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DIE  BREITE  STRASSE - ein riesiger Blackout -

DIE BREITE STRASSE - ein riesiger Blackout -

Von wize.life-Nutzer - Montag, 14.12.2015 - 00:07 Uhr

DIE BREITE STRASSE
- ein riesiger Blackout -

Anruf von Mutter. Bitte komme, ich habe etwas für Euch, mußt es aber gleich abholen.

So gerne ich meine Eltern besuchte, heute paßte mir das gar nicht. Ich hatte unbekannte Schmerzen. Doch ich hatte dafür keine Erklärung. Ich wollte nicht, dass meine Eltern sich Sorgen machten. Und deshalb zog ich mich an, holte meine Kinder vom Spielplatz ....

Auf dem Heimweg wurden die Schmerzen so stark, dass ich mich am Bodenblech im Auto abstemmte und die Arme starr im Lenkrad verankerte. Ich kannte diese Schmerzen nicht. Ich betete in meiner Verzweiflung zum lieben Gott, er möge mir doch bitte soviel helfen, dass ich meine Kleinen heile nach Hause brächte. Es gelang mir bis kurz davor. Mein Parkplatz war besetzt. Kurzer Hand besetzte ich einen fremden P auf der gegenüberliegenden Seite.
Das Auto stand, die Kinder stiegen aus. Auch ich pellte mich aus der Eisenschale, stand noch etwas da, auf dem Autodach abgestützt. Ich schaute über die breite Straße und suchte den nächsen "Stützpunkt". Bis zu diesem roten Auto rmußte ich kommen ohne Stütze.

Die breite Straße lag zwischen Zwei Hausreihen.
Jede hatte die ganze Seite tiefe Parkbuchten für große Autos, Kombis und sogar LKW's. Dazwischen hätten gut und gern auch noch 2 große Panzer nebeneinander durchfahren können. Es hätte keinerlei Berührungs-Gefahr bestanden.

So stand ich an meinem Kleinwagen und taxierte die Breite. Bis zu diesem roten Auto drüben muß ich kommen. Das ist der erste mögliche Haltepunkt. Hoffentlich verkratze ich die Karosserie nicht. Ich versuche einen Blick an mir runter, rechts und links. Nur meine Hände . . können die Kratzer im Lack verursachen? Ich stand da wie ein Maikäfer, der erstmal viel Luft tanken muß, ehe er seine Flügel ausbreitet und abhebt. Meine Augen suchten den Weg vor und zurück, und vor und zurück. Mein Ausgangspunkt war fest eingeprägt. Das Ziel mit festem Blick anfixiert lief ich endlich los - wahrscheinlich, denn ich kam drüben an. Meine Kinder fanden mich neben dem roten Auto liegend.
Doch das sollte ich erst viele Stunden später erfahren.

So viele Blüten. So viel Weiß und Gelb und zartes helles Grün. Die Wiese, nicht frisch gemäht, wurde von einem riesigen Blütenmeer überragt. Grün, weiß, gelb wohin ich auch sah. Ich jauchzte vor Freude. Ich drehte mich glücklich und fühlte mich sehr wohl. Es war heller Sonnenschein. Und die vielen Blumen - . Ich stapfte durch die Wiese und pflückte mir einen Strauß. Und wo sich ein Bienchen hinsetzte wartete ich geduldig, ehe ich den Stiel brach. Immer mehr Bienchen kamen und Hummeln. Bald war die ganze Wiese voll. Die Farbe war nun etwas anders geworden. Die vielen Bienen und Hummeln fliegend, und auf den Blüten sitzend mischten Brauntöne mit hinein. Ich hörte einen Wohlklang vom Summen der vielen fleißigen Insekten. Das Summen wurde von einem Rauschen begleitet, das immer lauter wurde. Und ich beobachtete, wie die Insekten unruhig wurden und etwas wirr durcheinander flogen. Sie umschwirrten mich wie einen Fremdkörper auf dieser schönen Wiese. Ruhig blieb ich stehen und meine Augen allein beobachteten weiter dieses Spiel. Es wurde wieder ruhiger und das Summen der Insekten überwog.

Da war etwas worauf ich mich setzen konnte. Eine kleine Biene kam direkt auf mich zu, setzte sich auf meinen Arm und ließ sich beobachten. Unvermittelt stach sie mich in die Beuge. Erst wollte ich sie nur wegblasen. Das ging nicht. Dann wollte ich sie mit der linken Hand wegschieben. Doch etwas hinderte mich daran. Wieder stach die Biene. Wieder in die Beuge. Jetzt nahm ich all meine Kraft um die Biene von meinem Arm zu streichen. Ich konnte dieses Hindernis nicht überwinden. Nach einigen Veruchen kam ich bis zu der Biene heran. Da wurde meine Hand gehalten und weggetan. Ich war allein auf der Wiese, die allmählich etwas verschwamm. Die Biene hatte mich schon sehr irritiert. Warum blieb sie immer noch und warum sticht sie mich weiter? Es entstanden viele Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Und wer hielt meine Hand so weit weg.

Es dämmert. Ich wußte, ich lag.
Aufstehen, Kinder richten. Schule und Arbeit warten. Doch ich war unfähig aufzustehen. Was ist los? Warum kann ich nicht aufstehen? Ich muß doch .... Da spürte ich wie meine Hand festgehalten wurde, und die Biene anscheinend immer noch in meine Ellbeuge stach. Leichte Erinnerung kam. Doch ich war nicht mehr auf der schönen Wiese. Weder stehend noch sitzend, noch laufend. Ich lag. Und scheinbar hilflos. Denn ich konnte nicht aufstehen. Ich versuchte meinen Arm wieder frei zu bekommen um endlich diese Biene loszuwerden. Da wurde meine Hand schon wieder festgehalten, aber diesmal nahe der Beuge. Wieder ein Gedankenloch.

Vorsichtig öffne ich meine Augen. Wo bin ich? Meine Augen suchen die Umgebung ab. "Jetzt endlich", höre ich jemanden sagen. Meine Kinder standen dicht bei mir. Doch die redeten nicht. Es waren Erwachsene. Ich drehe meinen Kopf zum Bienenarm. Mein Hausarzt saß daneben. "Seine Nadel" war also diese unnachgiebige Biene gewesen. Und wer hatte meine Hand so eisern im Griff? Bis jetzt auch er. und davor müssen es die Nachbarn gewesen sein, die zu mehreren auch um mein Lager standen.

Irgendwann war ich wieder auf den Beinen. Der Alltag hatte mich erfaßt. Das Leben ging weiter.
Und irgendwann fragte ich meine Kleinen, wie ich denn ins Zimmer kam, und wo ich vorher war. Neben dem roten Auto der Nachbarin sei ich gelegen. Dieses rote Auto hielt sich in meinem Kopf fest. Die Löcher dazwischen blieben bis heute. Damals hatte ich wohl einen totalen Blackout. Oder war es etwas ganz anderes?

Es dauerte weit mehr als 35 Jahre, bis mich die ersten Erinnerungen einholten. So ganz vage: Ich wollte doch da einmal über die breite Straße.

13.12.2015 von e.franke

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15 Kommentare

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Liebe Edith, deine wirklich gute Geschichte habe ich heute erst gelesen. Das war ja ein einschneidendes Erlebnis. SB bringt uns dazu nach längst vergessenen Erlebnissen zu suchen - und plötzlich ist alles wieder da. Liebe Grüße und ein gesundes neues Jahr.
Danke, liebe Marga,
Du weißt ja, ein -glück kommt selten allein. Doch die anderen beschreibe ich nicht.
Danke für Deine guten Wünsche. Mach auch Du für dich das Beste daraus. ✫✫✫
Liebe Grüße
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....echt spannend, mit sehr interessanten Details
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Edith, Du schreibst immer toll
Danke Hilmar.
Weißt Du, ich habe immer gern geschrieben. Bei Vollmond hatte ich mich Bett aufgestzt, Block auf meinen Knien und meine Gedanken niedergeschrieben. Leider war das so selten der Fall. Gibt ja nur 13 im ganzen Jahr und davon sind noch etliche von Wolken bedeckt.
Hätte meine Mutter damals diesen Block durchgelesen, wäre ihr das warten auf ein Wunder erspart geblieben, Das Wunder, dass mein Teddybär mal reden kann und ihr erzählt, wie es im Herzen ihres Kindes wirklich aussieht.
Ich habe nix aufgeschrieben sondern alles meiner Mieze erzählt da war es besser aufgehoben.
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Eine echte Blackout-Geschichte. Gut geschrieben, spannend, packend.
Danke Inga.
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Sehr gut erzählt , eine schöne Geschichte !
Danke Helga Es freut mich , dass es Dir gefällt.
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Hallo Edith, eine packende Geschichte! Du hast den Begriff Blackout sehr anschaulich und nachvollziehbar eingebunden. Mir gefällt besonders die Schilderung der vermeintlich erlebten Natur, eine wunderbare Idee.
Mir ist so eine Situation nicht fremd, hin und wieder passiert mir das während und nach einer schweren Hypoglykämie.
Dir wünsche ich ein Leben ohne weiteren Blackout
Liebe Grüße
Ursula
Guten Abend Ursula,
danke für Deinen netten Kommentar. Und natürlich auch für Deine guten Wünsche.
Die Guten Wünsche gebe ich gerne auch an Dich weiter, Ursula.
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Danke für das Bild. passt gut dazu.
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