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Spurensuche
SpurensucheFoto-Quelle: ©Martin Stauder

Spurensuche

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 21.10.2014 - 12:50 Uhr

Es gibt nichts langweiligeres als stinknormale Straßenschuhe. Das haben sie mit einem Staubsauger gemeinsam.

Ich reiste nach Athen und suchte den Schatten der Platane, wo Sokrates sich mit Phaidros über das Schöne unterhielt. In Korinth erblickte ich den Podest, auf dem Apostel Paulus zu den Korinthern sprach. Im Theater zu Ephesos suchte ich seine Spuren im Staub, entdeckte aber im Mamor nur den Fußabdruck eines Mannes, der ins Bordell ging. Christliche Fundamentalisten behaupten, Menschen lebten schon zur Zeit der Dinosaurier. In einem Flusstal in Texas soll sich in dem versteinerten Fußabdruck eines solchen Urtieres der Fußabdruck eines Menschen befinden. Ich frage mich, warum im Neuen Testament kein Tyrannosaurus Rex vorkommt. Na, ja, egal, am meisten bewundere ich Buddhas Hinterlassenschaft. Der japanische Autor 丹羽基二 will auf seinen Reisen durch Asien 3000 Fußabdrücke Buddhas aufgespürt haben. Der Leser dieser Zeilen kann sich ausrechnen, wieviele Schuhe er in seinem Leben verbraucht haben muss. Im Rechnen bin ich eine Niete, aber wenn man die 3000 Fußabdrücke durch die achtzig Jahre des Erhabenen teilt, dann dürfte man auf den durchschnittlichen jährlichen Schuhverbrauch kommen. Das sind mehr, als ich verbrauche, denn ein Paar Halbschuhe im Jahr sind genug und zu Hause habe ich in Strümpfe an. Auf jeden Fall lief Mozart aufgrund seines Lebensalters und weil er ständig in einer Kutsche auf Achse war, bedeutend weniger Schuhe kaputt als Buddha.

Sri Lanka war für Mozart zu weit, aber machen Sie dort mal Urlaub und gehen auf Klettertour. Der heilige Berg „Sri Pada“, 2243 Meter hoch. Ziehen Sie festes Schuhwerk an, Es wäre schade, sich hier die Füße wundzulaufen, denn auf Sanskrit bedeutet Sri Pada „heiliger Fuß“. Oben angekommen werden Sie in einem Kloster empfangen. Man zeigt Ihnen den Fußabdruck Buddhas. Treffen Sie dort oben einen Hindu, dann wird er stolz von Shivas Füßen reden, ein Christ erzählt vom Heiligen Thomas, ein Moslem von Adam.

Was ich damit sagen will. Die Spur eines Kutschenrades hält keine 100 Jahre, auch wenn Mozart in der Kutsche saß. Ein Fußabdruck kann unsterblich werden. Profilabdrücke meines Schuhwerks sucht man vergebens. Es laufen zu viele darüber.

©Martin Stauder

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5 Kommentare

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Geschichte pur, wunderbar. Könnte noch ein Paar hier aus Norwegen liefern, sie wurden vor kurzem unter dem Boden eines geschmolzenen Gletschers gefunden, soll von einem Wikinger gewesen sein
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Sehr interessant Martin, wie du das Thema Schuhe aufgegriffen hast.
Ich gebe zu, ich habe auch einiges beim Lesen erfahren, das mir nicht bekannt war. So viel Information kurzweilig in eine kleine Geschichte zu packen erfordert schon Können.
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Hallo Martin,
Dein Beitrag gefällt mir gut. Wie Du den Bogen von Griechenland nach Sri Lanka, von Sokrates über christliche Apostel zu Buddha gespannt, dabei unser Thema nicht aus den Augen verloren hast, das hat was!
Vielen Dank, Inga, das hat mir auch Spaß gemacht.
Das merkt man Deinem Beitrag an, Martin!
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