Wollte immer gute Laune verbreiten: Lou van Burg.
Wollte immer gute Laune verbreiten: Lou van Burg.Foto-Quelle: Screenshot aus: http://www.retro-tv.de/folge-80:3

Heitere Fernseh-Legende: "Der goldene Schuß" mit Lou van Burg

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Hier geht’s um einen Mann, der im Fernsehen der frühen Jahre gleichsam barocke Figur machte. Wohlgenährt, sinnenfroh und schwungvoll unterhielt uns der Charmeur Lou van Burg, gern auch familiär „Onkel Lou“ oder „Mister Wunnebar“ genannt.

Die mit Abstand erfolgreichste Show des Holländers war von 1964 bis 1967 „Der goldene Schuß“ im ZDF. Was sich heute wohl kein Fernsehmacher außerhalb der Kulturkanäle trauen würde: Vorbild für die Spielidee war der dramatische Apfelschuss aus Schillers „Wilhelm Tell“. Während viele andere deutsche TV-Erfolge ausländische Vorbilder hatten, war „Der goldene Schuß“ ein deutscher Exportschlager.

Fast schon "interaktiv"

Die Regeln der Show waren allerdings teilweise so umständlich, dass Lou van Burg manchmal selbst ins Schlingern geriet. Im Kern ging es um Geschicklichkeitsspiele, etliche Gesangseinlagen (zu denen auch der Showmaster beitrug) und - vor allem - ums möglichst zielsichere Schießen mit der Armbrust.

Für damalige Verhältnisse ziemlich modern: Ausgewählte TV-Zuschauer konnten von daheim Kommandos geben („rechts, links, höher...“), die ein Kameramann so ausführte, dass Millionen am Fernsehgerät die Lage von Kimme, Korn und Zielscheibe genau verfolgen konnten. Ja, es war eine Vorform des „interaktiven“ Fernsehens.

Für die ganze Familie

Beim entscheidenden „Goldenen Schuss“, der in diversen Zusammenhängen Eingang in die Alltagssprache gefunden hat, sollte ein Säckchen mit Gold (Wert: immerhin rund 8000 Mark) abgeschossen werden, das am dünnen Faden hing. Da durfte man auch als Kind schon zuschauen – und hat glühend mitgefiebert.

Der Quotenrenner erzielte bis zu 72 Prozent Sehbeteiligung und zog im Gesangs- und Promi-Teil viele Berühmtheiten an. Sogar weltweite Größen wie Grace Kelly und Frank Sinatra traten bei Lou van Burg auf.

Pikantes Liebesleben

Das alles half nichts, als besonders die Boulevardpresse ein paar pikante Details aus „Onkel Lous“ Liebesleben verbreitete. Der Mann war noch verheiratet, lebte aber längst mit einer Freundin, der Sängerin und Schauspielerin Angèle Durand, zusammen. Diese wiederum verriet den Journalisten, Lou van Burg habe eine Affäre mit seiner jungen Assistentin. Die war ihrerseits anderweitig verheiratet, erwartete aber von „Onkel Lou“ bereits ein Kind. Das alles war zu viel für die damaligen Moralvorstellungen. Das ZDF trennte sich im Juli 1967 für neun Jahre von dem populären Entertainer.

Vico Torriani übernahm die Sendung und durfte somit am 25. August 1967 die allererste große Show des am selben Tag eingeschalteten deutschen Farbfernsehens leiten. Mit dem vergleichsweise blassen Torriani lief „Der goldene Schuß“ bis 1970. In den ZDF-Archiven schlummern nur noch vier komplette Folgen, alles andere ist verschollen.

Rituale und Redewendungen

Lou van Burg, der joviale Mann von Welt mit dem neckischen Menjoubärtchen, präsentierte später noch die eine oder andere Musiksendung, doch den ganz großen Coup konnte er nicht mehr landen.

Dafür hat uns "Onkel Lou" (1917-1986) ein paar unvergessliche Rituale und Redewendungen hinterlassen – vom „Schützenfest der Heiterkeit“ über den Wechselgesang mit seinem Publikum („Hallo Freunde! – „Hallo Lou!“), den Spruch zum Laden der Armbrust („Bitte, Peter, den Bolzen“), das Kommando zum Schuss („Kimme, Korn – ran!“) bis zu den freudigen Ausrufen „Wunnebar!“ und „Der Kandidat hat 100 Punkte!“