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Nikolausikone
NikolausikoneFoto-Quelle: ©Dieter Schütz / www.pixelio.de

Es gibt doch noch Wunder

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es war einmal ein Tag im Jahre 1805 als das Fuhrwerk mit dem Sarg des Waldpropheten über die Regenbrücke fuhr. Damals hatte der heute weitläufig bekannte Luftkurort des Bayerischen Waldes nur ein wenig mehr als 800 Einwohner. Einer war gerade gestorben und wurde über die Brücke gefahren. Inmitten der Brücke brach die Deichsel des Fuhrwerks auseinander, sodass der Sarg auf die Brücke polterte. Was für ein Schauder, als sich der Deckel wie von Geisterhand öffnete, der Arm des Toten sich zum Himmel streckte, dem Kutscher ein eiskalter Schreck durch die Glieder fuhr und dieser, während er sich ein Kreuzzeichen gab, eine Stimme zu hören glaubte, die sprach, ich komme wieder.

Am 06. Dezember 2020 geschah etwas seltsames. Vor den Häusern der Stadt standen rote Stiefel mit Süßigkeiten drin. Die Väter, die vorher in den Discountern Süßigkeiten gekauft hatten, waren verdutzt und haben sich dann geärgert, weil sie unnötig Geld aus dem Fenster geworfen hatten, denn die Stiefel waren offenbar kostenlos vom Himmel gefallen, ließ es sich doch nie ermitteln, wer für diese Tat verantwortlich war. Viele Kinder mussten sich den Unsinn von angeberischen Bengeln anhören, die steif und fest behaupteten, den Nikolaus gebe es gar nicht. Aber nach dem Stiefelwunder war der Gegenbeweis geliefert. Die Kinder, die an ihn glaubten, glaubten jetzt erst recht an ihn. Den Nikolaus gibt es wirklich Kein Zweifel. Am dritten Advent, nicht weit von der Kirche des St. Nikolaus entfernt, wurde die kleine Lucy, Tochter des Bäckermeisters Wilfried Haferkorn, von einer bärtigen Gestalt mit zerzausten Haaren von der Straße gezogen, bevor ein Lastwagen die Gelegenheit bekam, sie tot zufahren. Obwohl das Mädchen den Mann, den sie als Nikolaus bezeichnete, genau beschreiben konnte, wollte keiner diesen sog. Nikolaus gesehen haben. Zeugen sahen nur, wie das Mädchen im letzten Moment auf den Fußweg sprang. Die Reaktion der kleinen Lucy war unerhört und die Menschen staunten. Man versuchte aber, ihr die dumme Vision vom Nikolaus aus dem Kopf zu schlagen. Nur eine kleine Gruppe von Evangelikalen behauptete, der Nikolaus gehe in Zwiesel umher, und das, obwohl der heilige Nikolaus im Neuen Testament gar nicht erwähnt wurde. Diskussionen, ob Nikodemos aus Joh. 3,1 der Nikolaus sei, verliefen sich im Sande. Wellen schlugen bis zum Vatikan. Hinter den Mauern grübelten sie Kardinäle, ob das Wunder von der katholischen Kirche anerkannt und Zwiesel zu einem Pilgerortes werden sollte. Es kam aber so, sie schlossen die Akte, weil keine Mutter Gottes blutige Tränen vergossen hatte. Eine Gruppe mysteriöser Okkultisten, die vorher noch nie in Erscheinung getreten war, wies darauf hin, dass vor langer Zeit Google Gott fotografiert hatte und der HERR jetzt wieder ein Zeichen geben wollte. Imame diskutierten eine etwaige Beteiligung Mohammeds. Buddhisten ließen sich nicht beeindrucken . Oma Haferkorn schwor: „Des war der Mühlhiasl, der wiederkehren wollt und nicht der Nikolaus. Und richtig. Sie war in den Wald gegangen, sah jemanden joggen und rief, du bist doch der Mühlhiasl., kam dann nach Haus' in die Backstube und sagte zum Willi: „ Du, i hob den Mühlhiasl g'sehn, des golden Zeitalter kann nun komma.“ Die Gerüchteküche loderte und erhitzte die Köpfe.

Eines Tages, viele Jahre später, die Oma im Sterbebett lag und die Lucy groß geworden, ging die Enkelin zur Oma hin und flüsterte ins Ohr, damals, das war wirklich der Nikolaus. Nein, sagte die Oma, des woar d' Mühlhiasl, i hob ihn g'sehn.“- „Und ich habe den Nikolaus gesehen, basta!“ - Das stümmt net, der Mühlhiasl war's!!“ - „Nein, der Nikolaus!!!“ -
Vor Aufregung schloss Oma die Augen für immer, und wenn sie nicht gestorben wär', hätten sie noch weitergestritten.


©Martin Stauder


1 Kommentar

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Maddin 2020 ist gar nicht mehr so weit, hoffentlich dreht sich da unsere Welt noch. Schön geschrieben
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