Leonard Cohen 2008
Leonard Cohen 2008Foto-Quelle: Rama unter https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/

Leonard Cohen zum Geburtstag: Ein Halleluja dem Hohen Priester der Melancholie

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Ein Halleluja zum 80. Geburtstag. Ein Halleluja an Leonard Cohen. An den kanadischen Pop-Poeten, Filmusiker, Lyriker und Schriftsteller, der uns mit seinen Songs in schwüle Traumwelten von Liebe und Hass, von Sehnsucht und Eifersucht entführte. Wie kein zweiter in der Popwelt wandelt er auf schmalem Grad zwischen Kitsch und großen Gefühlen.
Und kaum einer versteht es so treffend Melodie, Rhythmus und Text in ein Ganzes zu fügen. Ach wie herrlich lässt sich mit Leonard Cohen der Weltschmerz ausleben. Den verflossenen Lieben nachtrauern und in honigsüßer Erinnerung baden.

Philosophischer Durchdringer


Leonard Cohen pflegt nach wie vor seine Identität als Außenseiter, an dessen Lippen seine Gemeinde hängt. Bisweilen erinnert er mich an Steve Jobs im schwarzen Outlook der Intellektuellen der 60er Jahre, der Existentialisten und philosophischen Durchdringer. Ungeheuer erfolgreich, nicht angepasst und stilprägend. Wie anders ist zu erklären, dass gerade sein Hit „Halleluja“ (und vielleicht nicht sein bester) einst von der Plattenfirma als zu süß und kitschig abgelehnt wurde? Dann von Bob Dylan aufgenommen und geadelt wurde und seitdem über 300 Coverversionen erlebte. Im Kinofilm „Shrek“ wurde der Song gespielt und heute bei Hochzeiten wie Beerdigungen.

Seine Botschaft heißt Sehnsucht


Leonard Cohen erfindet sich immer wieder neu. Seinem Stil und seiner Botschaft ist er treu geblieben – ob er nun sich in ein Zenkloster zurückzieht oder wieder auf Tour geht, dem erotisierenden Charme seiner tiefen Stimme, der intellektuellen Tiefe seiner philosophischen Lebensweisheiten kann man leicht erliegen. Es sind neue Pforten der Wahrnehmung, die sich öffnen. Nicht sofort beim ersten Hören, nicht immer zu jeder Zeit. Die persönliche Befindlichkeit ist der Nährboden, auf dem seine Lieder und Texte ihre Wirkung entfalten. Dazu die spärliche Instrumentierung, ohne Bombast – Gitarre, Streicher, Chor. Der Frankokanadier weiß seit Jahrzehnten seine Messe zu zelebrieren, die da heißt Sehnsucht. Halleluja, sag ich und singe still vor mich hin: Suzanne takes you down to her place near the river , You can hear the boats go by..

Und war es nicht Haruki Murakami der sich an „So, long Marianne“ erinnerte, die Cohen auf der griechischen Insel Hydra kennenlernte und ein musikalischen Denkmal setzte. Während bei Murakami in Sputnik Sweetheart diese Bilder wieder auftauchen.