Der digitale Tsunami und das angebliche Jammern deutscher Verleger
Der digitale Tsunami und das angebliche Jammern deutscher VerlegerFoto-Quelle: Joujou/pixelio.de

Der digitale Tsunami und das angebliche Jammern deutscher Verleger

Thomas Bily
Beitrag von Thomas Bily

In einem Interview mit dem Handelsblatt beschwert sich Burda Vorstand Welte über das angebliche Jammern deutscher Verleger. Damit kann er eigentlich nur Leute wie Dr. Burda, Yvonne Bauer oder Herrn Ganske meinen. Aber die jammern nicht.

Vielleicht meint er aber Verlagsmanager wie sich selbst. Doch auch von seinen Amtskollegen Julia Jäkel (Gruner+Jahr) oder Olaf Saffe (Spiegel) war kein Ton des Jammerns zu lesen - obwohl die schon ein wenig Grund dazu hätten. Sie handeln mehr oder weniger radikal und entschlossen und versuchen sich darauf einzustellen, was Nicolas Clasen in seinem Buch als "Digitalen Tsunami" beschreibt (worin übrigens auch Herr Welte zitiert wird).
Jammern tun vor allem Journalisten. Sie haben erstens Grund dazu, weil viele um ihren Job bangen, mindestens aber um ihre gute Bezahlung. Und vor allem haben sie auch die Sprachrohre, um sich Gehör zu verschaffen und um sich in Artikeln, Talkshows und Blogs über den digitalen Wandel und dessen Folgen auszulassen.
Grund zum Jammern hätten auch die Angestellten von Verlagen in Disposition, Anzeigenverkauf oder auch im mittleren Management. Ganze Etagen wurden und werden leer gefegt. Aber denen fehlt das Sprachrohr und wer interessiert sich schon für einen normalen Angestellten?

Radikale Anpassungen

Wenn Erlöse kontinuierlich sinken und Marketingbudgets ausgemergelt sind, liegt der Schlüssel für weiterhin "zweistellige Rendite" vor allem im Personalabbau. Dass die Einzelverkäufe und Aboauflagen der großen Titel schmelzen, kann man in offiziellen Quellen wie IVW ablesen. Wenn gleichzeitg das Anzeigengeschäft jedes Jahr um mind. 5% schrumpft und weitere 10% des Umsatzes wegbrechen, weil ein Vermarktungsmandat die Seiten wechselt - dann ist das kein Grund zum Jammern. Aber vielleicht doch eine Bestätigung für die, die ihre Verlage und Modelle radikal umbauen, neue Wege einschlagen oder disruptive Innovationen für ihr bisheriges Geschäft finden. Der Wandel von Renditen zu Verlusten kann schnell von statten gehen. Das zeigt die Entwicklung in anderen Häusern.
Das Haus Springer hat die Umstellung von analog auf digital schon sehr weit getrieben. So macht das Medienhaus mittlerweile mehr als 70% seines Ergebnisses mit digitalen Geschäften. Getrennt hat sich Springer von vielen Print Objekten.