November 4 Charly
November 4 Charly

November 4 Charly

Beitrag von wize.life-Nutzer

Barry und ich machen unseren Abendspaziergang am letzten Tag des Oktober. Es ist schon seit 19:00 Uhr stockdunkel im Park und auf der großen Wiese wabert der Nebel kniehoch. Barry lässt sich davon nicht stören. Er flitzt darin herum und gelegentlich sehe ich sein Halsband aufleuchten, wenn es das Mondlicht reflektiert.
“Diese Szene passt richtig gut zu den Kindern, die gruselig verkleidet „Süßes oder Saures“ an den Haustüren sammeln.“ Denke ich und lenke meine Schritte zu dem kleinen Waldstück an der Bundesstraße. Mit der Nase am Boden folgt Barry mir den schmalen Pfad entlang. Ganz gegen seine übliche Gewohnheit streunt er nicht im Gebüsch herum, sondern hält sich dicht bei mir. Als er auch noch leise knurrt, nehme ich ihn an die Leine. Es soll hier schon vereinzelte Wildschweine gegeben haben und einen Streit mit denen würde Barry wohl nicht gewinnen können.
Jetzt haben wir fast die B105 erreicht und im fahlen licht einer Straßenlaterne sehe ich, dass Barry die Nackenhaare sträubt. „Also sind doch Wildschweine im Unterholz“, denke ich, als plötzlich eine quäkende Stimme aus den Büschen zu hören ist.
“November vier Charly, wir haben die Bundesstraße erreicht“, quäkt es im Unterholz. „Bitte machen sie sich bemerkbar“! Keine zehn Meter von mir entfernt, kommt plötzlich aus dem Nebel einer der Bäume, stellt sich auf den Weg und ruft laut: „Vierte Gruppe auf dem Waldweg antreten“!
Es kracht und splittert vor, neben und hinter mir. Mehrere Büsche am Wegesrand stehen auf und schütteln sich lose Blätter aus den Zweigen. Der „beste Freund des Menschen“ versteckt sich hinter meinen Beinen und klemmt seinen Schwanz ein.
Dann flammen Taschenlampen auf, die Büsche stellen sich zu einer ordentlichen Reihe auf und stapfen vor uns her zur Bundesstraße.
“November vier Charly, wir sehen euch und schließen zu euch auf“, quäkt es wieder blechern. Dann sehe ich am Rand der Straße dreißig mit Zweigen getarnte Gestalten, die sich gegenseitig dabei unterstützen, auf einen olivgrünen LKW zu klettern.
Was manche Menschen in der Nacht zum Ersten November so alles erleben, unglaublich!

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