Das Land der Verdrossenheit?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Wir leben in Deutschland und wer mit offenen Augen durch die Innenstädte geht, sieht viele
Leute, die ein so verbittertes Gesicht machen, als ginge gleich die Welt unter. Dabei würde ein Großteil der Menschheit liebend gerne hier leben. Und leider haben auch ältere Mitbürger
einen derart ruppigen Ton drauf, der das Wort bitte nicht kennt. Wegen der kleinsten Kleinigkeit
wird rumgemeckert. Hinzu kommt eine verbreitete Rechthaberei und die Pflege von Vorurteilen, dass es einen graust. So war ich ehrlich bestürzt über die Zuschrift einer Dame, die das Angebot von Seniorbook mit einer absolut unsäglichen Gehässigkeit niedermachte. Nun ist Kritik nichts
negatives, doch kann man immer noch Form und Stil wahren und auch Vorschläge einbringen,
wie man es besser machen könnte.

Dumm, dümmer, Rechthaber

Nun wäre es absolut unsinnig, wenn alle Leute einer Meinung wären. Es kommt eben oft auf den Standpunkt an. 10 Haare in einer Suppe sind etwas viel, auf dem Kopf aber eindeutig zu wenig.
Deshalb ist ein harter Meinungsaustausch auch sinnvoll und kann gewinnbringend sein.
Aber dazu gehört auch der Respekt vor anderen Ansichten. Nehmen wir nur ein Beispiel,
welche Medizin besser ist? Da gibt es Verfechter der Naturheilkunde, die mit tödlicher Gewissheit
auf diese Methode schwören und die Schulmedizin verdammen. In anderen Kulturkreisen würde man über eine solche Diskussion nur lachen. Dort lebt man nach dem Prinzip, man vertraut auf das, was einem am besten hilft. Aber darüber braucht man nicht zu streiten, weil es jeder selbst
entscheiden muss. Die großartigen griechischen Denker wussten schon, jede Münze hat zwei
Seiten. Das Auto ist bequem, es kann aber auch gefährlich sein. So bleiben einem immer nur
Kompromisse übrig und die offenen Bereitschaft dazu. Jedenfalls: wer mit dem Kopf durch die Wand will, gefährdet nicht nur die Wand.

Toleranz ist angesagt

Gerade für Senioren wird es künftig darauf ankommen, den Hang zur Sturrheit zurück zuz nehmen.
Denn entweder gelingt es ihnen ihre Meinung zu überprüfen oder sie bleiben ein Haufen von Streithammel , wegen nichts und wieder nichts.
Man braucht kein Hellseher zu sein um eine Prognose für die Zukunft zu stellen: Deutschland
ist am Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und sozialen Blühte. Der internationale Wettbewerb wird härter, unsere von Presse und Justiz geprügelten Unternehmer verlieren zusehens die Lust zu investieren und neue Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen, die Sozialsysteme sind an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Vor allem das Gesundheitswesen wird unbezahlbar. Da ist die Diskussion über Wartezeiten für Kassenpatienten nur ein Treppenwitz.

Im ehemals vorbildlichen Sozialstaat Schweden, werden beispielsweise Patienten über 70 Jahren keine neuen Hüften mehr eingesetzt, ausser man beszahlt es aus eigener Tasche. In Holland kommen Zimmer mit 4 bis 10 Betten wieder in Mode. Dort gibt es die "Bürgerversicherung", die einige Politiker auch hier gerne hätten. Sie sieht vereinfacht so aus:
der Kranke bekommt, die notwendigste Versorgung, will er etwas mehr, muss er einen Berg von privaten Zusatzversicherungen vorweisen oder selbst bezahlen. Der Trend, den Staat mir immer neuen Aufgaben zu überfrachten, fährt das gesamte System an die Wand. Nebenbei, zahlen muss
letztlich vor allem die Facharbeiterin oder der mittlere Angestellte, denen bei jeder Lohnerhöhung der Großteil für die Steuer wieder weggenommen wird.

Kampf der Generatonen

In diesem Klima kommt es sicher zu einem verschärften Verteilungskampf und hier stehen die
Senioren als heillos zerstrittenen Haufen dar, über den die poltischen Entscheider nur herzhaft lachen. Zugegeben, nicht alles was aus den USA kommt, ist gut, aber es gibt auch Dinge die
überlegenswert sind. Dort haben innerhalb weniger Jahrzehnte bis heute 39 Millionen Menschen ab 50 Jahren ihre eigenen Befindlichkeiten in die zweite Reihe gestellt und sich einem Verband angeschlossen, der nur eines im Sinn hat: die Rechte dieser Generation zu verteidigen. Da gibt es keine Parteien mehr, sondern nur noch die wichtigsten gemeinsamen Belange. Wenn in einem
Pflegeheim begründete Missstände bekannt werden, wird dies auf der dortigen Internet-Plattform, - Seniorbook wäre durchaus vergleichbar - veröffentlicht. Da kann man sich die ganze bürokratische Heimaufsicht sparen, die ihre Kontrollen schon Jahre vorher androht. Vor diesem Verband zittert die Politik, vor allem ihrem wichtigen Sprachrohr, der Internet-Zeitschrift.
Mit kleinkarierter Nörglerei, giftiger Verdrossenheit kommt man nicht weiter. Einfluss gewinnt
ein Verband nur durch seine Stärke und das ist eben eine große Zahl von Mitgliedern und Wählern.
Und sei es wie in den Staaten nur ein lokerer Verband, kein Verein mit allen Statuten, der seinen Zusammenhalt über eine Medium findet - in unserem Zeitalter im Internet.

Karl Jörg wohlhüter