Pierre-Auguste Renoir, Bal au Moulin de la Galette, 1876
Pierre-Auguste Renoir, Bal au Moulin de la Galette, 1876Foto-Quelle: gemeinfrei

Pierre-Auguste Renoirs “ART“-Alternative zum Oktoberfest:

Volker Barth
Beitrag von Volker Barth

„Bal au Moulin de la Galette (Der Tanz im Moulin de la Galette) von 1876. Das Ölgemälde ist ohne Zweifel ein Prachtstück der impressionistischen Malerei und wurde von dem französischen Maler Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) gemalt. Es hat ein Format von 131 mal 175 Zentimeter und hängt im Musee d‘Orsay, Paris.

„Feste feiern ist besser als feste arbeiten“ dieser „kalauerhafte“ Sinnsatz steht eigentlich über all den vielen, spätsommerlichen Volksfesten - ob den Cannstatter Wasen oder dem Münchner Oktoberfest, volkstümlich auch „Wiesn“ genannt. Das erste Münchner Oktoberfest fand anlässlich der Hochzeit zwischen Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese 1810 statt und war ein Pferderennen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das „Oktoberfest“ immer mehr zu einem weltberühmten Volksfest. Allerdings wurde es wegen der zumeist schönen und warmen letzten Tagen des Altweibersommers in den September vorverlegt, so ist das letzte Wiesnwochenende das erste im Oktober.

Ein farbenfrohes "impessionistisches" Vergnügen

Das 200jährige Jubiläum war der Grund für die „ideale“ Idee eine „Oide Wiesn“ (ein historisches Oktoberfest zusätzlich) am Südende der Münchener Theresienwiese aufzubauen - auch in diesem Jahr. Ob man es glaubt oder auch nicht, das Oktoberfest gestaltet sich immer mehr zu einem Kostümfest im Trachtenlook - das Dirndl und die Lederhose sind Trumph!

Genau so volkstümlich ging es in dem Pariser Gartenlokal-Trakt des „Moulin de la Galette“ zu. Es war eine beliebte Tanzstätte, wo sich Textil- und Modearbeiterinnen und einfache Industrie-Arbeiter im „Ausgeh-Zwirn“ trafen. Sie tanzten Quadrille, Walzer oder Polka, schwatzten und genossen das einfache Leben und den Frieden. Es wurde abgeschaltete und von Politik wollte man nichts hören, denn der Krieg mit Deutschland 1870/71 war endlich vorbei - die Entbehrungen der Parisbelagerung und die Schrecken der Kommune gehörten nun der Vergangenheit an. Das Bedürfnis nach Vergnügen war jetzt besonders groß.

Windmühlen über Paris

Damals spazierte man (von Stadtmitte Paris ca. eine Stunde) auf den Hügel Montmartre (wurde 1860 eingemeindet). Es ist der höchste Punkt (130 Meter) und hatte entgegengesetzt zur Metropole Paris eine „gute“ Luft, alles war hier wie in einem kleinen Dorf, kaum Geschäfte, viele Gärten, Felder und Weiden - und im Jahre 1876 waren da noch zwei Windmühlen. Sie hatten die Namen „Le Blute Fin“ (1622 erbaut) und „Le Radet“ (1717 gebaut) - beide gehören bis heute zum „Moulin de la Galette“-Komplex und befinden sich in der Oberen Rue Lepic. Seit Generationen sind sie im Besitz der Familie Debray (um 1776 gab es hier zwölf Mühlen). Als Hinweis: Der Grundstein für die markante Basilique du Sacre-Coeur de Montmartre wurde erst 1875 gelegt und die Fertigstellung erfolgte 1914.

Übrigens haben die Müller des Montmartre schon immer ihren Besuchern (Gästen) Getränke (Milch), aber auch Wein angeboten - dazu wurden flache, schmackhafte Fladen aus Roggen gereicht, „Galette“ genannt. Das Mehlmalen auf dem Montmartre wurde unrentabel und so baute man kurzer Hand die Mühlen zu einer „Pariser Aussichtsplattform“ um. Und direkt daneben wurde 1860 ein öffentliches Tanzlokal „bal populaire“ eröffnet. Für vier Sous Eintritt spielte dann eine „fleißige“ Tanzkapelle an Sonn- und Feiertagen von 15 bis 23 Uhr.

Auf dem Montmartre ging es "rund"

Am Wochenende und in den Abendstunden (schon Gaslaternen beleuchteten die Tanzfläche) vergnügten sich hier Arbeiter, einfache Leute und junge Künstler, aber auch gewisse „Herren“, die aus der Metropole Paris heraufkamen und ihre „Mädchen suchten“ und „fanden“. Ja, ja in Paris und speziell auf dem Montmartre, ging es ganz schön „rund“.

Diese „Institution des Pariser Lebens“ entdeckten als Motiv so berühmte Maler wie: Henri de Toulouse-Lautrec, Vincent van Gogh, Pablo Picasso, und Pierre-Auguste Renoir.

... wie auf dem Oktoberfest

Zu diesem allem paßt ganz genau - nicht nur visuell - Pierre-Auguste Renoirs Fest-Gemälde. Dem Maler gelang ein anmutiges und sensibles Einfangen von Heiterkeit und einfachen Freuden, es herrscht Harmonie, Sorglosigkeit und Beschwingtheit. Aus Renoirs Aufzeichnungen und Skizzen geht hervor, dass für das Gemälde folgende Angehörige und Freunde posierten: die Schwestern Estelle und Jeanne Margot, Franc Lamy, Georges Riviere, Marguerite Legrand und Petro Vedel (die beiden Tänzer links).

Renoirs Gemälde scheint eine zufällige „Impression“ zu sein, aber es ist eine durch und durch komponierte und geplante Komposition. An die vorne abgrenzenden Bank- und Stuhlreihen schließen sich kreisförmige Einzelgruppen an. Blickkontakte verbinden sie oder aber stellen einen Bezug zum Betrachter (Außenwelt) her. Die weißen Laternen bilden ein Koordinatennetz auf der Bildfläche. Die gleichmäßig verteilten Farbflecken korrespondieren miteinander und schaffen eine Einheitlichkeit in einem farbenfrohen Durcheinander.

In dem Motiv stecken sechs Monate intensive Arbeit

Pierre-Auguste Renoir fertigte zahlreiche Freilicht-Skizzen und -Zeichnungen an, die er aber dann im in der Nähe gelegenen Pariser Atelier, in der Rue Cortot, weiter ausarbeitete. Sein Werk „Der Tanz im Moulin de la Galette“ wurde die Haupteinsendungen zur dritten Impressionisten-Ausstellung im April 1877.

Zum Schluß: Wäre zufällig Pierre-Auguste Renior im Jahre 1876 in München auf dem Oktoberfest gewesen, so hätte er das hiesige Treiben ebenfalls in einer farbenprächtigen Impression „geschildert“.

Links:

(Oktoberfest)
http://www.muenchen.de/veranstaltung...erfest.html

(Pierre-Auguste Renoirs Biografie)
http://www.kunstmuseumbasel.ch/uploa..._Renoir.pdf

(Pierre-Auguste Renoirs Werke)
http://www.kunstkopie.de/a/pierre-au...renoir.html

(Impressionismus)
http://de.wikipedia.org/wiki/Impress...us_(Malerei)

(Montmartre)
https://www.airbnb.de/locations/paris/montmartre

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