Unnötig grausam - der letzte Polizeiruf 110

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Fernsehkritik

Beste Sendezeit, Sonntagabend nach der Tagesschau, auf dem angestammten Tatort- Platz. Das garantiert "Polizeiruf 110" viele ZuschauerInnen. Was ihnen aber in der letzten Folge "Smoke on the water" aus der Welt der Politik und Rüstungslobby in Bayern geboten wurde, war ganz unnötig grausam, außerdem auch noch sexistisch und frauenfeindlich. Frauen kommen nur als dümmliche Opfer und Objekte vor, die ganze Sendung hindurch.

Eine Journalistin - so die Story - ist zu sehr hinter den Verquickungen der Rüstungsindustrie mit der Politik her. Die Seite der Politik wird verkörpert von einem jung-dynamischen Karrieristen, der - welch Zufall - auch noch ein adeliger Freiherr ist und in einem Schloss bei dem Ort lebt, von dem der edle Name stammt. Der smarte Herr von Guttenberg lässt uns also grüßen.

Soweit würde die Sendung noch als Satire durchgehen, aber durchgehen ist auch schon das Stichwort. Dominik Graf, dem Regisseur, sind vielleicht gemeinsam mit dem Drehbuchautor Günter Schütter die Gäule durchgegangen. Die Story wird nun auch noch mit allerhand Wegwerfsex rund um den supergeilen Jungpolitiker angereichert, und die Gewalt feiert Orgien. Nicht nur, dass wir uns den Mord in der Länge und Höhe ansehen mussten - der Politiker erschlägt die Journalistin und das Blut spritzt quer über die Decke. Bei der Verdeckung des Mordes hilft ihm ein ausgezeichnetes Netzwerk aus alten Schulfreunden vom obligatorischen Nobelinternat und die Polizei oder aber zwei Geheimdienstler in Polizeiuniform, die zu Vergewaltigung und Mord allzeit bereit sind. Warum die aber auch noch Anonymous-Masken tragen müssen? Und wozu man dafür einen tollen Schauspieler wie Matthias Brandt in den Trenchcoat des ermittelnden Kommissars stecken muss? Ein Mann seiner Klasse ist doch in diesem gewaltverbrämten Klamauk verschenkt.
Der Showdown im freiherrlichen Schloss ist nochmal superbrutal und ganz unnötig wurden uns all diese Leiden angetan, denn die Story erfährt noch nicht einmal eine Auflösung.

Kurz: Die Verantwortlichen haben zuviel Spiele geguckt und wenn sie sich auch vielleicht durch Überzeichnung über das Genre lustig machen wollten, so ist doch ein Gebräu daraus geworden, das mindestens so scheußlich ist wie Erwin Pelzigs Bowle. Nur nicht so lustig und ganz unnötig brutal.

http://www.daserste.de/unterhaltung/...er-100.html
Wenn Sie sich noch selbst davon überzeugen wollen: Die Sendung ist noch in der videothek anzuschauen bis Sonntag, den 27. Oktober (gleicher Link).

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