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"Verschwiegene Lust"  Gefunden in meiner Schatzkiste

"Verschwiegene Lust" Gefunden in meiner Schatzkiste

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 02.08.2015 - 15:33 Uhr

Zum Geburtstag einer 70jährigen fragte ich sie, wie das mit der Liebe im Alter sei. Sie winkte ab: ,,Ach, da hat man mit sich und seinen Krankheiten zu tun!" - Das klang nicht gerade hoffnungsvoll. Und ich dachte, Einsamkeit kann auch krank machen.
Hoffnungsvoll hingegen ist das vor langer Zeit bei Kiepenheuer & Witsch erschienene
Buch ,Verschwiegene Lust" von Renate Daimler.

Die Autorin wollte herausfinden, was Frauen erwartet, wenn sie kalendarisch alt genannt werden und ihr Recht auf Lust auf die geistige Parkbank geschoben wird. Entstanden ist ein Buch. an dem man nicht vorbeischauen sollte. Frauen über Sechzig erzählen von ihrer Liebe und Sexualität.
,,Ich habe viele Antworten gefunden", so die damals 42jährige Journalistin, ,,alles ist möglich: die Fülle, die Dürre, die Resignation und der Mut zur Lust." –

Mut zur Lust
ist Lebenslust, Freude am Dasein, noch nicht abtreten wollen, weil das Leben Spaß macht. weil da noch jemand ist, der die Sinne wachhält. -
Vertreterinnen einer "lustunfähigen Generation" lüften den Schleier. Leben in Fülle quillt hervor, macht sichtbar, was verdrängt wird * die Sehnsucht unserer Mütter, Tanten, Großmütter nach Umarmung.

Stellvertretend für sie steht Judit. 7 I Jahre.
Sie bekennt: ,,Ich unterdrücke meine Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Sexualität. Das fordert eine große Selbstbeherrschung von mir. Das ist ein Punkt des Unglücks in meinem Leben."

Anders ist es bei Marcella, die im Alter von 72 der Leidenschaft begegnete und diese zulassen konnte. ,Mein Körper hat sich auch damals noch als Frau gefühlt, und es gibt immer noch Momente, wo ich als Frau fühle", so die heute 83jährige.
Mit 64 Jahren bringt es Maria auf den Punkt: ,,Wenn ich mit Männern zusammen bin, fühle ich mich nicht alt." -

Ein Gegenüber haben,
Erotik oder Sexualität erleben, sich nicht alt fühlen, ist nicht die Summe von Jahren, sondern Mangel an Nähe. Wie viel Kraft wird verbraucht, um diesen Mangel nicht wahrhaben zu wollen.
Kraft, die dem Leben verlorengeht und von der Jugend eingefordert wird, um
nicht in selbstgemachter Einsamkeit zu versinken. Eine Einsamkeit, die nicht zwangsläufig so sein muss, wenn man die Tür zum anderen offenhält.

,,Verschwiegene Lust"

ist ein Buch vom Durchhalten und Ausbrechen, von Trauer und Hoffnung, von Begegnungen, die sich an kein Lebensalter festmachen lassen.
Dazwischen kurze, meditative Texte von der Autorin. Gedanken, bei denen man ausruhen kann wie auf einem Meilenstein am Rande
einer Landstraße. Texte, die den Weg der Erzählerinnen bedenken - eigene
Beobachtungen hinzufügen, Sichtweisen einer damals Zweiundvierzigjährigen.

Es ist ein hoffnungsvolles Buch, weil es offen lässt, wann und wie man der Zuneigung eines anderen Menschen begegnet. Es ist Bereicherung für jene, die in der Altenarbeit tätig sind, und könnte zur Anregung dienen, wenn Seniorenzentren entwickelt werden. Es ist ein guter Weg, um miteinander ins Gespräch zu kommen, um Vorurteile und Barrieren abzubauen, denn alles ist möglich: die Fülle, die Dürre und dass auch wir einmal älter werden.

Margarete Noack
Renate Daimler. "Verschwiegene Lust"
Verlag Kiepenheuer & Witsch 1991

als Taschenbuch günstig zu kaufen

12 Kommentare

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Vor einigen Tagen, nach dem Blick in den Spiegel, dachte ich so, jetzt biste Oma Auguste. Eine sehr starte Frau und sie erinnerte mich, im Aussehen immer an Kaethe Kollwitz Glühende Augen, noch mit siebzig, frech, und charmant. So, brauchste keine Angst vorm Alter haben, dachte ich so und dann, keiner da zum Anlehnen. Vererbtes Verhalten? Wir sind doch nicht mehr, wie unsere Omas, oder?
Barbara, du zauberst ein Lächeln in mein Gesicht.
Das hast du schön geschrieben.
Ja wir tragen die Gene unserer Mütter und Großmütter in uns und wir haben die Aufgabe sie weiter zu entwickeln, denke ich an mutigen Tagen auch
Es ist eigendlich ganz einfach, Margarete. Wir tun, was uns gefällt und was wir fühlen. Aber, was dann, mit den alten Herren? Die brauchen wir, ums auszuleben. Die haben ihre Enkelin getauscht oder Onkel Doktor sag nein. Das ein sch. .... .. Spiel.

Barbara, hier gibt es schöne Frauen - du gehörst dazu.
Was zu dir will, dem entgehst nicht
Das aber lieb, nur kommts mir so vor, die Angst regiert.
Manchmal schon, aber das hatte auch deine Oma Auguste erleben müssen, um dennoch so stark zu sein.
Wer nur stark ist zerbricht am Ende
das hast du jetzt aber , so fast grausam schön leider und wahr doch ist , richtig schön mutig ehrlich ausgedrückt .
der starke zerbricht erst , am ende aber nicht glaub ich .
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Marika Röck sang einst das Lied von Franz Grohe "Wenn ein junger Mann kommt, der weiß, wo´s drauf ankommt."

Als ich diesen Artikel eben las, dachte ich über die wachen Empfindungen auch noch im hohen Alter nach, die einfach da sind, wenn man offen und ehrlich sich selbst gegenüber ist. Von denen man aber Abstand genommen hat, vielleicht weil man zum Beispiel denkt, nicht mehr schön genug zu sein. - In Überlegungen versunken, kam mir plötzlich das Lied von Franz Grohe in den Sinn. Aber was sang ich denn da? Ich sang ja völlig ungewollt einen umgeänderten Text. "Wenn der RECHTE Mann kommt...".Ja, dann ist alles wieder da, so alt man auch ist und von dem man eigentlich Abschied genommen hatte.
Gisela,
das hast du wunderbar geschrieben. Ich drück dich mal.
Danke
Liebe Margarethe, ich nehme Dich auch mal rasch in die Arme. Tut uns das gut!
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