Buchtipp: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do (von Adam Johnson)
Buchtipp: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do (von Adam Johnson)

Buchtipp: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do (von Adam Johnson)

Thomas Bily
Beitrag von Thomas Bily

Dieses Jahr erlebte ich eine Führung durch das ehemalige Stasigefängnis in Hohenschönhausen. Der Führer, ein ehemaliger Häftling, wies darauf hin, dass die Methoden in Nordkorea wohl alles bisher Dagewesene sprengen würden, was angesichts der menschenverachtenden Methoden der Stasi unglaublich scheint. Dann entdeckte ich dieses Buch von Adam Johnson mit dem Titel "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do". Die Geschichte spielt in Nordkorea und Johnson erzählt sie in einem Stil, der mich erinnert an den "Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand". Spannend, mit viel skurrilem Humor, der dem Ernst der Lage vor Ort den Schrecken nimmt und trotzdem die Bedrohung jederzeit mitfühlen lässt.

Absurd wie der Sozialismus in Nordkorea

Ohne Humor kann man die absurden Ausartungen des nordkoreanischen Systems nicht ernsthaft erzählen und vor allem nicht lesen. Was zwischen den Zeilen an Brutalität und Entmündigung vermittelt wird, reicht immer noch, um einem das Land als fremden, fernen Planeten vorkommen zu lassen.

Dass Nordkorea und seine Kims doch auf dem gleichen Planeten leben, zeigte mir eine Dokumentation im Rahmen des auslandsjournals. Ein Gipfel gelebter Propaganda. Und doch so hilflos und arm. Wer sich für dieses Land interessiert und ein Gefühl bekommen will für das Leben in der letzten, abgeriegelten Bastion des Kommunismus, der erlebt mit Johnsons Buch eine guten Einstieg.

War einer von euch schon mal in Nordkorea oder hat persönliche Erfahrungen mit Land oder Leuten gemacht?