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Jacky
JackyFoto-Quelle: Inga S.-R. privat

Jacky

Von wize.life-Nutzer - Montag, 03.11.2014 - 07:31 Uhr

Jacky

Nebelschwaden woben über den nassen Asphalt. Ein eiskalter, böiger Wind riss die letzten Blätter von den Ästen, die sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt hatten. Rotgoldne, sonnengelbe, cognacbraune und grün-gelb gesprenkelte Blätter lagen teils zertreten auf der Erde, teils trieb sie der stürmische Wind durch die Lüfte vor sich her.

Regen peitschte hernieder, es hatten sich große Pfützen gebildet.
Margit stemmte sich gegen die Sturmböen, die an ihrem Schirm zerrten und in ihr aus den Händen zu reissen drohten. Die Kälte hatte bereits ihre dicke Jacke durchdrungen, ihre Hände, die den Schirm krampfhaft fest hielten, waren klamm.
Richtig hell war es an diesem trüben Novembertag gar nicht erst geworden.
Ihre Wangen waren gerötet und sie hatte nasse Füße,
„Ich hätte doch Gummistiefel anziehen sollen“, dachte sie.
Sogar ihr kleiner Jack Russel Terrier, der bei jedem Wetter gerne draussen war, sah sie immer wieder mal vorwurfsvoll von der Seite an. Doch er trippelte weiter, flott, aber mit verdrossener Miene. So, als ob er diesen Spaziergang schnellstens beenden wollte.
Margit war wieder einmal von Herzen froh, ihren kleinen Jacky zu haben. So musste sie aus dem Haus, egal bei welchem Wetter. Die frische Luft tat ihr gut, obwohl es manchmal Überwindung für sie bedeutete, bei so einem Mistwetter raus aus der behaglich warmen Wohnung zu müssen. Margit lebte alleine mit ihrem Hund in einer hübschen, kleinen Wohnung am Stadtrand.
Als sie in Altersteilzeit gegangen war, hatte sie sich ihren Jacky aus dem Tierheim geholt. Vorher war er bei einem Herrn, zu dessen großen Leidwesen eine Tierhaarallergie diagnostiziert worden war, kurz nachdem er Jacky angeschafft hatte. Trotz Inhalationssprays und Asthmatabletten konnte er den Hund nicht behalten. Deshalb brachte er ihn schweren Herzens ins Tierheim.
Das war genau an jenem Wochenende, an dem Margit zögerlich das Tierheim besucht hatte, um sich mal umzusehen. Sie trug sich mit dem Gedanken, sich einen kleinen Hund zuzulegen, um nicht mehr so einsam zu sein. Sie war noch gar nicht so sicher, ob es eine gute Idee war. Darum wollte sie „nur mal schauen“. Falls sie sich für einen Hund entscheiden würde, sollte er klein sein, denn ihre Wohnung war es auch. Und intelligent sollte er sein, nicht so ein tumber Bettvorleger. Bewegungsdrang sollte er auch verspüren, um sie auf Trab zu bringen. Eigentlich glaubte sie nicht wirklich daran, einen Hund zu finden, der ihren Vorstellungen entsprach.
In dem Moment, als sie das Tierheim betreten wollte, kam jener Herr mit dem kleinen Jacky an. Jacky stürmte sofort auf sie zu, umkreiste sie Schwanz wedelnd und sah sie erwartungsvoll-auffordernd an. Es war Liebe auf den ersten Blick, bei beiden. Dieser Jack Russel musste es sein, dieser oder keiner!
Und so kam es, dass Margit „auf den Hund kam“, wie ihre Freunde liebevoll-spöttisch sagten.
Sich daran erinnernd, stapfte sie durch das Regenwetter. Auf einmal kam ein Auto um die Kurve der schmalen Nebenstraße und konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Margit, in ihren Gedankengängen versunken, bemerkte die Gefahr zu spät und reagierte nicht schnell genug, konnte nicht verhindern, was dann geschah.
Schon war es passiert: Das Auto fuhr durch eine tiefe Pfütze und spritze sie von oben bis unten nass. Ihre Haare troffen und sie sah aus wie eine geduschte Maus. Sofort hielt der Wagen, ein Mann, etwa in ihrem Alter, sprang aus dem Auto und kam auf sie zu. Sie hörte gar nicht, was er sagte, vernahm seine Entschuldigungen kaum. Margit sah nur seine Augen, die feinen Lachfältchen, die wie ein Kranz drum herum angeordnet waren, das freundliche Gesicht, das einen tief bedauernden Ausdruck angenommen hatte.
Ihre Blicke trafen sich. Sie spürten beide nicht, wie der Regen in ihre Krägen rann, merkten nicht, dass Jacky sie freudig umrundete und dabei mit seiner Leine aneinander fesselte.
Es sah fast so aus, als lächelte er dabei und als wüsste er genau, was er da tat. Jackys sind klug! So ging an einem kalten, grau-nebligen Novembertag strahlend die Sonne für zwei Menschen auf. Und für einen kleinen Hund...

© Inga Scheer-Ruhland

14 Kommentare

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Wie immer, liebe Inga, wunderbar. Es stimmt wirklich, mit einem Hund Gassi gehen bedeutet: Man bekommt Kontakt zu sooo vielen Menschen mit denen man sich unterhält und und und... Daraus kann "vieles" entstehen
An einer Stelle Deines Textes bin ich etwas "gestolpert": Am Ende des 4. Absatzes. Du beschreibst so liebevoll die Gefühle des kleinen Jacky und gehst dann schnell wieder zum Frauchen über (ihre Wangen ...). Das hakte bei mir irgendwie.
Mit Hund wird das Leben bunt - oder noch ein klein wenig bunter .........
Herzliche Grüße Ilona
Liebe Ilona,
danke für Deine lieben Zeilen.
Du hast Recht! Habe es nochmal gelesen und dank Deines Hinweises ist es mir jetzt aufgefallen.
Ich werde den Absatz "umdrehen", dann passt es. Danke Dir! Vielleicht habe ich deshalb dieses mal so wenig "gefällt mir" bekommen
Jedenfalls: wenn ich in Rente gehe, kaufe ich mir einen Hund!
Liebe Grüße, Inga
Hallo liebe Ilona,
jetzt habe ich den Absatz umgeschrieben.
Ist der "Haken" jetzt raus, was meinst Du?
Liebe Grüße, Inga
Hallo liebe Inga, ich wollte Dir ja nicht so viel Arbeit machen, aber - ich finde, jetzt ist Deine Geschichte so richtig rund und soooo schön.
Liebe Ilona,
Du hast mir keine Arbeit gemacht, im Gegenteil!
Du hattest vollkommen Recht, es waren nur drei Sätze umzustellen, und schon passt es. Das kommt davon, wenn ich abends, schon halb schlafend, noch unbedingt etwas fertig machen will. Trotz dreimaligen Überprüfens passieren dann halt doch Fehler
Ich danke Dir herzlich, dass Du mich darauf aufmerksam gemacht und mir trotzdem Dein wertvolles "Lesenswert" gegeben hast!
Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,
Inga
Danke, liebe Inga, auch Dir ein zauberhaftes Wochenende. Grüße aus Berlin auf den Samerberg
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Liebe Inga, eine Geschichte, so schön geschildert, von der man sich wünscht, sie wäre wirklich passiert. Könnte das Leben nicht mal so ein Bilderbuch-Happyend liefern? Ich glaub ich schaff mir wieder einen Hund an
Lieben Gruß Ursula
Liebe Ursula,
ja, das finde ich auch! Da war bei mir der Wunsch wohl der Vater der Gedanken. Ich möchte so gerne einen Jack-Roussel-Terrier, aber so lange ich berufstätig bin, wäre das Tierquälerei. Aber irgendwann....!!!!
Liebe Grüße, Inga
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Schöne Geschichte, so sollte es öfter mal sein!
Guts Nächtle!
Danke, liebe Cornelia,
ja, das wär´ schön.
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Genau so ist es, man geht aus dem Haus weil der Hund Bewegung braucht und die vorher miese Laune verfliegt mit dem Wind. Der nette Herr ist eine schöne (erfundene) Zugabe. Liebe Grüsse Marga
Danke, Marga!
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Inga, bezaubernd Deine Geschichte. Was so kleine Kerlchen alles bewirken könnenGrüsse Eva
Danke, liebe Eva!
Die Geschichte ist frei erfunden, ich wusste nicht, was ich schreiben soll und eine düstere November-Story wollte ich nicht liefern.
Freut mich, wenn Dir die Geschichte trotzdem gefällt!
Liebe Grüße, Inga
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