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Schreibwerkstatt / November

Beitrag von wize.life-Nutzer

Novembergedanken

Da steht Sie, am Fenster. Sie trägt ein wollweißes Strickkleid, dass kuschlig warm ihren Körper umschließt jedoch ihre schlanke Figur angenehm hervorhebt. Das hochgesteckte Haar lässt Sie größer wirken, größer als Sie eigentlich ist. Nur die dicken selbstgestrickten Wollsocken wollen nicht so recht zu Ihrer Erscheinung passen. Aber Sie gehören zu Ihr wie die große Tasse Tee in Ihrer Hand. Warme Düfte steigen auf und beschlagen einen kleinen Teil der großen Fensterscheibe, vor der Sie in Gedanken versunken steht. Hinter Ihr tanzen Geister durch den Raum, die Geister die im flackernden Feuer des Kamins entstehen. Sie nimmt sie nicht wahr, aber Sie fühlt die Wärme in Ihrem Rücken. Gedankenverloren steht Sie da. Ihr Blick fällt hinaus in den Garten, der vom Nebel verhüllt vor Ihr liegt. Bäume und Sträucher kann sie eher erahnen, als dass sie zu sehen sind. Schemenhafte Umrisse zeichnen sich im dichten Nebelvorhang ab. Sie ist mit jedem der Bäume und Sträucher in ihrem Garten vertraut.
Immer noch nicht vertraut ist Sie mit Ihren Gedanken und mit Ihrem Leben in diesen vernebelten Novembertagen.
Ihre Gedanken sie wandern zu Ihm…..er ist nicht mehr da ..Nebel….Nebel im Garten und Nebel in ihren Gedanken.
Seit jenem Tag an dem Sie erstarrte……..seit jenem Tag im Frühling diesen Jahres, seit jenem sonnigen warmen Tag an dem ihre vertraute Welt auseinanderbrach und in einem einzigen Scherbenhaufen zu Boden fiel.
Veränderungen….ja die hatte Sie gespürt. Er hatte sich so anders benommen, anders als gewohnt, anders als ihr vertraut. Er war nervös und gereizt und hatte Sie angefahren. Das war in ihrer beider Ehe noch niemals vorgekommen. Immer hatten sie einander vertraut. In all den Jahren waren sie fürsorglich und achtsam miteinander umgegangen. Sie hatten einander geholfen, miteinander entschieden und gemeinsam die alltäglichen Dinge der Familie und der Erziehung der Kinder besprochen. Bis dann……eines Tages…..wann……Sie weiß es nicht mehr. Es liegt so im Nebel. Eines weiß Sie sehr genau. Wenn Sie dies alles, alles was geschehen ist seit jenem sonnigen warmen Frühlingstag in einem Film sehen würde, Sie würde abschalten und denken „so ein schlechter Film“. Kein Schriftsteller würde so einen schlechten Roman schreiben. Was denkt das Leben sich denn, so mit Ihr umzugehen…..was denkt er sich nach den vielen Ehejahren so mit ihr umzugehen?
Weg……Sie hat ihm Ihr Elternhaus geschenkt?, gegeben….Wie sagt man? Dort wohnt er jetzt mit ihr, der anderen Frau, einer anderen Frau….ihrer langjährigen Freundin!
Vorbei…..Sie hat Ihr Leben wieder geordnet….oder eben versucht, was man da eben noch ordnen konnte.
Und nun….Novembernebel zieht durch den Garten. Nebel hüllt die Welt in Schweigen……auch Sie schweigt.
Tränen sind längst keine mehr übrig…..sie sind alle geweint…………………………


11 Kommentare

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Ich hoffe, dass nicht alles wirklich geschehen ist. Leider enden aber viele Ehen ähnlich. Liebe Grüsse Marga
Hallo Marga....danke für dein lesenswert......ja egal wohin man schaut trennungen...neue partner.....patchwork............was machen die menschen ....was machen wir denn da?
lg cara!
Hallo Cara, ich verstehe es auch nicht. Das macht wohl die schnelllebige Zeit.
hallo marga....die zeit, ja sie verändert die menschen.......sind wir alle nicht mehr konfliktfähig oder immer auf der suche nach dem besseren, dem schöneren, dem schlaueren..........ich möchte oft rufen.....haktet an ihr menschen, geht langsam und schaut hin auf die bunten blätter im herbst, genießt die tasse kaffee am morgen und geht sorgsam miteinander um....es gibt genug leid, auch ohne unser zutun
lg cara
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Liebe Cara, eine von dir wunderbar geschilderte Gefühlswelt. An solchen Nebeltagen versinkt man sicher noch tiefer in dem Loch, in dem man schon längst steckt. Gut wäre es da, wenn man Zorn entwickeln kann, der hilft manchmal.
Schönen Gruß
Ursula
danke ursula......ich weiß nicht (und über diese frage habe ich schon manchmal gegrübelt....ob zorn eine alternative ist.....ich glaube nicht....aber ich weiß es auch nicht. und eigentlich ist dieser november schon ein trüber monat, nur eben dieses jahr nicht......blauer himmel und sonnenschein....
danke für lesenswert und lg.
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danke dagmar und lg
Abendgruß an dich zurück
Wirklich toll geschrieben. Die Trauer und die Einsamkeit stehen mit am Fenster und schauen auf den Nebel im Garten und in den Gedanken. "1 mit Sternchen"
danke ernst, freu mich, dass du meine geschichte gelesen hast...lg cara
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