Schwammerlzeit

Beitrag von wize.life-Nutzer

Jetzt wachsen sie wieder die edlen Steinpilze

Gerard Zacher erzählte bei Kneipp über die Schwammerlkathl vom Lallinger Winkel

Deggendorf --Mit den beliebten Schwammerln befasste sich aus
aktuellem Anlaß der Kneippverein. Kneippvereinsvorsitzender Gerard
Zacher berichtete vom diesjährigen Fund und erzählte manches von der
Schwammerlkathl vom Lallinger Winkel, wie es früher war.

In den letzten Tagen lag über den Wäldern schon leichter Nebel am Morgen über den Wäldern und es war zunehmender Mond, da schossen die herrlichen Steinpilze aus dem Waldboden, besonders in den höheren Lagen des Lallinger Winkels -wobei die Schwammerlsucher freilich viele Hindernisse mit liegenden Bäumen zu überwinden hatten. Gerard Zacher winkte das Schwammerglück und er präsentierte Stolz die Ausbeute.

Das erinnert - so führte Kneippvorsitzender Gerard Zacher aus - an frühere Zeiten, in denen die Schwammer-Suppn oder Schwammerlbrühe ein Festessen für ärmere Leute war. Die Schwammerlkathl vom Lallinger Winkel - eine rescheund resolute, über Schwammerl sehr kundige ältere Frau nannte ihre Leibspeis einfach Schwammerlschmarn , sie löschte gemischtePilze mit angerösteten Zwiebeln gemischt mit Essig ab, bestäubte sie mit etwas Mehl, goss wenig Brühe darüber und lies das ganze köcheln bis es dickig wurde, Salz oder ihr geliebtes Maggi /auch als Maggikraut durfte neben Pfeffer dabei nicht fehlen.Dann schlug sie frische Eier darüber und röstete das ganze. Petersilie rundete ab. Dazu aß ‘sie als „Schlepf“ saftiges Bauernbrot in sauere Ziegenmilch eingebrockt. Beim Schwammerlgulasch -ohne Eier- ließ sie die Brühe flüssiger, fügte etwas saueren Rahm und einige Bröckerl vom Gselchten dazu, ferner rundete sie es mit weiteren Küchenkräutern ab. Wenn die Kathl nur wenig von den begehrten Schwammerln fand, dann bereitete sie eine einfache Schwammerlsuppn zu, die sie mit gelben Rüben und gekochten Kartoffeln verlängerte. Seltene Besucher bekamen davon auch jeweils was ab,
denn neidisch war sie nicht, wenn auch mißtraurisch. So verriet sie
niemanden ihre besonderen Schwammerlplätze, auf die sie schwor und
nach Jahreszeiten einteilte.

„Die Schwammerl sind eine eigene Welt -weder Pflanze noch Tier“, sagte
sie geheiminsvoll, erzählte Gerard Zacher weiter.Und sie hatte sich ein eigenes Schwammerbuch von ihrem kargen Lohn gekauft und sie erzählte: Die edlen Schwammerl vermehren sich durch mikroskopisch kleine, widerstandsfähige Zellen, den Sporen.Durch ihre Kleinheit weden sie leicht durch den Wind ver- frachtet, worauf sich auch die meinsten Schwammerl verlassen, in dem sie die Sporen einfach fallen lassen. Es gibt jedoch auch andere Strategien. So schiesst der nur wenige Millimeter große Kugelschneller eine senftkorngroße Sporenkugel durch hörbaren Knall mehrere Meter weit durch die Luft. Die giftigen Arten werden durch die Vielzahl der Speisschwammerl mehr als aufgewogen, betonte das Schwammerweibl. Wer aus Angst vor Vergiftungen, die jedoch nicht zu unterschätzen sind, auf den Genuss von herrlichen Waldschwammerln verzichtet, dem entgeht was, sagte die Kathl immer wieder. Schwammerl seien wahre Minichemiefabriken. Sie wußte auch einige, die cholesterinsenkend wirken, andere sollen gar das Wachstum von Tumoren hemmende Stoffe enthalten, was aber nicht nachgewiesen ist. Sie verwies auch auf den besonderen Duft der Schwammerl hin, allein daran erkenne sie die meisten. Wer sich nachts in den Wald traut, dem kann es passieren, dass er Stellen am Waldboden begegnet, die in einem grünlichen Licht leuchten. Es sind dies vom Myzel des Hallimasch durchwachsene Holzstücke. Das Leuchten ist manchmal so hell, dass man früher vonWaiaz redetete, manche benutzten das auch als Wegmarkierung im Wald.

Die Schwammerkathls empfand die Erkundung der reichen Schwammerl-
welt aufregend und sie gab das gerne auch weiter, führte Gerard Zacher
aus. . Sie ging dabei vorsichtig und umsichtig um und sie
warnte: „Wenn die Schwammerl jemand sieht, wachsen sie nicht mehr“.
Das Schwammerlsuchen war für sie eine Leidenschaft, die sie gierig
machte, gierig, etwas zu versäumen. Beim Schwammersuchen kann man
die Sinne auf Trab bringen: Man muss genau schauen, unterscheiden,
riechen, tasten, schmecken - und darf sich nichts entgehen lassen.
Schon beim Betreten eines Waldabschnittes erkannte sie: „Da wachsens,
die Schwammerl“ oder „da gibts Rotkappn“. Wenn sie einen Schwammerl
endeckte, blieb sie stehen, bewunderte die atemberaubende Schönheit
und verwies auf die nicht seltene Tarnung, die ihn vor den Zugriff der Menschen bewahren sollte.

Die Kathl kannte -so Gerard Zacher - fast alle essbaren Bayerwald-Schwammerl, nahm aber nur wenige Arten mit, sie erging sich nicht in der Menge, sonder schaute auf Qualität und „richtiges Zusammenstehen“. Manche Schwammerl verlangten auch eine richtige Behandlung, um sie essen zu können. In jedem Falle müsse man genau hinschauen, bevor man sie herausdreht. Einige, so der bekannte Knollenblätterpilz wirken absolut tödlich. Falsch sei auch, dass an giftige Schwammerl keine Schnecken gehen, diese seien für manche Tiere sogar Leckerbissen. Im übrigen können alle Schwammerlim Alter und durch zu langes Liegen eventuell giftig werden und zwar durch Zersetzung ihrer Eiweißstoffe.

Zornesröte stieg bei ihr auf, wenn Schwammerl umgestossen wurden,wohl um kenntlich zu machen, dass schon jemand vorbeige-
gangen ist und diese Schwammerl für wertlos ansah. Gerard Zacher richtete an die diesjährigen Schwammerlsucher den Appell, dies zu
beachten. „Alle Schwammerl sind wunderbare Gottesgeschöpfe“, sagte sie bei dieser Gelegenheit und still fügte sie hinzu,dass sie bei jedem Schwammerfund bete: „O Herr gibt den armen Seelen die ewige Ruhe“. Das sei dann auch zugleich eine gute Tat. Das Schwammerlweiberl hatte die richtige Ausrüstung dabei, einen offene Korb und ein scharfes Messer. Zuhause schnitt sie sorgfältig auf und trocknete sie an langen Schnüren vor ihrer Hütte. Sie gab auch gerne Tipps, die zu beachten sind, damit der
Schwammerlsack später nicht „lebendig“ wird. Den Ausführungen von
Zacher schloss sich eine rege Diskussion an. gz

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