grünen Blätter. Am Waldesrand unter einem Blatt klebt versteckt eine Raupe. Es ist ein primitives Geschöpf. Schwerfällig, unaufhörlich fressend bewegt sie sich langsam voran.
Etwas geschieht mit ihr. Nach und nach streift sie eine Haut nach der anderen ab. Es wird März, April --- und dann beginnt das Wunder. Aus der Verpuppung löst sich an einem warmen Frühlingstag ein Kohlweissling. Ein schmaler, schlanker Körper, mit verhältnismäßig großen, weissen Flügeln, die am Rand schwarze Spitzen haben, flattert schaukelnd und schwebend im Sonnenschein. Es ist ein Bild, das Lebensfreude ausstrahlt, hervorgerufen von Licht und Wärme. Das filigrane Geschöpf flattert von Blüte zu Blüte und ernährt sich von den Säften der Blumen.

Eine junge Frau mit ihren zwei 6 und 8 Jahre alten Töchtern geht am Wiesenrand entlang. Auch die kleine Familie erfreut sich an dem blauen Wiesenschaumkraut und an den roten Mohnblumen. "Mami schau mal, die schönen Schmetterlinge, sie tanzen." Die kleine Eveline hüpft fröhlich umher und versucht vergebens einen Schmetterling zu fangen. Der Mutter kommt eine Idee. Ihre Grosse bewegt sich zu wenig und wiegt deshalb ein paar Pfund zu viel. Sie nimmt ihr Töchterchen an die Hand und fragt: "Möchtest du auch so schön tanzen können wie die Schmetterlinge?" "Oh, ja kann ich das lernen?" ist die Antwort. Einige Tage später werden beide Mädchen in einer Ballettschule angemeldet. Die kleine Iris hat keine Ausdauer und hört bald wieder auf. Evelin dagegen erzählt ihrer Lehrerin schon in der dritten Übungsstunde : " Ich möchte so tanzen können, wie ein Schmetterling". Nun weiß die junge Frau, wie sie das Kind motivieren kann.
Schon bei der nächsten Weihnachtsfeier tanzt Evelin als kleiner Zitronenfalter, der vom Sommer übriggeblieben ist, im Rampenlicht über die Bühne. Sie ist sehr talentiert und wird dementsprechend gefördert.

Die Jahre vergehen und es ist wie bei den Schmetterlingen. Nach und nach wird sie groß und schlank. Die Proportionen passen sich an und sie entpuppt sich zu einer aparten Schönheit. Grazil und schwerelos, in einem sehr knappen Schmetterlingskostüm, schwebt sie bei ihrer Abschlußprüfung über die Bühne. Der Beleuchter kennt jede ihrer Bewegungen. Sein kreisrunder Bildschirm folgt ihren Sprüngen und Hebefiguren. Es folgen noch zwei Ausbildungsjahre in St. Petersburg, die ihr Können vervollkommen. EVE, so nennt sie sich nun, ist eine begehrte Primaballerina und tanzt auf allen großen Bühnen der Welt.
Die Zeitungen bejubeln sie und schreiben: "Dieser PAPPILON hebt die Schwerkraft auf."

Nach 5 Jahren ist auch dieser zauberhafte Schmetterling müde. In München gibt sie ihre Abschiedsvorstellung. Der Beifall klingt noch in ihren Ohren, als die Reporterin sie fragt: "EVE, werden ihnen die Bühnen mit den Scheinwerfern nicht fehlen?" Ein stahlharter Blick trifft sie, aber die Antwort ist freundlich wie immer. "Ich habe in den vergangenen Jahren nicht nur tanzen gelernt. Unermüdliche Arbeit und eiseren Disziplin haben meinen Charakter geprägt. Jetzt wird die Sonne, das natürliche Licht, meine Wege erhellen. Es wird sich keine Depression einstellen."

Eine Woche später liegt Eveline auf ihrer Terasse im Liegestuhl und liest eine Illustrierte. Ihre Freundin Mona serviert ihr ein Glas Waldmeisterbowle und schaut über ihre Schulter. Ein helles Lachen ertönt. "Ich wusste garnicht, dass du sooo klug bist." In fetten Großbuchstaben stand dort:
WO LICHT IST, - IST AUCH SCHATTEN
sagte unsere EVE nach ihrem letzten Auftritt am Sonnabend.
Evelin lächelte spöttisch und sagte: "Ja, da staunst du, vielleicht wusste die Dame das noch nicht. Aber lass nur, das Foto ist gelungen und ich bin froh, dass sie nicht über meine lädierten Gelenke geschrieben hat.
Tröstend legt Mona ihre Hand auf die Schulter der Freundin und sagt um sie abzulenken: "Evi, in der nächsten Woche beginnen die Sommerferien. Dann kommt deine Schwester Iris mit ihren drei Rangen. Überleg schon mal, wie wir die beschäftigen. Vielleicht hat ja eins von den Kindern auch Talent zum tanzen und wird dann deine erste Schülerin.
In einem Jahr ist der Anbau fertig. Bis dahin haben wir auch alle Genehmigungen , und du kannst deine Ballettschule eröffnen." "Ja, aber nur wenn du die Büroarbeit übernimmst", antwortet Evelin. Nachdenklich schaut sie über die Wiese und sagt: "letzte Nacht habe ich geträumt. Über der Eingangstür stand in großen Lettern PAPPILON. Drei bunte Schmetterlinge aus Metall waren an der weissen Hauswand befestigt. Was hältst du davon, oder ist das kitschig? "Nein, nein - Kinder lieben bunte Farben. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen. Besser ein wenig Kitsch als so ein vornehmer Kulttempel. Sie sollen zwar auf Zehenspitzen tanzen, aber nicht vor Ehrfurcht." Evelin`s Augen strahlen, spitzbübisch bemerkt sie noch: " Meine Frisur bleibt auch so locker, nie wieder einen strengen Primaballerina Knoten.


19 Kommentare

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Liebe Marga,
mir gefällt an deine Geschichte das du die Klugheit der Mutter zu Beginn setzt. Ihre Idee wurde zum Meilenstein für Evi.
Ebenso gefällt mir der Bogen der davon erzählt, dass man, wenn eine Geschichte zu Ende ist nicht verzagen muss, sondern auf dem Aufbauen kann was das Leben geprägt hat.
Übrigens ist der Schmetterling auch ein Symbol für die Wandlung des Menschen wenn er diese Erde verläßt. (bei Kübler Ros nachzulesen)
Marga, eine Geschichte mit Tiefgang zum Nachdenken, aber auch träumen
Danke Margarethe für diesen lieben Kommentar. Drei Bücher von Kübler Ross stehen auch in meinem Bücherschrank. Die Geschichte ist ja schon älter, aber ich dachte man kann sie gut nochmal lesen.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende und schicke liebe Grülße.
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Hallo Marga, ja ich habe mich an die Geschichte erinnert. Man könnte ja direkt sentimental werden, wenn man all die Namen liest, die inzwischen nicht mehr dabei sind Weißt du was aus Günter geworden ist? Du hast recht, die Erzählung passt gut in den Mai
Lieben Gruß - Ursula
Liebe Ursula, so ging es mir auch, als ich die Kommentare von 2014 gelesen habe. Nein nachdem Günter`s Lebensgefährtin verstorben war hörte ich nichts mehr. Hier wurde noch an seine Geburtstage erinnert. Ich denke er ist Offline.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag.
Danke Marga, ein sehr ruhiger Sonntag liegt hinter mir, inzwischen warte ich auf die angekündigten Gewitter, nur ein paar Tropfen sind bis jetzt gefallen, mal sehen was noch kommt. Ich hoffe du wohnst nicht in einer Gegend, die mit Unwetter zu rechnen hat.
Dir noch einen ruhigen Abend u. liebe Grüße
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Liebe Lore,
Du hast eine wunderbare Geschichte mitreissend erzählt. Bist Du Tänzerin (gewesen), weil Du Dich so gut auskennst?
Liebe Grüße, Inga
Danke Inga, du hast dich vertan ich heiße Marga. Lore hat auch einen Komentar geschrieben, da bist du wohl etwas durcheinander geraten. Zu deiner Frage: Nein mit Tanzen hatte ich nie etwas zu tun. Ich lese nur sehr viel alles mögliche, und da bleibt irgendwas immer hängen. Ich warte schon gespannt auf das nächste Thema. Liebe Grüsse
Oh Marga,
bitte entschuldige. Alles, was ich geschrieben habe, gilt natürlich Dir, ich habe mich einfach im Namen vertan. Sorry!
Liebe Grüße, Inga
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Hallo Marga, eine schöen Geschichte und ein guter Vergleich, wie sich aus der Raupe der Schmetterling und aus dem kleinen Mädchen die große Ballerina entwickelt. Und so ein runder Abschluss...gefällt mir sehr gut, lieben Gruß Cara!
danke Cara. Die Geschichte hat sich irgendwie von selbst entwickelt. Liebe Grüße
ich glaube das sind die besten.....lg cara
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Marga Deine Geschichte hat bewundernswert gezeigt, wie vielfälltig sich das Thema Licht gestalten lässt. Dir ist das wunderbar gelungen!
Danke, Ursula ich freue mich über dein Lob
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Noch vom Lesen beeindruckt, es ist eine wundervolle Geschichte , dargestellt von der Entwicklung der Raupe, einem kleinen Mädchen und dann zur Primaballerina.: wo Licht ist-- ist auch Schatten. Toll geschrieben großes Lob.
Danke, Günter die Geschichten entwickeln sich irgendwie von selbst. Eigentlich habe ich gar keine Erfahrung. Man ist scheinbar nie zu alt um noch was Neues anzufangen.
Da hast Du vollkommen recht Marga, ich werde im Februar 80zig und beteilige mich an der Schreibwerkstatt, hätte ich vorher auch nie gedacht, dass ich nochmal anfange zu schreiben. Schönen Abend noch und liebe Grüße Günter
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Hallo Marga, was für einen Bogen, den Du da gespannt hast. Immer wieder das Licht und der Schmetterling. Schön erzählt. LG Eva
Danke, Eva ein Lob kommt immer gut an.
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