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Wie ich ein Fake wurde - eine Glosse nach zwei Flaschen Bier

Wie ich ein Fake wurde - eine Glosse nach zwei Flaschen Bier

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 10.07.2015 - 18:39 Uhr

Ich hatte wieder einmal über den Durst getrunken, aber, bei der Hitze, na, ja, da habt ihr doch Verständnis. Mein Hausarzt hämmerte mir ständig ein, ich solle viel trinken und daran hielt ich mich natürlich. Und jetzt lief mir meine Nachbarin, die Frau Henriette Dumm, entgegen. Sie ging mit ihrem Dackel Rambo Gassi. Ich konnte es nicht begreifen und bemitleidete sie, weil sie sich bei dieser Hitze von einem kleinen Hund durch die Straßen ziehen ließ. Kein Wunder, sie hechelte schon und gleich zu Hause hing sie bestimmt, unter einem Wasserhahn, damit ihr Kreislauf nicht zur Hölle fuhr. Ich war drauf und ran ihr eine Flasche Bier in die Hand zu drücken. Ein paar Schluck waren noch drin, aber sie musste wohl meine Fahne gerochen haben. Jedenfalls konnte ich nur noch, bevor sie an mir vorbeihuschte, sehen, wie ihre Nase sich krümmte. In Sachen Körpersprache war ich jetzt eine Lektion weiter. Ich hatte nicht jedes mal ein Pfefferminzbonbon dabei. Für einen kurzen Moment sah sie aus wie eine böse Hexe und ich musste Grinsen, zumal ihr Nachname mir durch den Kopf wanderte. „Dumm“. Dumm gelaufen dachte ich und sah ihr nach. Rambo hatte sie noch immer fest an der Leine. Meine Fresse, wie kann man nur „Dumm“ heißen, dachte ich. Henriette Kluge hörte sich doch viel besser an. Ich wette, und da werdet ihr mir zustimmen, ihre Eltern waren auch schon dumm durchs Leben gelaufen und litten unter diesem grässlichen Namen. Niemals waren sie auf die Idee gekommen, sich auf „Kluge“ umtaufen zu lassen. Und jetzt quälte sich ihre Tochter immer noch mit diesen Namen herum und ließ sich von einem unbedeutenden Dackel abschleppen. Vielleicht fand sie deswegen keinen Mann. Zeitweise verirrten sich meine Gedanken zwar dahingehend, dass ich von der fixen Idee besessen war, mit ihr im Bett rumzumachen und vergaß dabei sogar ihren Namen. Aber bei geklärtem Bewusstsein wagte ich nicht, mich an sie heranzumachen. Die grauenvolle Vorstellung, sie würde bei unserer Heirat auf ihren Nachnamen bestehen, krümmte meine allerwerteste Männlichkeit.

Ich befand mich in einer schwierigen Situation. Wenn ich mir vorstellte, ich müsste mich in einem sozialen Netzwerk wie Seniorbook mit „Maddin Dumm“ anmelden ... nicht auszudenken. Ich hätte keine Chance auf einen Flirt, sogar Scammermiezen würden mich meiden. Es wäre echt Scheiße. Moment, ich könnte mich doch „Maddin Klugscheißer“ nennen, hört sich ein bisschen besser an als Dumm. Trotzdem, es wäre schrecklich. Da sagt einer „Dumm“ oder „Klugscheißer“ zu mir und wird gedreieckt. Nein, diese Verantwortung konnte ich nicht auf mich nehmen. Darum ging ich, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, Frau Henriette Dumm künftig aus dem Weg und nannte mich auf Seniorbook „Niemand Namenslos“. Ich bildete mir ein, damit würde ich jedes Risiko der Verdummung meiner Person aus dem Wege gehen und lud auch kein Profilbild hoch. Irgendwann jedoch fiel es mir auf, dass jeder mich ein Fake nannte. Mein Ruf war dahin, auf ewig.

©Martin Stauder

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12 Kommentare

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...ist der Ruf erst ruiniert, säuft es sich ganz ungeniert

Dein Beitrag gefällt mir gut, Martin! Du hättest mein Grinsen sehen sollen!

Ach ja, "Grinsen": da hat sich ein kleiner Fehler bei Dir eingeschlichen, was bei der Hitze und nach 2 (?) Flaschen Bier nur zu verständlich ist.
Du hast geschrieben: "ich musste Grinsen" - nichts für ungut!
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Dumm gelaufen. Ach nee! Du bist und bleibst der Maddin. Liebe Grüße Eva
Danke, liebe Eva.
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"Wieder einmal über den Durst getrunken"...
AHA!
Männers lasst das, es bekommt euch nicht!
Ich werde da mit meinem Hausarzt drüber reden.
UND unbedingt diese Geschichte erzählen!
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Toll geschrieben Martin
Dabei sind doch Namen Schall und Rauch, oder vielleicht doch nicht ganz
Danke Inis, Ja, Namen sind zweitrangig, der Charakter zählt
So sehe ich das auch
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Wer Menschen NUR aufgrund seines Namens be/verurteilt, ist einfach NUR dumm !
Ich finde es schade das manche Menschen immer nur der "dummen Herde" hinterherlaufen, denn auch das kann einen Ruf ruinieren.
Man kann einen Ruf aber nur ruinieren, wenn man einen hat
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Und für so was reichen dir zwei Flatschen Bier? Respekt!
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